Annedore von Ziegesar fühlte sich nach einer Odyssee von Hamburg nach Stuttgart von der Deutschen Bahn ungerecht behandelt Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Zug hat Verspätung – oder fällt ganz aus. Welche Ansprüche können da die Fahrgäste bei der Deutschen Bahn geltend machen? Annedore von Ziegesar wollte ihre Taxikosten ersetzt bekommen. Ihr Antrag wurde bisher abgelehnt.

Stuttgart - „Einsteigen und entspannen“ – über den Werbeslogan der Deutschen Bahn AG kann Annedore von Ziegesar nur den Kopf schütteln. Nach einer Zugfahrt von Hamburg nach Stuttgart steht sie entnervt am Hauptbahnhof. Es ist 3.20 Uhr morgens. Weil weder Busse noch Bahnen fahren, steigt sie ins Taxi. Sie will nur noch eines: heim nach Plieningen.

Eigentlich hätte die 74-Jährige bereits um 22.50 Uhr in Stuttgart ankommen sollen – nach einer bequemen Fahrt erster Klasse. Doch ihr Intercity ab Hamburg blieb vor Celle liegen. Der Grund: Tiere hatten sich auf den Gleisbereich verirrt. Nach einer Stunde hieß es für die Passagiere: umsteigen in einen anderen Zug. „An einen Platz in der ersten Klasse war nicht zu denken. Die Waggons waren überfüllt“, sagt die Bahnkundin.

In Hannover musste sie nochmals umsteigen und stand nach eigenen Aussagen eine halbe Stunde in der Kälte, bis es endlich weiterging. Kurz vor Ankunft im Frankfurter Hauptbahnhof erhielten die Passagiere das Angebot, in Frankfurt zu übernachten, da der Zug erst um 3.20 Uhr in Stuttgart einfahren würde.

Servicecenter lehnte ab: Fahrkarte nicht auf Plieningen ausgestellt

Annedore von Ziegesar fuhr trotzdem weiter nach Stuttgart. Dort stieg sie ins Taxi. Überzeugt davon, dass die Bahn die Kosten von 28 Euro erstattet, schickte sie die Rechnung ans Servicecenter für Fahrgastrechte. Doch das Servicecenter lehnte ab – mit der Begründung, dass Stuttgart-Plieningen nicht der Ort ist, auf den die Fahrkarte ausgestellt sei. Erstattet bekam sie zur Hälfte die Fahrtkosten sowie die Gesamtkosten für die Reservierung. Unterm Strich waren das 24,40 Euro.

Nach all den Strapazen ihrer Fahrt von Hamburg nach Stuttgart hatte die 74-Jährige erwartet, dass die Bahn sich als kulant erweist. „Die Übernachtung in einem Frankfurter Hotel wäre wesentlich teurer gewesen. Und um diese Uhrzeit sind ja keine Busse und Bahnen mehr nach Plieningen gefahren“, stellt die Rentnerin fest.

Die Bahn AG beruft sich darauf, dass sie an die Entscheidungen des Servicecenters für Fahrgastrechte gebunden sei. „Das ist eine unabhängige Prüfstelle für Kundenansprüche. Dort werden den Reisenden gleiche Rechte bei allen Eisenbahnunternehmen und der S-Bahn eingeräumt“, so eine Bahn-Sprecherin. Sie versichert, dass sich ihre Kollegen vom Servicecenter absolut korrekt verhalten hätten.

Erstattet werden maximal 80 Euro

Korrekt schon: Ab 60 Minuten Verspätung erhält der Fahrgast eine Entschädigung von 25 Prozent der Fahrtkosten. Ab 120 Minuten erhöht sich die Summe auf 50 Prozent. Bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 60 Minuten und einer Ankunftszeit zwischen Mitternacht und 5 Uhr hat der Fahrgast auch das Recht, Bus oder Taxi zu nutzen.

Allerdings nur bis zu dem auf dem Ticket angegebenen Ziel. Und nur, wenn keine Alternative angeboten wird. Erstattet für solche Fahrten werden maximal 80 Euro.

„Anspruch auf Nutzung eines Taxis hat man tatsächlich nicht, wenn der Zielbahnhof erreicht ist“, bestätigt der Experte für Reiserecht beim Zentrum für europäischen Verbraucherschutz in Kehl. Aber ist korrekt auch kulant?

Bahn glaubt an eine Lösung

„Wenn sich der Fall tatsächlich so zugetragen hat, kann ich nicht nachvollziehen, warum die Taxifahrt nicht ersetzt wird, wo doch die Hotelübernachtung ausgeschlagen wurde“, sagt Stefan Buhl, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Er weist darauf hin, dass „kein Gesetz der Welt“ der Bahn AG oder dem Servicecenter verbietet, freiwillig das Taxigeld zu ersetzen.

Bei der Bahn hat man sich zwischenzeitlich entschlossen, nochmals mit Annedore von Ziegesar Kontakt aufzunehmen. „Wir gehen davon aus, dass sich eine einvernehmliche Lösung finden lässt“, so die Bahn-Sprecherin.

Infos zu den Fahrgastrechten unter: http://www.bahn.de/p/view/service/fahrgastrechte/uebersicht.shtml

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