Reisende eilen nahe einem Fahrscheinautomaten über einen Bahnsteig. Ab Mitte Dezember ändern sich im Fernverkehr die Preise. Foto: dpa

Wie viel eine Fahrt im ICE, IC und EC kostet, hängt erstmals ab 11. Dezember immer auch vom Reisetag ab. Am Freitag und Montag könnte es teurer werden.

Berlin - Die Deutsche Bahn dreht wieder an der Preisschraube. Erstmals seit drei Jahren werden die Fahrscheine im Fernverkehr für ICE und IC wieder teurer. Im Schnitt um 1,3 Prozent, teils aber auch deutlich mehr. Gleichzeitig ändert der Staatskonzern zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember sein kompliziertes Preissystem.

Wie viel eine Fahrt im ICE, IC und EC kostet, hängt dann erstmals immer auch vom Reisetag ab. Das bringt Vor- und Nachteile für Reisende. Am Freitag, Sonntagabend und Montag könnten Reisen teurer werden, weil dann viele Wochenendpendler unterwegs sind und viele Züge stark ausgelastet sind. In der übrigen Zeit könnten die Preise tendenziell etwas sinken. Allerdings schränken die Änderungen auch die Flexibilität der Tickets ein und vergrößern nach Ansicht von Experten das Tarifwirrwarr.

Schon bisher müssen Bahnfahrer die Tickets für Fern- und Regionalverkehr unterscheiden, zudem gibt es mittlerweile zahlreiche DB-Konkurrenten mit eigenen Tarifsystemen. Bei der DB selbst existiert eine Vielzahl von Fahrscheinen, Sonderangeboten und Rabattkarten, deren Preise sich zudem teils nach Vertriebskanal unterscheiden. So sind Tickets am Schalter und in Agenturen wegen eines Beratungszuschlags oft etwas teurer als an Automaten oder im Internet.

Im Fernverkehr gibt es Spar- und Flexpreise

Zudem gibt es im Fernverkehr generell zwei Preiskategorien, nämlich Spar- und Flexpreise. Bei den Sparpreisen ab 19 Euro muss vorab ein fester Reisetermin gebucht werden, das Ticket gilt nur für die gewählte Zugverbindung. Die höheren Flexpreise dagegen ermöglichen freie Wahl. Die Hinfahrt muss aber innerhalb der ersten beiden Gültigkeitstage angetreten werden, die Rückfahrt beliebig innerhalb eines Monats.

Das wird sich zum 11. Dezember ändern. Ab dann wird die DB die Flexpreise für ICE, IC und EC erstmals nicht nur abhängig von Reisestrecke, Zugkategorie und Wagenklasse festsetzen, sondern die Preise auch nach dem Reisetag unterscheiden. Die bereits auf den Strecken Frankfurt-Köln sowie München-Nürnberg erprobte Tarifdifferenzierung werde nun „national ausgeweitet“, bestätigte der Staatskonzern unserer Redaktion. Die Regeln sollen „zunächst für ein Jahr“ gelten.

Das Bundesverkehrsministerium hat die Änderung für den Fernverkehr, den der Konzern auf eigene Rechnung fährt, nach DB-Angaben genehmigt. Für den hoch subventionierten Regionalverkehr, den die Umstellung auch erheblich betreffen könnte, läuft dagegen noch das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt.

Schwach ausgelastete Tage werden günstiger

Man sei noch im „Pilotstadium“ und teste einige Szenarien, betont der Konzern. Der Auf- oder Abschlag an einzelnen Tagen liege bisher bei 2,9 Prozent. Schwach ausgelastete Tage würden günstiger, stark ausgelastete Tage teurer. In den ersten Monaten seien Preisanhebungen eher unter der Woche und Preissenkungen an den Wochenenden geplant.

In der Testphase auf den beiden Strecken seien Kunden selbst an den 25 Tagen mit Spitzenauslastung im ersten Halbjahr meist nur von geringen absoluten Preissteigerungen betroffen gewesen, argumentiert der Konzern. Bei 80 Prozent der Flexpreis-Kunden habe die Preissteigerung in der 2. Klasse unter 1,50 Euro gelegen, die maximale Preissteigerung dort habe vier Euro betragen.

Mit der Festlegung auf einen Reisetag verlieren die Kunden allerdings auch die bisherige Flexibilität bei der Rückfahrt. Zwar sollen, anders als bei den Teststrecken im August und September, auch künftig vorerst Hin- und Rückfahrt weiter auf einer gemeinsamen Fahrkarte gebucht werden, wie das seit Jahrzehnten üblich ist. Allerdings muss für die Rückfahrt ab 11. Dezember erstmals beim Flexpreis künftig ebenfalls ein fester Termin abgegeben werden.

Änderung auch im Regionalverkehr der Bahn

So soll vermieden werden, dass Reisende künftig ein billigeres Hinreise-Ticket zum Beispiel für einen Samstag buchen und dann an einem teureren Reisetag wie Montag oder Freitag zurückfahren. Die Änderung wird vom Konzern bestätigt. „Ja, das ist richtig“, erklärte eine Sprecherin. Der Kunde müsse künftig bereits beim Kauf einer Hin- und Rückfahrt auch für die Rückfahrt seinen Reiseantrittstag festlegen. Die Rückfahrt könne aber bei Reisen über 100 km weiterhin an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden, eine Fahrtunterbrechung sei weiterhin bei Flexpreis-Tickets möglich. Auch die Preisdegression auf längeren Strecken gehe nicht verloren.

Im Regionalverkehr, wo die DB mit Regionalexpress und Regiobahn ebenfalls lange Verbindungen fährt, sollen die Kunden bei Rückfahrten ebenfalls künftig vorab den Tag festlegen. Das begründet der Konzern damit, dass die IT-Systeme hier nicht zwischen Fern- und Nahverkehr unterscheiden könnten. Bisher prüft das Regierungspräsidium Darmstadt noch den Antrag des Staatskonzerns.

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