Komiker Okan Seese geht mit seinen Besonderheiten offen um. Foto: /JEAN-FERRY|PHOTOGRAPHY

Der Auftakt des deutsch-türkischen Kabarettfests im Renitenztheater ist eine Befreiung über alle Grenzen hinweg. Auf der Bühne und im Publikum gibt es auch für Gehörlose viel zu lachen.

Kommt ein schwuler, tauber, halber Türke ins Kabarett … so könnte einer der Witze beginnen, die Okan Seese in High Heels auf der Bühne reißt. Der Komiker rückt seine Besonderheiten offensiv nach vorne, thematisiert aber ebenso die Unzulänglichkeiten der Gesellschaft, damit umzugehen. Wenn etwa der Kellner ihn überfordert auf Englisch anspricht oder die Arzthelferin mehrmals nach seiner Telefonnummer fragt.

 

Damit das im Renitenztheater funktioniert, hat Okan Seese nicht nur ein Flipchart dabei, von dem er zu Beginn nacheinander Blätter mit „Stimmungstest“, „Applaus!“, „Ich höre nichts!“ herunterreißt, sondern auch eine Übersetzerin. Die beiden sind ein super eingespieltes Team, denn seine Svenja, die er nach Lachern bezahlt und auch mal Marionette nennt, übersetzt seine Gebärden souverän mit Berliner Schnauze. Umgekehrt geht das bei den anderen beiden Comedians, die das deutsch-türkische Kabarettfest eröffnen. Das heißt jetzt Saka Maka, was so viel wie Spaß beiseite bedeutet. Da auch Gehörlose im Publikum sitzen, ist Bora Ahmet Altun und Cüneyt Akan je eine Übersetzerin an die Seite gestellt, mit der sie zuvor noch nie auf der Bühne standen.

Witze werden in Gebärdensprache übersetzt

Akan scherzt, „das ist die einzige türkische Frau, die alles macht, was ich sage“, als sie seine Sprüche in Gebärdensprache überträgt. Und Bora hat sichtlich Spaß daran, seine voller Verve agierende Rita zu beobachten, wie das, was er sagt, ausschaut – und schmeißt ihr spontan tolle Wörter hin: Senkfußeinlage! Wie bei Cüney Akan haftet seine Herkunft an ihm. So wurde er von seinen deutschen Schwiegereltern begrüßt, als ob er gerade über die Flüchtlingsroute gekommen sei – obwohl er hier aufgewachsen ist, zwei Bachelor-Abschlüsse hat und besser Deutsch spricht als viele Urdeutsche.

Cüney Akan spielt am meisten mit türkischen Klischees, weiß, dass manche Ehen schneller geschlossen würden als eine Microsoft-Word-Datei, kennt sich aber auch mit Deutschen auf Kreuzfahrten aus: Altersdurchschnitt 89, Sterberate vier pro Route – und dann ab zum Gemüse ins Kühlfach. Manchmal muss einem das Lachen eben im Halse stecken bleiben, insgesamt aber war dieser Auftakt des Kabarettfests auch dank der Übersetzerinnen eine heitere Befreiung über alle Grenzen hinweg.

Saka Maka An diesem Samstag, geht das Fest weiter mit „5 auf einen Streich“ in türkischer Sprache am Sonntag, 20. April, mit „Doppelte Spaßbürgerschaft – wir sprechen Deutsch“. Danach ist Abschlussparty im White Noise Club.