Der Ministerpräsident kritisierte scharf die Vorgänge um die Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee am Wochenende in Köln. Foto: dpa

Um das Projekt eines islamischen Religionsunterrichts im Südwesten umzusetzen, sei man mangels anderer Ansprechpartner auch auf Ditib angewiesen, sagt Winfried Kretschmann.

Stuttgart - Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält an einer Zusammenarbeit mit dem deutsch-türkischen Moscheeverband Ditib fest. Um das Projekt eines islamischen Religionsunterrichts im Südwesten umzusetzen, sei man mangels anderer Ansprechpartner auch auf Ditib angewiesen, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Justizminister Guido Wolf (CDU) hatte sich am Vortag für ein Ende der Kooperation mit Ditib ausgesprochen.

Der Ministerpräsident kritisierte scharf die Vorgänge um die Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee am Wochenende in Köln. Es sei schwer nachzuvollziehen, warum der Verband die Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) nicht dazu eingeladen habe. „Da fragt man sich, wo die leben“, sagte Kretschmann.

Ditib ist der größte Islamverband in Deutschland

Ein Ende der Zusammenarbeit mit Ditib könnte allerdings dazu führen, den Zugang zu einem erheblichen Teil der türkischstämmigen Bürger zu verlieren. Deshalb müsse man weiterhin im Gespräch bleiben. Gleichzeitig müsse man „sicher sein, dass der Arm von Erdogan nicht bis in den Religionsunterricht reicht“, unterstrich der Grünen-Politiker. Ditib solle sich von der türkischen Regierung lösen, forderte Kretschmann.

Ditib - kurz für „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ - ist der größte Islamverband in Deutschland. Bundesweit rund 900 Moscheen gehören zu dem Dachverband, der sich als religiöse Heimat vor allem für türkischstämmige Muslime sieht. Ditib ist eng angebunden an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara. In Deutschland predigende Imame werden aus der Türkei entsendet. Ein Teil der Gelder für den Kölner Moscheebau floss aus Ankara. (2180/02.10.2018)

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