Den Stick mit den Abiaufgaben hatte Schulleiter Holger zur Hausen im Schulsafe sicher verwahrt. Foto:  

Am Dienstag hatten nicht nur die Abiturienten ihren großen Tag, sondern auch die Schulleiter. Denn erstmals mussten sie die Aufgaben fürs Deutschabi morgens aus dem Schuldrucker lassen. „Das Verfahren war idiotensicher“, sagt der Stuttgarter Gymnasialleiter Holger zur Hausen. Aber nicht für alle.

Stuttgart - Für 32 100 Schüler der allgemeinbildenden Gymnasien im Land hat am Dienstag das Abitur mit Deutsch begonnen – laut Kultusministerium überall pünktlich um 9 Uhr. Doch dieses Mal waren nicht nur die Prüflinge nervös. Erstmals mussten die Schulleiter die Prüfungsaufgaben morgens auf dem Schuldrucker selbst ausdrucken und vollständig und in der richtigen Reihenfolge tackern. 18 Seiten pro Prüfling. Nach diversen Einbrüchen in Schultresore und anderen Sicherheitspannen hatte das Kultusministerium das neue Verfahren angeordnet – und somit die Verantwortung für die richtig, pünktlich und vollständig ausgedruckten Abiaufgaben an die Schulen delegiert.

Es gab auch mehrere Testläufe. „Das Verfahren war wirklich safe – und idiotensicher“, sagt Holger zur Hausen, der Leiter des Zeppelin-Gymnasiums im Stuttgarter Osten und geschäftsführender Leiter der Stuttgarter Gymnasien, am Dienstag. Aber er räumt ein: „Geschlafen hab ich vielleicht drei Stunden – jedes Abi ist aufregend.“ Und dieses Mal eben besonders. „Was meinen Sie, wie schnell das in Facebook steht, wenn ein Schüler sagt, da fehlt eine Seite.“

Um 5.54 Uhr kam die Mail mit dem zweiten Teil des Passworts

Um seine 52 Abiturienten am Zeppelin-Gymnasium pünktlich mit ihren Aufgaben fürs Deutsch-Abi zu versorgen, ist Schulleiter Holger zur Hausen bereits um kurz nach 5 Uhr aufgestanden, war kurz vor sechs in der Schule – „da war mein Stellvertreter schon da“, berichtet er. „Um 5.54 Uhr kam die E-Mail mit dem zweiten Teil des Passworts.“ Der USB-Stick mit den Aufgaben und der erste Teil des Passworts seien bereits während der Osterferien an die Schule geliefert und dort von zur Hausens Stellvertreter umgehend in den Safe deponiert worden.

Zur Hausen und sein Stellvertreter druckten und tackerten alles selbst. Um kurz nach 7 Uhr kamen noch drei Fachlehrer zur Verstärkung, um die Ausdrucke zu kontrollieren. „Wir haben das Sekretariat zugesperrt bis halb 8 – notfalls hätten wir es auch ausgelagert“, sagt zur Hausen. „Das Wichtigste ist einfach, eine ruhige Arbeitsumgebung zu haben.“ Und: „Man muss auch einen Plan B haben.“ Also einen Ersatzdrucker in einem sicheren Raum. Den Stick selber habe er schon am Montag auf Unversehrtheit der Dateien geprüft, ohne diese jedoch zu öffnen, berichtet der Schulleiter.

Das Verfahren selbst, das vom Philologenverband Baden-Württemberg im Vorfeld kritisiert wurde, weil noch nicht überall die sächlichen Voraussetzungen dafür bereitständen, bewertet zur Hausen als „super vorbereitet“ – nicht nur wegen der Testläufe. Es gebe ja auch ein Handbuch, in dem die Abläufe detailliert beschrieben seien. „Wer sich vor den Ferien vorbereitet hat, der konnte eigentlich nichts verkehrt machen“, meint zur Hausen.

Eine Schule ruft aufgeregt die Hotline an

Dennoch ging bei der Hotline, die das städtische Schulverwaltungsamt eigens zur technischen Unterstützung der Stuttgarter Gymnasien beim Abitur eingerichtet hat, am Dienstag um 6 Uhr morgens ein Anruf ein. Eine Schule habe aufgeregt angerufen, man habe die E-Mail mit dem zweiten Passwort nicht erhalten, berichtet Philipp Forstner, Vizechef des Schulverwaltungsamts, auf Anfrage. Doch dieses Problem habe man leicht lösen können. Die Landesmailadresse sei auf die städtische Mailadresse weitergeleitet worden – „da haben die gar nicht reingeschaut“, so Forstner.

Bei den nächsten drei Prüfungstagen mit Stickverfahren – in Mathe, Englisch, Französisch – wird vermutlich auch diese Schule das neue Verfahren beherrschen. Auch wenn es umständlicher sei als früher, wie zur Hausen anmerkt. Das gilt insbesondere für Mathe, da die Lehrer die Aufgaben erst ausdrucken, dann vor der Prüfung selber ausrechnen und auch noch die Endkontrolle der Blätter übernehmen müssten. Auch einen Optimierungsvorschlag hätte der Stuttgarter Schulleiter: „Die Anlieferung des physischen Materials muss nicht in den Ferien erfolgen.“

Die Aufgaben im Deutschabi

1. Interpretation
Interpretation einer Textstelle aus Hermann Hesses Roman „Der Steppenwolf“ und vergleichende Betrachtung mit Johann Wolfgang von Goethes „Faust“. Untersucht werden soll die Bedeutung, die Hermine für Harry Haller und Gretchen für Faust hat. Dabei soll eine These von Antje Pedde überprüft werden: „Die zentrale Figur […] ist der männliche Held, der auf seinem Weg der Selbstfindung Frauenfiguren als Stationen seiner Vervollkommnung passiert.“ (Antje Pedde: Große Dichtung redet von der Frau oft nicht anders als der Biertisch. Würzburg 2009. S. 69)

2. Gedichtinterpretation
Eine vergleichende Interpretation zu den Gedichten „Sommersonate“ von Georg Trakl (1887-1914) und „Sommerfrische“ von Joachim Ringelnatz (1883-1934).

3. Interpretation
Interpretation der Erzählung „Der Störenfried“ von Brigitte Kronauer (*1940).

4. Essay
Verfassen eines Essays auf der Grundlage eines vorgelegten Dossiers mit verschiedenen Texten zum Thema „Was darf Satire? Alles?“.

5. Analyse und Erörterung
Analyse und Erörterung des Textes „Wer streiten will, muss sich auch schmutzig machen“ von Hilmar Klute (5. November 2017, Süddeutsche Zeitung).

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