Mit der dunklen Jahreszeit beginnt die Hochsaison der Einbrecher – und die Polizei im Land rüstet sich. Doch die Einbruchszahlen in Baden-Württemberg sind rückläufig, auch für das laufende Jahr.
Stuttgart - Jetzt beginnt sie wieder, die Hochsaison der Einbrecher. Mit Beginn der dunklen Jahreszeit kommt es nach Erfahrungen der Polizei vermehrt zu Wohnungseinbrüchen. Doch in Baden-Württemberg haben Einbrecher relativ schlechte Karten. „Einbrecher können sich in Baden-Württemberg keineswegs sicher fühlen. Wir machen ihnen das Leben so schwer wie nur irgend möglich“, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) auf Anfrage.
Innenminister spricht von historischem Tiefstwert
Das bestätigen die Zahlen. Seit Jahren gehe die Anzahl der Wohnungseinbrüche im Südwesten zurück, berichtet ein Sprecher Strobls. Auch im Jahr 2020 sanken die Fallzahlen erneut, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote. Im vergangenen Jahr gab es laut Polizeistatistik 4696 Fälle, das sind 26,8 Prozent weniger als im Jahr 2019. Gemessen am Höchststand der letzten 25 Jahre, im Jahr 2014, sank die Zahl auf fast ein Drittel. Damals zählte die Polizei 13.438 Einbrüche. In den Monaten Januar bis September 2021 zeichnet sich laut Innenministerium ein weiterer Rückgang ab.
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Das freut den Innenminister: „Die Wohnungseinbruchdiebstähle in Baden-Württemberg sind auf einem historischen Tiefstwert. Bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruches sind wir seit Jahren richtig erfolgreich“, sagt Thomas Strobl und lobt die Polizei. Die Rückgänge seien keineswegs nur der Pandemie geschuldet, in der mehr Menschen häufiger zuhause gewesen seien. „Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs war und ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis eindeutiger Schwerpunktsetzung und klarer Konzepte, harter Arbeit und eines langen Atems“, sagt Strobl.
Aktionstag zur Aufklärung über Einbrüche
Das soll so weitergehen. „Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs war und bleibt bei uns in Baden-Württemberg ein Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit“, versichert Strobl. Den Tag der Zeitumstellung, den letzten Sonntag im Oktober, nutzt die Polizei schon seit Jahren zur Aufklärung über Einbrüche. Es gibt zahlreiche regionale Aktionen. Die zentrale Aufklärungsaktion mit Exponaten und polizeilichem Informationsfahrzeug ist in diesem Jahr bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Tuttlingen angesiedelt. In Stuttgart sind Infostände in vier Stadtteilen geplant, auch soll es einen Podcast zum Thema Einbruchschutz geben.
Prävention entscheidend
Strobl kann die Prävention nicht hoch genug einschätzen. In den vergangenen drei Jahren sei nahezu jeder zweite Einbruchsversuch gescheitert. „Dieser Umstand ist auch umfassender Präventions- und Beratungsarbeit der Polizei zu verdanken“, sagte Strobl unserer Zeitung.
Um die positiven Entwicklungen zu verstetigen, werde für die kommende „dunkle Jahreszeit“ das Intensivkonzept zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls erneut fortgesetzt, kündigt ein Sprecher des Innenministeriums an. Eine Kombination von verdeckten Einsätzen und einer zeitweilig erhöhten Polizeipräsenz in den Straßen soll potenzielle Täter abschrecken und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken.
Kommissar Computer hat ausgedient
Auswirkungen haben die sinkenden Fallzahlen auf die computergestützte Prognose von Wohnungseinbrüchen. Wie in Bayern ist auch in Baden-Württemberg Kommissar Computer für diese Fälle in den Ruhestand geschickt worden. Der Software „Precobs“ fehle schlicht die Datengrundlage. In Bayern wurde die Software zum 1. Oktober aussortiert, wie das Bayerische Landeskriminalamt mitteilte.
In Baden-Württemberg wurde die Prognosesoftware „Precobs“ von 2015 bis 2019 getestet, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage. Man habe wertvolle Erfahrungen gesammelt, die automatisierte Vorhersage von Straftaten stelle aber nicht das Hauptaugenmerk der Kriminalitätsanalyse und Kriminalitätsbekämpfung in Baden-Württemberg dar. Auch könne das Programm nur als Ergänzung zu Konzepten der Kriminalitätsbekämpfung dienen. Zudem seien die Fallzahlen deutlich zurückgegangen. Das Programm brauche aber große Datenmengen, um aussagekräftig zu sein. „Die Nutzung algorithmenbasierter Prognosesoftware wird zunächst nicht weiterverfolgt“, teilte der Sprecher mit.