Der Grafikdesigner Willy Fleckhaus prägte das Erscheinungsbild des Suhrkamp-Verlags. Wir stellen in unserer Bildergalerie zehn von ihm gestaltete Bücher vor, die uns besonders am Herzen liegen. Foto: Hartmann Books

Ein Fotoband würdigt Willy Fleckhaus. Der Grafikdesigner hat die Suhrkamp-Bücher unverwechselbar gemacht. Auch der Verlag besinnt sich jetzt wieder auf seinen großartigen Gestalter – und bringt Raritäten auf den Markt.

Stuttgart - Oh, mir fehlt noch ein Rotes und ein Orangefarbenes, das war entscheidendes Kaufargument für so manchen, der im Buchladen ein Werk aus der Reihe Edition Suhrkamp erstand. Behaupten zumindest böse Zungen. Spricht man mit Menschen, die in den 60er Jahren schon mit Büchern zu tun hatten, berichten sie aber tatsächlich von den begeistert aufgenommenen Büchern in allen Farben des Regenbogens, die der Suhrkamp-Verlag von 1963 an publizierte.

Gestaltet hatte die farbenfrohen Bücher der Grafikdesigner Willy Fleckhaus. Carsten Wolff schreibt in einem Aufsatz über die Edition-Reihe, sie habe „als Munitionspark der Linksintellektuellen in den 1960er und 70er-Jahren Furore“ gemacht. Vor allem der deutschen Erstausgaben und anspruchsvollen wegweisenden Autoren wegen – von den Philosophen Theodor W. Adorno und Ernst Bloch bis zu Dichtern und Dramatikern wie Bert Brecht und Samuel Beckett. Erschienen ist Wolffs Text im Stuttgarter Verlag Hartmann Projects, der dem Grafikdesigner Willy Fleckhaus einen Fotoband widmet: „Fleckhaus. Design Revolte, Regenbogen“ (240 Seiten, 660 Abbildungen 39,80 Euro), herausgegeben von Michael Buhrs und Petra Hesse.

Die Edition gilt aber auch, so Wolff, „als Design-Ikone der Pop-Ära. die sogar Andy Warhol bei seinem Besuch in Frankfurt entzückt haben soll.“ Bis heute machen viele Bücherfreunde, die sonst ihre Bibliothek streng nach Autoren ordnen, hier eine Ausnahme und packen die farbigen Editionsbücher zusammen in eine Regalreihe. Auf knallige Farbe gesetzt hatte Fleckhaus, weil er selbst weiß eingebundene Bücher derart in Mode gebracht hatte, dass nicht nur die 1959 von ihm gestaltetete Reihe Bibliothek-Suhrkamp (weiß mit farbiger Banderole) in der Nichtfarbe erschienen.

„Ein Herz für Kinder“

Doch selbst wer noch nie ein Buch in der Hand gehalten hat, kennt Willy Fleckhaus. Der Gestalter, 1935 in Velbert im Bergischen Land geboren, 1983 an Herzversagen gestorben, hat nicht nur das Erscheinungsbild von Suhrkamp (und der braunen Piper-Taschenbücher) geprägt. Er hat auch das rote Herz mit der rundlichen schwarzen Schrift Ein Herz für Kinder entworfen. Es zierte in den 80er Jahren viele Kofferraumdeckel und ist bis heute bei der auch im Fernsehen gezeigten Spendengala der „Bild“-Zeitung „Ein Herz für Kinder“ unübersehbar auf der Bühne zu sehen.

Provokante Fotos

Der Fotoband stellt in Bild und Text ausführlich Arbeiten von Fleckhaus vor. Er hat Zeitschriften wie „Twen“ geprägt, für die „Quick“ und den WDR gearbeitet, er war zudem gestalterisch verantwortlich für das Magazin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Und er regte ein mit provokanten Fotos versehenes dreibändiges Werk über die zehn Gebote an. Fleckhaus war Katholik. Bevor er der berühmteste deutsche Buch- und Zeitschriftengestalter wurde, hatte er nach dem Krieg auch als Redakteur in der katholischen Jugendzeitschrift „Fährmann“ Artikel gegen Krieg und Wiederaufrüstung geschrieben.

Auf ewig wird sein Name allerdings natürlich mit Suhrkamp verbunden bleiben. Der Werbeeffekt der so leicht mit dem Verlag identifizierbaren Bücher funktioniert bis heute. Die Edition, die Taschenbücher, die Bibliothek – sie alle wirken in ihrem reduzierten und klaren Erscheinungsbild gestalterisch zeitgemäßer als so manche Neuerscheinung. Der Verlag besinnt sich gerade darauf und bringt 1500 vergriffene Werke neu heraus (www.suhrkamp.de/wiederentdeckt). Das ermöglicht Begegnungen mit den ersten 24 Edition-Büchern, etwa mit Baudelaires „Tableaux Parisiens“.

Und wem heute noch ein Rotes und ein Orengefarbenes fehlt: Hans-Ulrich Wehlers „Grundzüge der amerikanischen Außenpolitik“ und Tzvetan Todorovs „Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen“ sind aus gutem Grund wieder da.

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