Hat das Zeug zu einem Klassiker: „Houdini“ von Stefan Diez für E15. Kaum ein Designer, der nicht einen Stuhl entwirft. Die Auswahl ist also enorm. Doch wer sitzt wo – eine Stuhl-Typologie verrät es: Sag mir, wie Du sitzt, und ich sag Dir, wer Du bist. Foto: E15

Ikea hat zusammensetzbare Möbel erfunden? Von wegen. Schon vor 200 Jahren verschickte Michael Thonet Stühle in Einzelteilen in die Welt. Was hat sich seither getan, wer mag welche Stühle? Eine Typologie.

München - Einer der ersten, die Stühle ohne Pomp entwarfen, war der deutsche Schreiner Michael Thonet (1796-1871). Er gründete 1819 die Firma Thonet. Er entwickelte ein Verfahren, wie man Buchenholzstäbe unter Dampf und Druck in geschwungene Formen biegt.

Während seine Kollegen noch historische Formen imitierten, entwickelte er vergleichsweise schnörkellose, moderne Stühle. Die waren auch leichter industriell fertigen. Die Bugholzstühle wurden nicht geleimt, sondern zusammengeschraubt. So ließen sie sich auch gut in Einzelteile zerlegen, in Kisten packen und in die ganze Welt verschicken.

Schon lange vor Ikea ermöglichte so eine Typisierung und Serienproduktion den Verkauf erschwinglicher Möbel im großen Stil. Heute sind die Stühle vergleichsweise teuer, was daran liegt, dass sie weiterhin in Deutschland gefertigt werden und Handarbeit heute nun deutlich teurer ist als um 1900.

Thonet und Bauhaus

Thonet war eine sehr erfolgreiche Firma. Allein der „Konsumsessel“ Nr. 14 wurde bis 1910 über 50 Millionen Mal verkauft. Thonet produzierte in den 1920er Jahren dann auch die gerade neu entwickelten Stahlrohrmöbel. In den 1930ern war die Firma der weltweit größte Produzent von Stahlrohrmöbeln, unter anderem von berühmten Bauhaus-Gestaltern wie Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe.

Die Ausstellung „Thonet & Design“ in der Pinakothek der Moderne in München zeigt jetzt zur 200-jährigen Firmengründung von Thonet viele Thonet-Klassiker. Auch Modelle aus der Nachkriegszeit und neue Entwürfe von angesagten Designern wie Konstantin Grcic, Stefan Diez und Sebastian Herkner sind in der Schau zu sehen.

Was sich sonst noch getan hat bei Thonet und in der Entwicklung des Stuhl-Designs, ist in unserer Bildergalerie zu sehen: Sag mir, wie Du sitzt und ich sage Dir, wer Du bist. Eine Typologie der Sitzenbleiber.

Info

Die Ausstellung „Thonet und Design“ in der Pinakothek der Moderne – Die Neue Sammlung The Design Museum in München läuft noch bis zum 2. Februar 2020. Sie hat geöffnet von Di bis So 10-18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

Es gibt bei der Firma Thonet in Frankenberg auch ein Museum mit zahlreichen Exponaten: Michael Thonet-Straße 1, 35066 Frankenberg, geöffnet Mo bis Fr 9-17 Uhr, Sa 14-16 Uhr. Eintritt frei.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: