Die Lüftungsanlage am Wartberg ist den Anwohnern zu laut, das Problem schon seit längerem bekannt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Lärm und Vibrationen – die Anwohner der Tunnelbaustelle am Wartberg, dem sogenannten Zwischenangriff Prag, sind nach wie vor über die Nebenwirkungen der Lüftungsanlage verärgert. Beim Stammtisch des Info-Ladens Stuttgart 21 machten sie ihrem Unmut Luft.

S-Nord - Die Lüftungsanlage der Tunnelbaustelle am Wartberg, dem sogenannten Zwischenangriff Prag, war schon beim vorigen Stammtisch des Info-Ladens Thema. Auch beim jüngsten Treffen in der Martinskirche beschwerten sich Anwohner über den Bau: Die Anlage löse irritierende Erschütterungen aus. Ulrich Hangleiter von der Initiative Netzwerk Killesberg machte seinem Ärger Luft: „Das ist langsam unerträglich. Ständig gibt es Versprechungen, aber es passiert nichts.“ Die Geduld der Anwohner sei langsam aufgezehrt, sie seien in höchstem Maße beunruhigt. Peter Schütz, als Anwalt für das Bahnprojekt tätig, erwiderte, ein Maßnahmenbündel sei in Arbeit. „Das Problem sind ja die Stahlschläuche, die in Schwingung geraten“, sagte Schütz. Diese sollen durch Stahlrohre ersetzt werden. Derzeit laufe die Anlage bereits mit geringerer Schwingung, was die Situation schon entschärft habe. Zudem plane man, Schalldämpfer zu installieren. Hangleiter blieb skeptisch. Lange wollen sich die Anwohner das nicht mehr bieten lassen, meinte er.

Ein weiteres Problem sehen Bürger des Stadtbezirks beim Schallschutz an den S-21-Baustellen. Ein regelmäßiger Besucher des Stammtischs ließ per Brief mitteilen, dass die versprochenen Maßnahmen noch nicht durchgeführt worden seien. Peter Schütz zeigte Verständnis für den Unmut: „Das ist eben formell ein elend langwieriger Prozess, für den weder Hauseigentümer noch Bahn noch Ämter etwas können.“ In vielen Gebäuden seien die bürokratischen Hürden inzwischen soweit übersprungen, dass die Eigentümer nun Handwerker beauftragen könnten. Im Kernerviertel etwa seien Maßnahmen mit dem Einbau schalldichter Fenster bereits abgeschlossen. Doch da warte schon das nächste Problem, entgegnete Ulrich Hangleiter. „Es gibt große Schwierigkeiten, überhaupt Fensterbauer zu bekommen“, sagte er. Durch den Bauboom seien die Handwerker gefragter denn je.

Auch Details zum Ulmenstollenvortrieb wurden erläutert

Zu Gast beim Info-Laden-Stammtisch war auch der Projektingenieur Thomas Christoph. Er erläuterte Funktion, Lage und Beschaffenheit des Verzweigungsbauwerks an der Kriegsbergstraße. Das Bauwerk befindet sich etwa 210 Meter tief im Kriegsberg. In ihm zweigen die beiden Tunnelröhren der Zuführung nach Bad Cannstatt aus den Tunnelröhren nach Feuerbach ab. „Das Verzweigungsbauwerk befindet sich am Ende des neuen Hauptbahnhofs“, erläuterte Christoph. Es ende etwa auf Höhe der Kreuzung Panorama-/Birkenwaldstraße. 250 Quadratmeter werde es umfassen, „von der Größe her wie ein Einfamilienhaus“, so der Bauingenieur. Bei dem Bau kommt der sogenannte Ulmenstollenvortrieb zum Einsatz. Die Vortriebsart zerlegt den Bohrprozess in mehrere kleine Teilquerschnitte. Dies habe vor allem bei großen Querschnitten den Vorteil, dass das Gestein stabilisiert werde. „Wir brechen kleine Teilflächen aus dem Gestein, damit der Druck der Erde nicht zu stark wird“, erklärte Christoph. Nach dem Ausbruch der Teilröhren sichere man diese mit Spritzbeton. So bestehe der eine Tunnel eigentlich aus sechs kleinen Tunnels. Sechs Mal habe man bislang außerdem sprengen müssen, um felsiges Gestein zu beseitigen.

Ein Stammtischteilnehmer sorgte sich um das denkmalgeschützte Gebäude der Bundesbahn. „Ein Drittel des Bundesbahngebäudes wird untertunnelt“, sagte Thomas Christoph. Grund zur Sorge bestehe nicht: Alles sei in diesem Bereich durch Stelzen abgesichert.

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