Manchen heißen Tag hatte der August trotz kühlem Ende im Angebot. Foto: Imago Lichtgut(Kovalenko

Auch wenn es sich anders angefühlt hat: statistisch war der August in Stuttgart zu warm. Insgesamt erlebte die Stadt einen passablen Sommer – und er könnte auch noch mal zurückkommen.

Über das Wetter zu reden, gehört für die meisten zum Alltag. Darüber heftig zu granteln auch. Wie, der Sommer ist vorbei? Hat er denn überhaupt schon angefangen? So was hört man gerade in der Stadt, wenn die Menschen auf dem Weindorf ein Jäckle zum Glas brauchen und dann doch eher rot als weiß ordern. Im Freibad waren am letzten Sommerwochenende die Nilgänse fast unter sich und die paar wackeren Bahnenzieher können sich aktuell überhaupt nicht vorstellen, ob nach dem offiziellen Ende der Saison am 14. September die Bäderbetriebe über eine Verlängerung nachdenken werden. Kurzum – das Finale des Sommers war wettertechnisch eher ein wenig frisch und feucht. Und ja, das stimmt auch: Zumindest für die Meteorologen endet der Sommer mit dem 31. August. Im Kalender spricht man dagegen noch bis zum 21. September vom Sommer. Auch wenn dann vielleicht schon die Heizung läuft.

 

Soweit war es im August noch nicht. „Auch wenn sich der Monat vor allem gegen Ende anders angefühlt hat, war der letzte Sommermonat in Stuttgart etwas zu warm, überdurchschnittlich sonnig und viel zu trocken“, sagt dazu Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. Konkret ging der Monat mit 20,3 Grad um 0,7 Grad über dem Mittelwert von 1991 bis 2020 aus dem Rennen. An einem Tag, am 14. August, wurde mit 33,2 Grad sogar die Hitzemarke von 30 Grad geknackt. Dazu gab es in den letzten 31 Sommertagen rund 270 Sonnenstunden, es dürfte also einen guten Wein geben und vielerorts in der Region wird ja auch schon gelesen.

Nur staubige 47 Prozent vom Durchschnitt

Nur am Wasser hat es in Stuttgart gefehlt. An der DWD-Messstation Schnarrenberg waren es gerade mal 35 Liter pro Quadratmeter, das entspricht doch eher staubigen 47 Prozent der üblichen Menge. Nicht üppig, aber es ging auch schon deutlich trockener: 1959 tröpfelten in Stuttgart im August nur knapp sechs Liter in den Regenmesser. Für das Filderkraut lief es nach dem viel zu trockenen Juni dagegen deutlich besser. Am Flughafen fiel in der gleichen Zeit mit 70 Litern etwa die doppelte Regenmenge als im Stuttgarter Norden.

Bei den Niederschlägen gab es große Unterschiede

Beim Regen gibt es ja immer die meisten Abweichungen. Auch auf kurzer Distanz. Betrachtet man das ganze Land wird es sogar drastisch. Gegen die 35 Liter im August am Schnarrenberg standen zum Beispiel 244 Liter in Todtmoos, Baden-Württembergs Regenhotspot im August. In dem Ort im Südschwarzwald fielen also in einem Monat gerade mal 18 Liter weniger, als in Stuttgart in der gesamten Sommerperiode vom 1. Juni bis zum 31. August gemessen wurden. „Trotzdem gilt der Sommer 2025 mit knapp 262 Liter für Stuttgart als zu nass“, sagt dazu Andreas Pfaffenzeller. Das lag vor allem daran, dass im Juli Land unter in der Stadt war. Allein am 27. Juli prasselten 42 Liter ins Messglas auf dem Schnarrenberg. Das war mehr als im gesamten August.

Platz sieben im Wärmeranking seit Beginn der Aufzeichnungen

Und, natürlich, war auch dieser Sommer wieder zu warm. Die 20,5 Grad im Schnitt hieven 2025 auf Platz sieben im Wärmeranking seit Beginn der Aufzeichnungen 1951. Dass es sich nicht immer so angefühlt hat, liegt auch an dem etwas frischen Ende und dass es vor allem im Juni sehr heiß war, was wir jetzt natürlich schon wieder vergessen haben. Nur 2003 war der Juni noch hitziger. Insgesamt gab es im Sommer 2025 satte 48 Sommertage, an denen die Temperatur über 25 Grad kletterte. Das sind sechs Tage mehr als selbst in den Zeiten des Kimawandels seit 1991 normal wären. Im Vergleich zu der Periode zwischen 1961 bis 1990 ergibt sich sogar ein Plus von 20 Tagen.

Der August stimmt die Stuttgarter nach viel Sonne auf den Herbst ein /Yann Lange

An 18 der 48 Sommertage stieg das Thermometer dann auch über 30 Grad, das sind sechs Tage mehr als üblich. Der Temperaturrekord des Sommers datiert vom 2. Juli mit 36,3 Grad. Das ist gar nicht so weit weg vom Rekordwert am Schnarrenberg aus dem Jahr 2015. Damals wurden am 7. August 38,8 Grad gemessen. Das gab es dort vorher nicht und auch nachher nicht mehr.

Es gibt die zarte Hoffnung auf einen trockenen Spätsommer

Bleibt die Bilanz der Sonnenscheindauer, die in diesem Sommer im Juni und August weit über dem Schnitt lag und somit den etwas zu dunklen Juli ausglich. Platz neun seit Aufzeichnungsbeginn 1951.

Jetzt darf man gespannt sein, ob der Sommer trotz des meteorologischen Herbstbeginns noch ein wenig in die Verlängerung geht. Auch wenn es sich im Moment eher frühherbstlich anfühlt, gibt es die zarte Hoffnung auf so was wie einen trockenen Spätsommer vom Ende der Woche an, mit moderater Wärme und viel Sonne. Das Weindorf hat zwar am kommenden Sonntag Finale, aber die Freibäder sind noch bis Ferienende offen.