Nach zwei Siegen ist der VfB Stuttgart vorerst wieder in der Spur – rechtzeitig vor dem Endspurt im Rennen um den Aufstieg. Fünf Spiele sind es noch – und darauf kommt es nun an.
Stuttgart - Den Hamburger SV 3:2 besiegt, bei Dynamo Dresden (2:0) nachgelegt, die beiden Niederlagen in Wiesbaden und Kiel vergessen gemacht – keine Frage: Der VfB Stuttgart hätte guten Grund, dem, was nun noch auf ihn zukommt, freudig entgegenzublicken. Fünf, vier, drei, zwei, eins – Aufstieg?
Das Saisonfinale jedenfalls rückt immer näher, und die Laune an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt war auch schon mal schlechter. Der Trainer Pellegrino Matarazzo sprach nach dem Erfolg in Dresden von „Erleichterung“, der Sportdirektor Sven Mislintat nennt ihn einen Tag danach „einen sehr, sehr wichtigen Auswärtssieg“ – und beide haben sie nun recht genaue Vorstellungen für die noch verbleibenden fünf Saisonspiele.
Lesen Sie hier: Welche VfB-Talente derzeit ihre Chance nutzen
Denn das Ziel ist nach wie vor klar. Nachdem sich der VfB mit dem Sieg gegen den HSV Platz zwei zurückerobert hat, „wollen wir nun alles tun, den Vorsprung zu verteidigen“, sagt Mislintat. Zwei Punkte sind es auf die Hamburger, drei auf den 1. FC Heidenheim. Da Arminia Bielefeld als Tabellenführer schon zu weit enteilt scheint, sind es diese beiden Vereine, die die Hauptkonkurrenten des VfB im Rennen um den zweiten direkten Aufstiegsplatz sind. Beide haben wie der VfB ihr Spiel am Sonntag gewonnen, so dass der Druck auf die Stuttgarter immens bleibt. Mehr denn je ist offensichtlich: Jeder Ausrutscher kann ab sofort das Ende der Aufstiegsträume bedeuten. „Wir“, sagt Mislintat, „wollen nicht diejenigen sein, die Federn lassen.“
Doch der Sportdirektor weiß auch: Das ist leichter gesagt als getan.
Die Bilanz aus der Hinrunde ist durchwachsen
VfL Osnabrück, Karlsruher SC, SV Sandhausen, 1. FC Nürnberg und Darmstadt 98 – so heißen die Gegner, die sich dem VfB bis Ende Juni noch in den Weg stellen. Und für wen diese Namen allein noch keine Warnung sind, dem empfiehlt der nach wie vor ein wenig besorgte VfB-Fan einen Blick auf die Ergebnisse der Hinrunde. Zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden – das ist die durchwachsene Bilanz dieses Fünferpacks, die nachzulesen ist. Und den studierten Mathematiker auf der Trainerbank braucht es da gar nicht, um schlussfolgern zu können: „Das wird nicht reichen“ (Mislintat). Zumindest nicht für den direkten Aufstieg. Also braucht es auch aus dem 2:0 des VfB bei Dynamo Dresden einige Lehren.
Lesen Sie hier: Das ist das Restprogramm der Aufstiegsaspiranten
Dieser Sieg gegen das Team, das wegen mehrerer Corona-Fälle erst vor wenigen Tagen ins Mannschaftstraining hatte einsteigen können, war auf den ersten Blick ein recht souveräner und unspektakulärer. Ein frühes Tor (Hamadi Al Ghaddioui traf in der 18. Minute), danach nichts anbrennen lassen, am Ende den Deckel draufgemacht (Darko Churlinov in der 88. Minute). Es gab nicht viele bange Momente für den VfB – und doch birgt solch ein Spiel beim Blick in die nähere Zukunft Risiken.
Der „Verwaltungsmodus“ ist riskant
Zu oft haben die Stuttgarter schon selbst erfahren, wie eine einzige gelungene Aktion eines ansonsten unterlegenen Gegners einen um allen Lohn bringen kann. Dass sein Team in Dresden nach dem 1:0 im „Verwaltungsmodus“ agierte, passte Pellegrino Matarazzo daher gar nicht. Nicht eine weitere gute Torchance hatte der VfB bis zur Schlussphase, dem Spiel fehlten Entschlossenheit, Tempo und geniale Ideen. Dafür hat Sven Mislintat am Ende einer englischen Woche zwar einerseits Verständnis, andererseits fordert er nun, da bis zur Partie gegen den VfL Osnabrück am Sonntag (13.30 Uhr) viel Zeit bleibt, wieder mehr vom Stuttgarter Team.
Lesen Sie hier: So erklärt Sven Mislintat den Matarazzo-Vertrag
„Zielgerichtet bleiben, schnell im Passspiel bleiben, weiter den Weg nach vorne suchen – und nicht in den Modus kommen, nur kontrollieren zu wollen“, nennt er das Rezept für den Endspurt, das er auch zusammenfassen kann: „Mehr Killer sein.“ Schließlich gehe es nun in jedem Spiel, in jeder Spielminute, in jeder Aktion „um das Momentum, absolute Konsequenz ist der Schlüssel zum Erfolg“.
Die Vorteile lagen schon des Öfteren in dieser Saison auf der Seite des VfB Stuttgart, konsequent zu seinen Gunsten genutzt hat er sie viel zu selten. Nun aber gilt es erst recht, nicht mehr nachzulassen, dem Druck standzuhalten, das Ziel zu erreichen, die Qualitäten (Matarazzo: „Ich bin glücklich über die Breite des Kaders“) zu nutzen. Wobei: Die Sache mit dem Druck ist zumindest für Sven Mislintat nicht die entscheidende.
Aus unserem Plus-Angebot: Cacau äußert sich zur Rassismus-Debatte
Der sei, sagt der VfB-Sportdirektor, für alle Aufstiegsaspiranten gleich, lediglich die Bielefelder dürften sich noch einen Ausrutscher erlauben. Selbst der als Außenseiter gehandelte 1. FC Heidenheim habe Druck. „Wollen sie was gewinnen, müssen sie auch punkten“, sagt Mislintat. Schließlich ist nun das Saisonfinale in Sicht. Fünf, vier, drei, zwei, eins . . .
In unserer Bildergalerie: Das Restprogramm der Aufstiegsanwärter.