Benjamin Pavard Der VfB Stuttgart hat wieder einen Weltmeister

Von Dirk Preiß 

Erst Guido Buchwald, dann Carlos Dunga – und seit Sonntagabend: Benjamin Pavard. Der Abwehrspieler des VfB Stuttgart hat den WM-Thron erklommen. Und ist jetzt noch begehrter.

Moskau/Stuttgart - Der Auftrag war unmissverständlich gewesen. „Auf geht’s, Benjamin Pavard, mach’s wie die VfBler ‚Diego‘ und Carlos!“, twitterte der VfB Stuttgart am Sonntagvormittag. Und wer am frühen Sonntagabend den Abwehrspieler des Fußball-Bundesligavereins im fernen Moskau sah, der wusste: Pavard hat’s gemacht.

Um kurz vor 19 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit schrie der 22-Jährige seine Freude hinaus, umarmte einen nach dem anderen die Kollegen in den dunkelblauen Trikots, herzte seinen Trainer Didier Des­champs lief jubelnd über den Rasen des Luschniki-Stadions – und wenig später stemmte er tatsächlich den Weltpokal in den Moskauer Abendhimmel. Denn: Frankreich siegt 4:2 über Kroatien, Les Bleus sind zum zweiten Mal Weltmeister, Pavard ist ganz oben angekommen. Als dritter Spieler in der Geschichte des VfB Stuttgart.

Der VfB gratuliert

1990 war es Guido Buchwald (Spitzname Diego), der in Italien den Titel holte, während er bei den Weiß-Roten unter Vertrag stand. „Ich drücke Benjamin Pavard die Daumen“, hatte er vor dem 2018er-Finale noch gegenüber unserer Zeitung gesagt. Vier Jahre nach Buchwald war es Carlos Dunga, der von Stuttgart aus in die USA reiste und dort als Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft den goldenen Pokal entgegennehmen durfte. Buchwald, Dunga – und jetzt also Benjamin Pavard, der Lockenkopf aus dem nordfranzösischen Jeumont, wo eine ganz Kleinstadt so unglaublich stolz ist auf ihren nun so berühmten Sohn. „Herzlichen Glückwunsch“, twitterte der VfB, und Sportvorstand Michael Reschke sagte: „Der ganze Club freut sich sehr mit und für Benji. Er ist nicht nur ein Topspieler, sondern auch ein Riesentyp, dem man von Herzen nur das Beste wünscht. Und natürlich ist es auch für uns etwas Besonderes, nach Ron-Robert Zieler einen weiteren Weltmeister im Club zu haben.“

Dabei hatte dieses Endspiel für Pavard gar nicht so glücklich begonnen. Der 22-Jährige verlor einen ersten Zweikampf, er bekam den Ball zwischen den Beinen hindurchgespielt, dann aber bekam der Defensivspieler, der im Gegensatz zu seinen Einsätzen beim VfB – hier agiert er im Abwehrzentrum – in der Équipe tricolore als Rechtsverteidiger aufgelaufen ist, mehr Sicherheit.

Ausflüge in die Offensive gönnte er sich kaum, stattdessen konzentrierte sich Pavard gegen die Kroaten auf seine Aufgaben in der Defensive, wo er meist mit Ivan Perisic genug zu tun hatte. Im Finale zeigte der Franzose vielleicht nicht seine beste Turnierleistung – aber wer würde es nicht verstehen, wenn nicht auch eine gewisse Portion Nervosität dabei war.

Vor zwei Jahren noch der Wechsel in Liga zwei

Vor zwei Jahren noch wechselte Pavard als unbekanntes Talent vom OSC Lille in die zweite deutsche Liga zum VfB Stuttgart. Dort hatte er im ersten Jahr nicht einmal einen Stammplatz – doch nach dem Aufstieg startete der technisch versierte Defensivspezialist so richtig durch. Pavard bestritt alle Ligaspiele über die volle Distanz, schaffte im November 2017 den Sprung ins Nationalteam, spielte eine Top-Rückrunde mit dem VfB und sicherte sich nicht nur im Verein einen Stammplatz, sondern auch in der Nationalelf. Auch der großen WM-Bühne setzte sich sein Triumphzug fort, spätestens nach seinem grandiosen Treffer im Viertelfinale gegen Argentinien ist Pavard weltbekannt und wird sogar besungen.

Für den VfB bedeutet das einerseits Stolz und Freude auf die Rückkehr nach dem WM-Urlaub, andererseits kann es gut sein, dass Pavard noch in diesem Sommer den Club verlässt. „Wir verzichten gerne auf sehr viel Geld, wenn er dafür noch ein weiteres Jahr bei uns spielt“, sagt Sportorstand Michael Reschke zwar, bei Angeboten über 50 Millionen Euro wäre die Situation aber eine andere. Nach der kommenden Saison könnte Pavard den VfB für eine festgeschriebene Ablösesumme von 35 Millionen Euro verlassen. Für Reschke ist klar, dass er spätestens dann „bei einem Top-acht-Club Europas“ landet.

Das alles jedoch ist Zukunftsmusik. Zunächst genießt Pavard, der ein sehr enges Verhältnis zu seinen Eltern hat, den Höhepunkt seines kometenhaften Aufstiegs. Und der VfB genießt ein bisschen mit.

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