„An einem Tag hat man ein Berghaus, am nächsten Tag hat man ein Strandhaus“: Luca Fröhlingsdorf in seinem Bus auf Fuerteventura Foto: Luca Fröhlingsdorf

Luca Fröhlingsdorf aus Echterdingen wohnt gerne in einem VW-Bus auf Fuerteventura. Insider nennen Leute mit einer Vorliebe für eine mobile Unterkunft Vanlifer. Weil er auch als Fotograf arbeitet, kehrt er immer wieder nach Deutschland zurück.

Echterdingen - Am Montag ist Luca Fröhlingsdorf (20) aus seinem Heimaturlaub bei seinen Eltern in Echterdingen mit seinem kleinen Hund Nico wieder zu seinem VW-Bus auf der kanarischen Insel Fuerteventura geflogen, dem Bus hat er einen Namen gegeben: Er nennt das zunächst mit seinem Vater, später mit einem Freund ausgebaute Gefährt mit der Matratze im Laderaum Vandrew.

Auf Fuerteventura wohnt Luca Fröhlingsdorf in dem Bus, was aus seiner Sicht mehrere Vorteile habe: „An einem Tag hat man ein Berghaus, am nächsten Tag hat man ein Strandhaus.“ Fröhlingsdorf sagt, dass er gerne wandere und surfe, aber die Konstante seiner Tage sei trotz der ihm angenehmen Abwesenheit von Alltag der morgendliche Kaffee. Manchmal geschieht es, dass ihn ein Kaffee-Unternehmen dafür bezahlt, dass er seinen Followern auf Instagram dessen Produkte empfiehlt. Auch damit finanziere er ein Leben, das Insider „Vanlife“ nennen, die englischsprachige Kombination aus Lieferwagen und Leben. Er nennt sich Vanlifer und Travelblogger, und wenn man ihn fragt, was ihm wichtig sei, sagt er: „Ganz oben steht bei mir die Freiheit, die Unabhängigkeit, dass ich mich nicht an anderen Menschen orientieren muss, dass ich das lebe, was ich gerne mache.“

Weil Luca Fröhlingsdorf auch als Porträt- und Modefotograf arbeitet, hat er die Mitte Dezember in seinem Blog angekündigte Auswanderung nach Fuerteventura erst mal verschoben, da er festgestellt habe, „wie unfassbar schlecht sich das Fotografenleben mit dem Inselleben verbinden lässt.“ Wenn er jetzt bis April oder Mai auf den Kanaren bleibt, wird er trotzdem Aufnahmen machen, eben von sich selbst mit Hund und Landschaft. Er war erst 15, als er die Stuttgarter Philharmoniker für ein Programmheft fotografiert hat, später porträtierte er unter anderem Toni Dreher, die „Germany’s-Next-Topmodel“-Gewinnerin des Jahres 2018, Nadine Bareis, die Miss Germany 2019, und die Influencerinnen Lisa und Lena: „Für mich spielt die Natürlichkeit die größte Rolle“, sagt der Fotograf Fröhlingsdorf, „ich möchte den Menschen so zeigen, wie er ist, und nicht die Fassade“.

Verbunden mit der Natur

Da schließt sich gewissermaßen ein Kreis auch für den Vanlifer Fröhlingsdorf, der an seiner Art zu leben schätze, „mit der Natur verbunden“ zu sein. Einen Großteil des vergangenen Jahres verbrachte er in seinem Bus auf Fuerteventura, jetzt möchte er auch die anderen kanarischen Inseln besuchen – und im Frühsommer über das spanische Festland nach Deutschland zurückfahren, um dort wieder andere Leute zu fotografieren. „Nicht ein einziges Mal“, sagt Fröhlingsdorf, sei er bei Fotoaufträgen nach einer Ausbildung gefragt worden, „es geht nur um die Fotos“. Mittelfristig fände Fröhlingsdorf auch transkontinentale Reisen reizvoll: „Es wäre genial, den Van nach Kanada zu verschiffen und nach Alaska zu fahren“, sagt er. Andererseits möchte er nicht besonders viel planen, sein Fernstudium (Medienmanagement) habe er erst mal auf Eis gelegt: „Ich kann nicht sagen, was ich in fünf Jahren mache, weil ich weiß nicht, was ich morgen mache.“

Was Luca Fröhlingsdorf schon macht: sich Gedanken über das Wesen des Reisens: „Reisen um sich selber zu finden ist ein Irrglaube. Vielmehr verlieren wir uns selber und erschaffen uns neu!“, schreibt er in seinem Blog, und wenn man ihn fragt, was der Unterschied sei, dann sagt er: „Wenn ich etwas suchen würde, dann müsste das vorher da gewesen sein – in der Definition von anderen.“ Dieser Gedanke scheint ihm ebenso wenig zu behagen wie der gebräuchliche Freiheitspreis der Bindung: „Ich müsste ne Freundin finden, die das gleiche im Kopf hat wie ich.“

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