Gerhard Graf-Martinez an seiner Flamencogitarre – seine Leidenschaft seit mehr als 40 Jahren. Foto: Gottfried Stoppel

Der Urbacher Flamenco-Gitarrist Gerhard Graf-Martinez veranstaltet am 12. März in der Schorndorfer Manufaktur sein eigenes Geburtstagskonzert. Es ist ein Ausflug zu den Anfängen eines Musikers, der technisch mit der Zeit gegangen ist.

Urbach - Es wird Kennern der Rems-Murr-Musikszene in den Ohren klingen, was am Abend des 12. März in der Manufaktur in Schorndorf zu hören ist. 17 Musiker, Sänger und Techniker sind dabei, wenn Gerhard Graf-Martinez in großer Runde seinen 65. Geburtstag feiert: Unter anderem Michael Schulig von der Kleinen Tierschau, der Remstal-Hendrix Calo Rapallo, der Wendrsonn-Geiger Klaus Marquardt und der andalusische Flamenco-Sänger Rafael Prada erweisen einem Musiker die Ehre, der seit Mitte der 60er Jahre mehr als nur die lokale Musikszene mitgestaltet hat. Graf-Martinez, ein oft in weiß gekleideter, in Ehren ergrauter Herr, macht sich an diesem Abend selbst ein Geschenk und hält Rückschau auf fünf musikalische Jahrzehnte, die durchs Remstal gegangen sind.

Graf-Martinez ist in der Schorndorfer Altstadt aufgewachsen – im Haus der Gaststätte Elefanten. Im Alter von zwölf Jahren überredete er seinen Vater, einen Kriegsblinden, zum Versandkauf seiner ersten Gitarre. „Das war natürlich viel zu spät“, sagt Graf-Martinez. Denn Gitarre solle man spätestens in der Grundschulzeit lernen – aber für seinen Hang zum Selbststudium sollte sich das später als Vorteil erweisen. Er habe mit Gitarrenbüchern und mithilfe des Radios gelernt. Mit Freddy Quinns „La Paloma“ beeindruckte er seine Schwester, auch wenn er später nicht nur erkennen musste, dass das Spanisch des Schlagerstars schlecht war. „Den Text, den ich da gesungen habe, habe ich erst viele Jahre danach verstanden“.

Der Vater wirft The Whos „My Generation“ aus dem Fenster

Dann kam das Jahr 1965 und Gerhard Grafs erste Single: „My Generation“ von The Who. „Mein Vater hat die Platte, als er die Musik gehört hatte, direkt durch das Fenster auf die Straße geworfen – aber er hat mir die 4,90 Mark dafür erstattet.“ Gerhard Graf hinderte das nicht, sich zum Rockbandmusiker weiterzuentwickeln – neben einer Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten, auf welche die Eltern bestanden hatten. Es waren die Jahre, in denen sich in Schorndorf in einer alten Porzellanfabrik das Kulturzentrum Manufaktur gründete. Gerhard Graf wurde nicht nur Teil der Programmgruppe, welche die Auftritte organisierte, sondern auch Gitarrist in der Manufaktur-Hausband Hinkelstein, die oft auf der Bühne stand. Die Manufaktur habe sich seinerzeit mit anderen Clubs vernetzt, was mehr Auftrittsmöglichkeiten mit sich brachte und eine solide, musikalische Routine, erzählt der Musiker.

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