Eine Wahrheit über Turkmenistan: Das hier ist ein Hund, ein Alabai. Doch würde Staatschef Gurbanguly Berdimuchamedow (re.) sagen, es sei ein Pferd – dann wäre es eines. Foto: AFP/MAXIM SHEMETOV

Wenn’s nicht so traurig wäre, könnte der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuchamedow der lustigste Mann der Welt sein.

Aschgabat - Mit den Menschenrechten hat der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuchamedow (63) so seine Probleme. Turkmenistan, in Zentralasien am Kaspischen Meer, zwischen Usbekistan, Afghanistan und dem Iran gelegen, gilt laut Berichten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International oder Human Rights Watch als eine der weltweit autoritärsten Regierungen der Welt. Schön soll es im Wüstenstaat mit dem weltweit viertgrößten Erdgas-Vorkommen trotzdem sein, es sei denn man ist homosexuell, Frau, kritisch, Pressevertreter, Demokrat oder derartiges. Dann kann’s leicht passieren, dass man „verschwindet“.

Welpen für Putin

Zu Tieren pflegt der Machthaber hingegen liebevollere Seilschaften. Im vergangenen Jahr ließ Berdimuchamedow in der Hauptstadt Aschgabat eine goldene Statue für seine Lieblingshunderasse, die putzigen Alabai, errichten. Das Denkmal verfügt über Monitore, die die Hunde beim Spielen und Herumtollen zeigen. Der Alleinherrscher verschenkt auch Hundewelpen wie andere Leute Blumensträuße. Auch Wladimir Putin hat beim Staatsbesuch einen unter den Arm geklemmt bekommen.

Nun hat der tierliebe Despot wieder richtig abgeliefert: Pünktlich zur 30-Jährigen Unabhängigkeit Turkmenistans schenkte sein Lieblingspferd Ak Chan einem Fohlen das Leben. Es heißt nun Aschgabat, wie die Hauptstadt. Berdimuchamedow hat das derart gefreut und inspiriert, dass er ein Lied komponierte, das im Staatsfernsehen von Sängern und Tänzern vorgetragen wurde – „Meine weiße Stadt Aschgabat“.

Despot, Musiker, Autor, Intendant – Alleskönner

Ausreichend Sendezeit bekommt der Mann ohne großes Aufheben, denn in Turkmenistan gibt es nur Staatsfernsehen. Dort veröffentlicht der Präsident regelmäßig schmissige Hits und setzt sich als schillernder Alleskönner in Szene. Gemeinsam mit seinem Enkel nahm Berdimuchamedow bereits ein Rap-Lied „Sportliches Turkmenistan“ auf, das dem sportlichen Reichtum Turkmenistans huldigte – mit dem er aber selbst bei „Deutschland sucht den Superstar“ keine Runde weiter gekommen wäre. Auch zum Weltfrauentag 2018 und dem Tag des turkmenischen Pferdes 2019 erfreute er das größtenteils in Armut lebende Volk mit Musik. Oft schreibt er auch Bücher.

Die Kunst der Inszenierung hat er von Amtsvorgänger Saparmyrat Nyyazow gelernt, dessen Leibzahnarzt er einst war, bevor er 2007 optionsarm zum Präsidenten „gewählt“ wurde. Im April wird in Turkmenistan wieder der Gesundheits- und Fröhlichkeitsmonat begangen: sportliche Massenevents. Die Teilnahme ist nicht optional.

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