„Islamisten aus den eigenen Reihen sind eine der größten Gefahren für uns“, sagt der britische Premier David Cameron Foto:  

Für Großbritannien ist es der „absolute Horror“: Die brutale Tötung des US-Journalisten James Foley soll auf das Konto eines britischen IS-Terroristen gehen. Vor Wochen hatte die US-Armee versucht, die Geisel in Syrien zu befreien – ohne Erfolg.

London/Washington - Dieser maskierte, schwarz vermummte Mann, der inmitten einer Wüstenlandschaft den US-Journalisten James Foley enthauptet hat, soll Brite sein? Großbritannien hat die Jagd auf den Mörder des US-Journalisten ausgerufen. Das Land ist, wie der ganze Westen, schockiert über die Enthauptung im Irak vor laufender Kamera. Doch fast noch mehr entsetzen die Briten sich über die Stimme des komplett vermummten Dschihadisten, der für die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak kämpft. Sie bringt ihnen die Gräueltaten im Nordirak ganz nahe – denn der Akzent ist britisch. Aufgrund der vorliegenden Informationen sei es „immer wahrscheinlicher“, dass der Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus Großbritannien stammt, bestätigte Premierminister David Cameron. Als „barbarisch und brutal“ bezeichnete er die Tat. Außenminister Philip Hammond kommentierte das Video als „absoluten Horror“.

Der Dschihadist komme aus London, berichten mehrere britische Medien unter Verweis auf Geheimdienstquellen. Demnach sei „John“, wie er sich selbst nennen soll, auf der Insel geboren und habe zuletzt im Londoner Osten gewohnt. Sprachwissenschaftler analysierten in der Zeitung „Guardian“ den englischen Akzent von „John“ und lokalisierten ihn in der Hauptstadt. Eine ehemalige Geisel des IS identifizierte zudem den Mann als einen von drei Briten, mit denen er während seiner Entführung zu tun hatte.

„John“, so die Berichte, ist Anführer einer Terror-Einheit, die sich auf Entführungen spezialisiert hat und von der syrischen IS-Hochburg Rakka aus operiert. Der Dschihadist wird als extrem engagiertes Mitglied der Miliz bezeichnet. Weil er eng mit zwei weiteren britischen IS-Kämpfern zusammenarbeitet, wird die Gruppe von anderen Terroristen „die Beatles“ genannt. Bestätigt sind die Berichte noch nicht. Trotzdem war der Verdacht Grund genug für Cameron, seinen Familienurlaub in Cornwall für einen Tag zu unterbrechen und zur Krisensitzung in die Downing Street zu bitten.

Im Vereinigten Königreich wird seit Monaten über jene muslimischen Bürger mit britischem Pass diskutiert, die aufseiten der Islamisten im Irak und in Syrien kämpfen. Ein afghanischer Vater appellierte erst vor wenigen Wochen an seinen Sohn, nach Großbritannien zurückzukehren. Sowohl die Familie als auch die Behörden befürchten, dass der Sohn sich der Terrorgruppe IS angeschlossen hat, um diese bei der Errichtung eines Islamischen Staats zu unterstützen.

Ins Gedächtnis gebrannt hat sich auch das Bild eines Islamisten, der mit blutverschmierten Händen in die Kamera sprach, nachdem er mit einem Komplizen auf offener Straße in London den Soldaten Lee Rigby abgeschlachtet hatte. Die Täter waren in Großbritannien geboren. Staatliche Stellen warnten immer wieder vor der Gefahr, sollten die skrupellosen Ex­tremisten zurück auf die Insel kommen und Anschläge planen. „Homegrown“, wörtlich übersetzt „zu Hause angebaut“, nennen die Briten sie. Experten schätzen, dass sich zwischen 400 und 500 radikalisierte Briten im Irak und in Syrien aufhalten, bis zu 250 sollen bereits auf die Insel zurückgekehrt sein. Sie stünden unter besonderem Fokus, heißt es aus Westminster.

Doch das reicht Kritikern nicht. „Jämmerlich unvorbereitet“ sei man darauf, sagt Maajid Nawaz von der Denkfabrik „Quilliam“ in der Zeitung „Times“. Die Regierung „hört nichts Böses und sieht nichts Böses“. Die Regierung kontert, dass unter anderem Tausende Propaganda-Filme und -Texte im Internet gelöscht würden. Cameron selbst bezeichnete die Dschihadisten aus den eigenen Reihen bereits vor Wochen als „eine der größten Gefahren für das Land überhaupt“.

Nun wurde bekannt, dass die US-Armee den vom IS enthaupteten Foley und andere Geiseln bereits vor Wochen retten wollten. Doch die geheime Kommandoaktion gegen die Terrorgruppe in Syrien schlug fehl. Laut der Zeitung „New York Times“ waren etwa zwei Dutzend Elitesoldaten der Spezialeinheit Delta Force an der Aktion beteiligt. Es handle sich um die erste von den USA bekanntgegebene Militäraktion in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkrieges vor mehr als drei Jahren. Die Extremisten sollen 100 Millionen Euro Lösegeld für Foley gefordert haben. Der Reporter war seit 2012 in Syrien vermisst worden.

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