Sternenhimmel mit Leonidenstrom am Schauinsland bei Freiburg Foto: picture-alliance/ dpa/Patrick Seeger

Im Monat November schmücken drei helle Planeten den Abendhimmel. In der zweiten Novemberhälfte tauchen die Sternschnuppen des Leonidenstroms auf.

Stuttgart - In der nach Umstellung von Sommerzeit auf Normalzeit früh einsetzenden Dämmerung strahlt als erstes Gestirn knapp über dem Südwesthorizont die Venus. Im Lauf des Monats nimmt der Abendstern deutlich an Helligkeit zu. Venus ist zwar kein Stern, sondern der innere Nachbarplanet der Erde. Aber die Bezeichnung Abend- und Morgenstern hat sich eingebürgert.

 

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Zwei weitere helle Planeten schmücken den Abendhimmel, der Riesenplanet Jupiter und der Ringplanet Saturn. Nach dem Untergang der Venus gegen 19 Uhr beherrscht Jupiter mit seinem Glanz unübersehbar die erste Nachthälfte. Ende November geht der Riesenplanet schon um 22.30 Uhr unter. Reizvoll ist es, mit einem Fernglas die vier hellen Jupitermonde zu verfolgen, wie sie jeden Abend in einer anderen Konstellation auftreten.

Saturn steht im Sternbild Steinbock

Deutlich lichtschwächer erscheint Saturn, der nicht nur etwas kleiner als Jupiter ist, sondern auch fast doppelt so weit von der Sonne entfernt. Am 1. November geht Saturn um 22.40 Uhr unter, Ende des Monats schon kurz vor 21 Uhr. Beide Planeten halten sich zurzeit im Sternbild Steinbock auf.

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Am Morgenhimmel kann Merkur in der ersten Novemberwoche erspäht werden. Nach dem 7. wird man den flinken Planeten vergeblich suchen. Zu Monatsbeginn geht Merkur kurz nach halb sechs Uhr morgens auf, eine Woche danach erfolgt sein Aufgang eine halbe Stunde später.

Uranus umkreist unsere Sonne in 84 Jahren

Mars hält sich noch am Taghimmel in Sonnennähe auf und bleibt nachts unbeobachtbar. Der grünliche Uranus kommt in der Nacht vom 4. auf 5. kurz nach Mitternacht in Opposition zur Sonne. Damit hat er die günstigste Position erreicht, ihn zu beobachten. Mit bloßen Augen ist er nicht zu sehen. Vor Erfindung des Fernrohrs kannte man ihn nicht. Er wurde erst 1781 von Wilhelm Herschel mit einem selbst gefertigten Spiegelteleskop entdeckt. Uranus ist 19-mal so weit wie die Erde von der Sonne entfernt.

Sein Licht ist zwei Stunden und 36 Minuten durchs All unterwegs, um die 2803 Millionen Kilometer lange Strecke zur Erde zurückzulegen. Ein Menschenleben lang, nämlich 84 Jahre, ist Uranus unterwegs, um einmal die Sonne zu umrunden. Im Januar 1986 flog Voyager 2 als bisher einziger irdischer Späher an Uranus vorbei. Mit 50 000 Kilometer Durchmesser ist Uranus nach Jupiter und Saturn der drittgrößte Planet unseres Sonnensystems. Sein Durchmesser entspricht dem Vierfachen des Erddurchmessers.

Der Neumond bringt extreme Springfluten

Uranus zeigt noch eine Besonderheit. Seine Rotationsachse ist umgekippt und liegt in seiner Bahnebene. Sie weicht um 98 Grad von der Senkrechten auf die Uranusbahn ab. Vor mehr als vier Milliarden Jahren geschah das Malheur. Ein planetengroßer Körper stieß mit Uranus zusammen. Dies war zu einer Zeit, als seine fünf großen Monde Miranda, Ariel, Umbriel, Titania und Oberon noch nicht gebildet waren. Denn sie laufen auf Bahnen, die ebenfalls senkrecht auf der Uranusbahn stehen.

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Die Neumondphase tritt am 4. exakt um 22.15 Uhr ein. Nur einen Tag später kommt der Mond mit 358 840 Kilometer in Erdnähe, was in Kombination mit der Neumondstellung zu extremen Springfluten führt sowie zu Spannungen in der Erdkruste, die Erdbeben oder Vulkanausbrüche auslösen können.

Der Meteoritenstrom erscheint

Vollmond wird am 19. um 9.57 Uhr im Sternbild Stier erreicht. Dabei taucht der Mond zu 98 Prozent in den Kernschatten der Erde ein. Damit entspricht diese partielle Mondfinsternis fast einer totalen. Der Eintritt des Mondes in den Kernschatten erfolgt um 8.18 Uhr. Da der Mond hier um 7.36 Uhr bereits untergeht, entgeht uns diese Mondfinsternis. Sie ist sichtbar in Nordamerika, dem Pazifik und weiten Teilen Ostasiens.

In der zweiten Novemberhälfte tauchen die Sternschnuppen des Leonidenstroms auf. Die Meteore scheinen aus dem Sternbild Löwe zu purzeln, ein rein perspektivischer Effekt. In der Nacht von 17. auf den 18. sind rund 15 Leoniden pro Stunde zu erwarten. Die günstigste Zeit für eine Beobachtung liegt in der zweiten Nachthälfte. Schon in den Morgenstunden des 17. flammen verstärkt Meteore dieses Stroms auf. Die Leoniden sind Bruchstücke des Kometen 55 P/Tempel-Tuttle. In manchen Jahren lieferte der Leonidenstrom besonders viele Meteore. Nur alle 33 Jahre kollidiert die Erde mit dem Zentrum der Leoniden-Trümmerwolke.