Nach langer Abstinenz erscheint erstmals wieder der Mars am Morgenhimmel. Zwischen dem 6. und dem 16. Dezember kann man den Sternschnuppenstrom der Geminiden am Nachthimmel beobachten. Und der 21. Dezember wird der kürzeste Tag des Jahres.
Stuttgart - In der früh einsetzenden Abenddämmerung leuchtet am Südwesthimmel als erstes Gestirn Venus auf. Am 4. Dezember strahlt sie in vollem Glanz. Bereits um 19 Uhr geht der Abendstern unter. Er geht im Laufe des Monats immer früher unter, ein Hinweis darauf, dass sich Venus vom Abendhimmel zum Jahreswechsel zurückzieht. Zu Silvester geht der Abendstern schon um 17:48 Uhr unter. Im Teleskop zeigt sich Venus als große, schmale Sichel.
Die beiden größten Planeten bereiten ihren Abgang vor
Zwei weitere helle Planeten schmücken den Abendhimmel: der Riesenplanet Jupiter und der Ringplanet Saturn. Beide wandern durch das Sternbild Steinbock. Zur Monatsmitte wechselt Jupiter aus dem Steinbock in das Sternbild Wassermann. Die beiden größten Planeten bereiten ihren Abgang von der Himmelsbühne vor. Zum Jahresende geht Saturn kurz nach 19 Uhr unter, Jupiter folgt zwei Stunden später: Kurz vor 21 Uhr sinkt er unter die südwestliche Horizontlinie.
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Merkur taucht zu Silvester am Abendhimmel auf, zeigt sich Anfang Januar 2022 aber nur minimal. Nach langer Abstinenz erscheint Mitte Dezember Mars erstmals wieder am Morgenhimmel. Gegen halb sieben morgens kann man mit seinem Aufgang im Nordosten rechnen. Mit einem Fernglas lässt sich der Mars aufspüren. Am 26. wandert er nördlich an dem ebenfalls rötlichen Antares, Hauptstern des Skorpions, vorbei. Antares heißt so viel wie „marsähnlicher Stern“. Jetzt kann man sie gut miteinander vergleichen. Zurzeit ist Antares ein wenig heller als Mars. Im kommenden Jahr wird Mars sehr viel heller werden und bis Dezember zu einem auffälligen Gestirn am Nachthimmel werden.
Springfluten und Gezeitenkräfte
Am 4. tritt um 8:43 Uhr die Neumondphase ein. Nur gut zwei Stunden später erreicht der Mond mit 356 800 Kilometer seinen kürzesten Abstand des ganzen Jahres von der Erde. Das Zusammenfallen von Neumond und extremer Erdnähe führt zu Springfluten und starken Gezeitenkräften, wobei auch die Landmassen bis zu einem halben Meter angehoben werden. Zugleich schiebt sich der Mond vor die Sonne und verfinstert sie.
In der Nacht vom 13. auf 14. sind die meisten Meteore zu erwarten
Am 4. ereignet sich eine totale Sonnenfinsternis, die allerdings nur in den südlichsten Gebieten der Erde beobachtbar ist. Vollmond wird am 19. um 5:35 Uhr erreicht. In der Nacht vom 17. auf 18. zieht der Mond an Aldebaran nördlich vorbei. Aldebaran markiert das rote Auge des Stieres. Am 18. befindet sich der Mond auch in Erdferne, wobei ihn 406 320 Kilometer von uns trennen.
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Von 6. bis 16. Dezember macht sich der Sternschnuppenstrom der Geminiden bemerkbar. Wie der Name andeutet, entströmen die Geminiden dem Sternbild Zwillinge. Der Ausstrahlungspunkt oder Radiant liegt nahe beim Stern Kastor. In der Nacht vom 13. auf 14. gibt es die meisten Meteore zu sehen. Die günstigste Beobachtungszeit liegt zwischen 21 Uhr und 6 Uhr morgens.
Der Orionnebel ist ein „Sternennest“
Wer gegen zehn Uhr abends zum Himmel blickt, sieht bereits die Wintersternbilder. Im Südosten steht der Himmelsjäger Orion, das Leitsternbild des Winterhimmels. Darunter sieht man bei klarem Himmel ein kleines Lichtfleckchen. Es ist der Orionnebel, eine gewaltige Staub- und Gaswolke. Eingebettet in ihr sind junge, heiße Sterne, die nur wenige Millionen Jahre alt sind. Unsere Sonne ist hingegen mit fast fünf Milliarden Jahren rund tausend Mal älter. Im lichtstarken Fernglas wimmelt es von blau schimmernden Sonnen, die die Staubwolken im Orionnebel beleuchten und das Wasserstoffgas zum Leuchten anregen, ein ähnlicher Vorgang wie in einer Leuchtstoffröhre. Der Orionnebel ist ein „Sternennest“. Noch heute werden dort in 1500 Lichtjahren Entfernung neue Sonnen geboren. Knapp über dem Südosthorizont ist eben Sirius aufgegangen. Er ist der Hauptstern im Großen Hund und hellster Fixstern am irdischen Firmament. Sirius ist eine Nachbarsonne unserer Sonne.
Der Fuhrmann gilt als Erbauer des Himmelswagens
Hoch über unseren Köpfen erblickt man das Sternbild Stier mit dem orange leuchtenden Stern Aldebaran. Im Stier sind die beiden Sternhaufen Plejaden und Hyaden, das Regengestirn, beheimatet. Sie sind wunderschöne Fernglasobjekte. Fast im Zenit hält sich die gelbe Kapella im Fuhrmann auf. Der Fuhrmann gilt als Erbauer des Himmelswagens, weit im Nordosten. Am Osthimmel haben sich die Zwillinge mit den Sternen Kastor und Pollux emporgeschwungen. Im Südosten steht etwas einsam Prokyon im Kleinen Hund, auch ein Nachbarstern der Sonne.
Die Wintersonnenwende tritt ein
Am ersten Weihnachtstag erreicht die Zeitgleichung den Wert null. Die Zeitgleichung gibt die Differenz der wahren Sonnenzeit und der mittleren Sonnenzeit an, nach der unsere Uhren laufen. Die Zeitgleichung bewirkt auch, dass der früheste Sonnenuntergang am 12. Dezember erfolgt, der späteste Sonnenaufgang jedoch am 31. Dezember. Am 21. Dezember tritt die Wintersonnenwende ein. Um 16:59 Uhr passiert die Sonne den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn. Am 21. Dezember erleben wir den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres. Sie dauert in Stuttgart 15 Stunden und 45 Minuten.