Deutsches Duo über 5000 Meter: Marcel Fehr (links) und Florian Orth Foto: dpa

Marcel Fehr hat jede Sekunde seines 5000-Meter-Laufs im Berliner Olympiastadion genossen, es war der größte Auftritt seines Lebens. Auch wenn nicht alles so gekommen ist, wie sich der 26-Jährige von der SG Schorndorf 1846 das vorgestellt hat.

Berlin - Schweren Herzens verlässt Marcel Fehr irgendwann den Innenraum des Berliner Olympiastadions mit seiner grandiosen Stimmung und kehr zurück in die Katakomben. Platz 18 hat der Athlet aus Schorndorf im 5000-Meter-Lauf der Leichtathletik-EM belegt, in 13:37,66 Minuten. Keine Topplatzierung, keine Bestzeit – aber was solls? Dabeisein war diesmal alles.

Herr Fehr, hat es Spaß gemacht, vor 60 000 jubelnden Menschen zu laufen?

Ich habe noch immer Gänsehaut, mir kribbelt es noch immer den ganzen Nacken hoch. Kurz bevor ich aus dem Warteraum in den Innenraum des Stadions gelaufen bin, habe ich mir gedacht: So muss es sich früher angefühlt haben, wenn die Gladiatoren in den Katakomben auf der Schlachtbank saßen, bevor sie zu den grölenden Zuschauern rausgeführt wurden. Das war der absolute Wahnsinn. Ich habe mich umgeblickt und konnte es nicht fassen. Völlig überwältigend.

Bekommt man da nicht weiche Beine?

Weiche Knie nicht, auch wenn ich es normalerweise gewohnt bin, vor zwei-, dreihundert Zuschauern zu laufen. Jetzt stand ich an der Startlinie und habe mir überlegt: Wie muss sich das wohl anfühlen, wenn man ganz vorne mitlaufen könnte. Ich habe das kurz spüren dürfen, als Mateusz Przybylko während unseres Rennens ím Hochsprung zu Gold gesprungen ist. Ich dachte, ich bekomme Herz-Rhythmus-Störungen. Dabei war das der Jubel über seinen Sieg. Mir hat der Atem gestockt.

Wie haben Sie Ihr Rennen erlebt?

Das Rennen war brutal schnell. Ich dachte am Anfang: Bin ich jetzt so langsam oder sind die anderen so schnell? Es war ein Höllentempo. Mir war schon vorher klar, dass ich da vorne nicht mitlaufen kann, das hatte ich auch gar nicht vor. Schließlich stand ich mit einer der schlechtesten Zeiten in der Startliste. Wenn ich jetzt aber die Platzierung sehe, dann denke ich trotzdem: Mann, ein bisschen weiter vorne wäre ich schon gerne gelandet.

Platz 18 in 13:37,66 Minuten.

Platz 18 fühlt sich heftig an, das sieht blöd aus. Ich würde ja auch gerne mal in die Top-Acht einer Europameisterschaft laufen. Da habe ich in Zukunft also noch einiges zu tun. Aber ich bin trotzdem überglücklich. Jeder Trainingsschritt, jeder Tropfen Schweiß hat sich gelohnt. Es ist für einen Athleten das größte Geschenk, so etwas einmal erleben zu dürfen. Auch wenn mir anschließend die Chance auf mein erstes Live-Fernsehinterview genommen wurde.

Wie das ?

Mit meinem Mannschaftskollegen Florian Orth (Platz 17 in 13:37,66, Anm. d. Red.) stand ich schon vor der Kamera des ZDF. Wir haben ein bisschen mit Moderator Norbert König geplauscht – bis er schließlich sagte: ‚Sorry, wir kriegen kein Interview unter - zu viele andere Highlights im Olympiastadion’.

   
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