Der Rottenburger Kopp-Verlag Geschäfte mit der Angst

Von Christine Keck 

Mit seiner Verschwörungsliteratur und rechtspopulistischen Büchern ist der Kopp-Verlag so erfolgreich wie noch nie. Seine Kritiker sagen, er sei schädlich für die Demokratie und betreibe Hetze gegen Flüchtlinge.

Rottenburg - Noch so einen Shitstorm wolle er ungern erleben, sagt Hermann Steur und zieht die ausgedruckten Beschimpfungen aus einem Ordner. „An die Landesverräter im Ortsverein Rottenburg am Neckar“, ist eine der Mails überschrieben, „auf Eure Höllenfahrt freut sich ein Bürger dieser Nation Deutschland“, heißt es weiter. Formulierungen wie „SPD-Schande“ oder „Gutmenschen-Pack“ sind die eher harmlosen Beleidigungen, mit denen der 64-Jährige attackiert wurde, weil er Haltung zeigte, wie er sagt.

Steur, katholisch geprägt, SPD-Stadtrat in Rottenburg (Kreis Tübingen) und mehrfacher Großvater, ist einer der wenigen, die es in der Bischofsstadt am Neckar wagen, den Kopp-Verlag seit Jahren zu kritisieren. Jenen Geschäftemacher, der auf die Ängste der Bürger setzt, der mit seinem Programm längst nicht mehr nur die Ränder der Gesellschaft bedient: Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretiker und Ufo-Gläubige, die sowohl das Abendland als auch den Euro und das Universum sowieso in Auflösung begriffen sehen. In einem offenen Brief hat Steur fremdenfeindliche Äußerungen auf der Homepage des Unternehmens kritisiert. Auf die vergleichsweise sanfte Kritik folgte Dauerbeschuss.

Keine fünf Minuten von Steurs blumenumranktem Einfamilienhaus entfernt liegt der Firmensitz des umstrittenen Verlags. Ein schwarzer Kasten mit einem gläsernen Bürobereich, viel Licht, einem Dachgarten, alles topmodern. In einem Industriegebiet im Norden Rottenburgs hat Jochen Kopp, früher Polizist im Ermittlungsdienst in Stuttgart und seit Mitte der neunziger Jahre Verleger, sein Unternehmen groß aufgestellt. Der Rottenburger Gemeinderat hatte im Jahr 2011 lange darüber diskutiert, ob die Kommune das Grundstück für einen Neubau an den Verlag verkaufen sollte. Nur die Grünen und die Linke stimmten dagegen.

Bücherlaster pendeln Richtung Autobahn, der Firmenparkplatz ist voll, die Auftragsbücher sind es auch. Weit mehr als 20 Millionen Euro Umsatz macht der Kopp-Verlag jährlich nach eigenen Angaben, er zahlt Bonusausschüttungen, hat seinen 80 Mitarbeitern eine eigene Kantine eingerichtet und ist auf Expansionskurs.

Der Rottenburger Kopp-Verlag verdient an der allgegenwärtigen Verunsicherung mit

Vögel fliegen in den Sonnenuntergang hinein. Statt einer Wand aus Wellblech am Kleinteilelager hat Jochen Kopp seinen Mitarbeitern etwas Urlaubsgefühl spendiert und eine riesige Plane bedrucken lassen. „Blech wäre zu trist gewesen.“ Der Verlagschef hat lange gezögert, bis er einem Pressebesuch zustimmte. „Wir werden oft mit Pauschaldiffamierungen konfrontiert“, sagt der 51-Jährige. Er trägt ein weißes Freizeithemd, ist braun gebrannt und sehr zuvorkommend. Beim Rundgang durch den Verlag hält er die Türen auf, ein freundlicher Schwabe, über den seine Sekretärin nur Gutes zu sagen weiß. Er habe sein privates Bücherinteresse zum Beruf gemacht, erzählt Jochen Kopp. Als Polizist habe er sich immer gefragt, wer all die Drogen liefere, und spannende Literatur dazu aus den USA in die Finger bekommen. Am Drogenhandel verdienten die Geheimdienste mit, das sei ihm klar geworden, sagt Kopp und entschied sich, den Beamtenjob zugunsten der Verlagsarbeit aufzugeben.

Wie einst Galileo Galilei veröffentliche auch er Ansichten abseits der gängigen Lehrmeinungen. Das italienische Universalgenie sei ja erst von der Kirche als Ketzer gebrandmarkt und später rehabilitiert worden. Ziel seines Hauses sei es, „auf unterdrückte Informationen, Entdeckungen und Erfindungen hinzuweisen“, sagt Kopp. „Wir geben denen eine Stimme, die nicht dem Mainstream entsprechen“, sagt er zum Profil des Verlages, der 700 eigene Titel herausgebracht hat und ansonsten als Fachbuchversand mit Händlern wie Amazon um Kunden konkurriert. Verkauft werden Titel wie die „Masern-Lüge“, die angeblich aufdecken, was die Gesundheitsbehörden verschweigen, politische Enthüllungswerke jenseits der Political Correctness, aber auch jede Menge andere Artikel: vom ABC-Schutzanzug über Langzeitlebensmittel bis zum 500 000-Volt-Elektroschocker.

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