Für den Neubau vom Campus Neue Weststadt der Hochschule Esslingen ist Richtfest gefeiert worden. Dort investiert das Land 146 Millionen Euro. Der Hochschulbetrieb am neuen Standort soll im Herbst 2025 beginnen.
Eine prächtige Richtkrone schwebt über dem Innenhof des neuen Campus. Während die Bänder im Wind flattern, versammeln sich im Innenhof des künftigen Hochschulneubaus die Arbeiter, die den Rohbau vorangetrieben haben. Nur gut ein Jahr nach der Grundsteinlegung haben sich zwischen den Esslinger Stadtwerken und den Bahngleisen an der Esslinger Südtangente lauter graue Riesen in die Höhe geschoben. Die Adresse lautet: Eugenie-von-Soden-Straße 38 und ist eine Verbeugung vor der 1858 in Esslingen geborenen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin.
Von Soden hätte es sicher gefallen, denn auf dem Areal, wo früher Güterzüge rangierten, wird künftig vor allem geistig gearbeitet werden. In der Neuen Weststadt investiert das Land Baden-Württemberg 146 Millionen Euro in den neuen Hochschulcampus der Hochschule Esslingen, der in erster Linie den Campus Flandernstraße ersetzen soll. Der Hochschulbetrieb soll hier im Herbst 2025 beginnen, während am bisherigen Standort auf der Esslinger Flandernhöhe ein neues Wohngebiet entstehen wird.
Zwei Frauen halten die Fäden in der Hand
Und angetan wäre die Frauenrechtlerin vermutlich auch von der weiblichen Präsenz gewesen, liegt doch die Verantwortung für die Baustelle in den Händen von Projektleiterin Simone Graf, während Corinna Bosch, Leiterin des Amtes Ludwigsburg von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, im Auftrag des Landes die Fäden in der Hand hält.
Eine neue Hochschule baue man nicht alle Tage, erklärte ihr Vertreter Raffael Sänger und ergänzte, es handle sich um das größte Projekt, um das sich sein Amt momentan kümmere. Die Ausmaße vom Campus seien nun im Rohbau gut erkennbar. Nach der Fertigstellung sollen auf einer Gesamtnutzfläche von 19 600 Quadratmetern rund 2000 Studierende ein- und ausgehen. Dazu kommen etwa 250 Arbeitsplätze für Professorinnen und Professoren, Hochschulmitarbeiter sowie Flächen für das Studierendenwerk und das Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte (SAFL). Und trotz Baupreissteigerungen, Materiallieferschwierigkeiten und Fachkräftemangel liege der Neubau erfreulicherweise im Zeit- und Kostenplan.
Der Rektor der Hochschule ist dankbar
Sichtlich berührt vom Werden und den Dimensionen des neuen Campus zeigte sich Christof Wolfmaier, der Rektor der Hochschule Esslingen. „Wir sind Zeitzeugen eines großartigen Geschehens“, erklärte Wolfmaier und lobte die zeitgemäße Infrastruktur, die in der Weststadt entsteht. Der Rektor bedankte sich beim Land „für diese wertvolle Investition in unsere moderne Lehre und angewandte Forschung“.
Die Hochschule stehe trotz der guten Erfahrungen mit dem digitalen Lernen und Lehren während der Pandemie zur Präsenzlehre und es stehe schon jetzt fest, dass die Studierenden den neuen Stadtteil nach der geplanten Eröffnung zum Wintersemester 2025 beleben werden.
Der Neubau wird laut der Bauherren nach hohen energetischen Standards errichtet. Das reduziere den Heizwärmebedarf stark. Dafür sorgen eine luftdichte Ausführung der Gebäudehülle und hocheffiziente Lüftungsanlagen. Die Gebäude werden mit einer Passivhaushülle versehen, dazu gehören neben der Beton-Skelettbauweise eine 22 Zentimeter starke Dämmschicht aus Mineralwolle und eine Klinkerfassade, die als Reminiszenz an die historischen Industriebauten im Stadtteil zu verstehen ist.
Die Abwärme der Server dient als Heizenergie
Geheizt wird zu einem Drittel mit der Abwärme der zentralen IT-Servertechnik in Kombination mit einer Wärmepumpe. Die fehlenden zwei Drittel an Heizenergie liefert die Nahwärmeversorgung der Green Hydrogen Esslingen GmbH (GHE). Auf dem gut 7000 Quadratmeter großen Dach der Hochschule wird eine Photovoltaikanlage mindestens ein Drittel des jährlichen Stromverbrauchs abdecken. Ökologischen Nutzen verspricht auch die extensive Dachbegrünung. Der Neubau besteht aus vier Gebäuden, die sich um einen später begrünten Innenhof gruppieren. Die fünfgeschossigen Gebäude sind mit Arkaden und über ein gemeinsames Untergeschoss verbunden.
Junges Leben im alten Quartier
Nutzung
Der neue Campus soll die Fakultäten Wirtschaft und Technik, Informatik und Informationstechnik sowie Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege beherbergen. Neben Platz für Hörsäle, Seminarräume und Büros werden sich in den neuen Gebäuden auch eine moderne Aula, ein Rechenzentrum, die zentrale Hochschulbibliothek, die Studienberatung und eine Mensa ansiedeln. Außerdem wird das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung einziehen.
Innovation
Der Hochschulneubau ist ein Teil des preisgekrönten klimaneutralen Stadtquartiers, ein Leuchtturmprojekt für energieeffizientes und solares Bauen mit 450 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen. Strom wird aus Photovoltaik gewonnen und aus überschüssigem Ökostrom wird grüner Wasserstoff. Abwärme, die bei dem Elektrolysevorgang entsteht, wird zum Heizen genutzt.