Der potenzielle neue DFB-Präsident: Fritz Keller Foto: dpa

Jetzt ist die Sache klar – Fritz Keller soll der neue Präsident des DFB werden. Ist der aktuelle Clubchef des SC Freiburg eine gute Wahl? Keller ist zumindest charakterlich dazu geeignet, den taumelnden DFB wieder auf Kurs zu bringen, kommentiert unser Sportredakteur Marco Seliger.

Stuttgart - Die so genannte Findungskommission des DFB hat jetzt also gefunden, sie hat der Öffentlichkeit nach langem Suchen reinen Wein eingeschenkt, womit wir schnell beim potenziellen neuen Präsidenten des größten Sportfachverbands der Welt sind. Fritz Keller soll es werden, der Winzer, Hotelier und Inhaber eines Michelin-Sterns also, der derzeit noch der Clubchef des SC Freiburg ist und im Falle der Wahl zum DFB-Präsidenten von seinem Amt beim Sportclub zurücktreten würde.

Ist er auch eine gute Wahl?

Klar ist: Keller ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Vorgänger Reinhard Grindel. Der 62-Jährige ist im besten Sinne locker und hemdsärmelig im Umgang, er kann Menschen gewinnen, er kommt direkt aus dem Fußballgeschäft, er kann einen und begeistern – all das hat er über Jahre hinweg beim SC Freiburg bewiesen. Und: Er ist kein technokratischer Karrierist, wie es Grindel ist. Keller ist eine charakterstarke und zugleich umgängliche Führungskraft.

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Wer sich nach Bundesligaspielen im kleinen Presseraum des SC aufhält, der sieht dort stets Keller, wie er sich mit der Holzzange ein, zwei Saitenwürstchen aus dem großen Pott fischt und stets bereit ist für einen lockeren Plausch. Keller, der Gourmet, kann’s immer auch bodenständig.

Von Südbaden in die weite Welt

Kann der Mann also nicht nur auf der kulinarischen Ebene beides, also ganz oben und tieferklassig? Kann er, überspitzt formuliert, als DFB-Chef WM-Finale und Bezirksliga in einem – erfüllt dieser Fritz Keller das klassische Anforderungsprofil für den Job des Präsidenten, mit einem Herz für Profis und Amateure?

Keller ist drin im Fußballgeschäft, und das nicht nur bei den Profis. Wenn die Jugend des SC Freiburg um einen Titel spielt, und sei es nur in Südbaden, dann fährt er gerne mal mit aufs Dorf und trinkt dort sein Pils im Clubheim.

Solche Züge an der Spitze des DFB jedenfalls schaden nach dem Total-Desaster namens Grindel nicht – kann dieser Keller aus dem kleinen beschaulichen Freiburg aber auch die Dinge auf der ganz großen Fußballbühne regeln? Von Südbaden aus geht es nun in die weite Welt. Keller, das ist klar, soll das Gesicht das DFB werden – aber eines von vielen.

Rummenigges Angst

In einer reformierten Struktur soll der Präsident künftig ja nicht mehr die Exekutivgewalt als allmächtiger und für alle Details verantwortlicher Funktionär verantworten. Angedacht ist, dass er als Aufsichtsratschef einer Art DFB GmbH fungiert, also eher tatsächlich präsidiale Aufgaben übernimmt, statt die Tagesgeschäfte zu führen. Führende Kräfte aus der Bundesliga wie die beiden Clubbosse Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern) und Hans-Joachim Watzke (BVB) fürchteten im Zuge dieser Neuausrichtung bereits, dass der neue Chef des DFB schlicht zu schwach ist. „Ich habe ein bisschen die Sorge, dass der Präsident des DFB – überspitzt gesagt – reduziert werden soll auf einen Grüß-Gott-August. Das darf nicht der Fall sein“, sagte Rummenigge kürzlich dazu.

Der potenzielle neue Chef Fritz Keller wird seine Rolle erst finden müssen – weil er selbst neu ist. Und weil die Strukturen des DFB neu sind. Ist der nächste höchste Repräsentant des deutschen Fußballs also tatsächlich eher ein schwacher Präsident? Man darf gespannt sein – und sollte den gerne sehr meinungsstarken Keller nicht unterschätzen. Und man sollte den neuen Weg nicht verteufeln, bevor er überhaupt begonnen hat. Reinhard Grindel, das nur zur Erinnerung, ist das Negativbeispiel in die andere Richtung.

Fritz Keller soll nun am 27. September in Frankfurt zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden. Für den krisengebeutelten DFB bleibt zu hoffen, dass der potenzielle neue Chef das gleiche ist wie seine Weine: eine gute Wahl.

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