Auch das Diakonie-Klinikum verfügt über ein Brustkrebszentrum Foto: Max Kovalenko/Lichtgut

Der Onkologische Schwerpunkt Stuttgart wird 30, seine Nachsorgeleitstelle Mammakarzinom 20 Jahre alt. Weil nun dessen Finanzierung wackelt, wurde der Verein Überlebensfreunde gegründet.

Stuttgart - Es wäre ein Armutszeugnis, wenn eine reiche Stadt wie Stuttgart so gewachsene und erfolgreiche Strukturen verlieren würde!“ Thomas Kuhn, Leiter des Brustkrebszentrums am Diakonie-Klinikum Stuttgart und Vorsitzender des Vereins Überlebensfreunde Stuttgart, meint die Nachsorgeleitstelle Mammakarzinom des Onkologischen Schwerpunkts Stuttgart (OSP). Über sie werden an Brustkrebserkrankte Frauen begleitet, informiert, beraten – rund 1500 Nachsorge-Patientinnen derzeit, bei etwa 200 niedergelassenen Ärzten. Auch Daten zur Brustkrebsnachsorge erhebt die Stelle, die nun ihr 20-jähriges Bestehen begeht. Diese fließen in Studien zur Versorgungsforschung ein. Und die vier Brustzentren des OSP Stuttgart werten sie aus, für Zertifizierungen und ein gemeinsames Krebsregister. Das Problem: Bisher wurde die Nachsorgeleitstelle von den Krankenkassen finanziert. Wegen gesetzlicher Vorgaben ist das nun nicht mehr möglich. Daher wurde 2014 der Förderverein Überlebensfreunde gegründet. „80 000 bis 100 000 Euro braucht die Nachsorgeleitstelle pro Jahr für ihre Arbeit“, so Cornelia Junack von der OSP-Geschäftsstelle. Mit Spenden und Aktionen versuche man die Finanzierung zu sichern. Am 19. Oktober gibt es etwa im Neuen Schloss ein Benefizkonzert mit den Musiker-Geschwistern Ada Aria und Ead Anner Rückschloss. Beginn ist um 19 Uhr.

Bei den Überlebensfreunden engagieren sich auch ehemalige Brustkrebspatientinnen wie Elke Zimmer, Rosemarie Werner und Adelheid Gruber für die Nachsorge. „Die positiven Gespräche waren wichtig“, sagt Werner. Und Zimmer betont, wie froh Frauen in Stuttgart und Region über das Netzwerk sein können. „Es war von Anfang für mich da. Ich habe mich bewusst wegen der Qualität für ein zertifiziertes Brustzentrum entschieden. Mir wurde nichts aufgedrängt, die Ärzte und ich haben gemeinsam einen Weg für mich festgelegt. Nun will ich etwas dafür tun, dass auch Frauen anderswo davon profitieren.“

Auch Sonja Beutler, Oberärztin in der Gynäkologie des Marienhospitals, betont, dass das Netzwerk Patientinnen auffangen könne. „Die Lebensqualität steht im Fokus.“ Das unterstützt Fußballikone Hansi Müller, dessen erste Frau an Brustkrebs starb. „Die OP, das Medizinische ist wichtig“, so Müller. „Aber es geht auch um die Seele, was im Kopf passiert ist für die Heilung wichtig.“

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