Der Weg zur Vielfalt ist im baden-württembergischen Parlament noch weit. Foto: imago images/7aktuell

Der neue Landtag ist zwar jünger und migrantischer, dennoch sitzen in den meisten Fraktionen mehrheitlich weiße Männer. Warum das nicht mehr zeitgemäß ist, erklärt und Kommentatorin.

Stuttgart - Wann arbeiten Teams am erfolgreichsten? Wann meistern sie Krisen am besten? Wenn sie möglichst vielfältig zusammen gesetzt sind. Wenn sie Männer und Frauen, Junge und Alte, Menschen verschiedener sozialer und kultureller Welten vereinen. Das sind zumindest die belegten Erfahrungen aus der Unternehmenswelt.

 

Nun ist der Landtag keine Firma und hat in einer repräsentativen Demokratie nicht die Pflicht, ein detailgetreues Abbild der Bevölkerung zu sein. Andererseits ist der politische Raum Teil einer immer pluralistischer werdenden Gesellschaft, in der Gruppen, die bislang wenig mitreden durften, zurecht politische Teilhabe einfordern. Ein Parlament, das einerseits zukunftsfähig und krisensicher, andererseits nah bei den Menschen und deren Bedürfnissen sein will, um überhaupt akzeptiert zu werden, kommt also gar nicht umhin, vielfältig zu sein.

Der Weg zu Diversität ist noch weit

Doch der Weg zu echter Diversität ist im Landtag noch weit: Zwar ist die Abgeordnetenschar nun jünger, migrantischer und auch marginal weiblicher. Und es ist gut, dass sich zum Beispiel bei der CDU der Frauenanteil erhöht hat und die AfD einen überraschend hohen Anteil Abgeordneter mit Migrationshintergrund aufweist. Aber im Großen und Ganzen sitzt in den Fraktionen – außer bei den Grünen – noch immer mehrheitlich der weiße Mann – oft Jurist oder Lehrer von Beruf.

Klar: Dieser sollte mit seiner Erfahrung und Weltsicht weiter unabdingbarer Bestandteil politischen Wirkens sein. Aber dass neben ihm 2021 nicht mehr Platz für einen anderen Typ Mensch bleibt, ist enttäuschend und kann nichts anderes als ein Weckruf für alle Parteien sein.

lisa.welzhofer@stuttgarter-nachrichten.de