Harald Glööckler ist wohl der exzentrischste schwäbische Export überhaupt. Aufgewachsen in Maulbronn, hat er sich als Designer international einen Namen gemacht. Mit seinem Lebenspartner Dieter Schroth gründete er das Label und Modegeschäft Pompöös, das in Stuttgart eröffnete und nun in Berlin ansässig ist. Foto: dpa

Der Modedesigner Harald Glööckler spricht über Tracht, schöne und schreckliche Dirndl

Stuttgart - Kleider, Tapeten, Stühle, Unterwäsche – der Modedesigner Harald Glööckler (53) hat schon vieles entworfen. Nun hat er seine erste Dirndl-Kollektion in Kooperation mit dem Trachtenhaus Angermeier herausgebracht. Im Interview erläutert der gebürtige Schwabe seine Auffassung von Tracht.

Herr Glööckler, Sie haben schon alles Mögliche entworfen, warum nun Dirndl?

Ich finde die Tracht faszinierend. Leider ist sie ziemlich vergewaltigt worden in den letzten Jahren, da gab es indische Trachten und afrikanische Dirndl, das finde ich übertrieben. Das Dirndl ist das älteste Haute-Couture-Kleid, einfach wunderschön. Ich komme ja aus dem Rokoko, das Dirndl passt gut dazu.

Ursprünglich war das Dirndl eine Arbeitskluft. Wie wurde es zum Haute-Couture-Kleid?

Die Bauern waren früher oft reiche Leute. Sie hatten sowohl Arbeits- als auch Festtagsdirndl. Letztere waren oft sehr aufwendig gestaltet und teuer.

Was muss ein Dirndl haben?

Es muss stilvoll und edel sein! Es gibt viel zu viele billig aussehende Dirndl. Wenn man sich im Bierzelt umsieht, da liegen die Brüste fast auf dem Biertisch, das ist schrecklich. Ein Dirndl darf sexy sein, aber bitte nicht ordinär. Man kann mit Kleinigkeiten viel bewirken – edle Stoffe, Accessoires oder Prints – wie zum Beispiel mein Konterfei auf einem der Dirndl (siehe Foto). Das habe ich mit einem Augenzwinkern gemacht.

Was halten Sie von Sneaker zum Dirndl?

Ist mir lieber als übertriebene Stilettos oder Plateauschuhe. Ein bisschen Lässigkeit gehört dazu. Ich bin relativ entspannt, was die Trachten-Etikette angeht. Wichtig ist, dass es gepflegt aussieht.

Wie finden Sie es, wenn man sich als Schwabe mit fremden Federn, also mit der bayerischen Tracht, schmückt?

Jeder, der Lust hat, eine Tracht zu tragen, soll das bitte schön tun. Es ist doch erfreulich, dass so viele Menschen Tracht tragen und sich auf Traditionen besinnen möchten.

Welche Tracht mögen Sie?

Jedenfalls kein Dirndl. Lederhose natürlich!

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