Schulleiterin Martine Alber (links) und ihre Schülerinnen zeigen dem Ministerpräsidenten das Mamoul-Backen. Foto: Simon Granville

Bei seinem Besuch im Landkreis Böblingen schaut Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Klasse im Beruflichen Schulzentrum vorbei.

Die Klassenlehrerin Martina Alber hat mit ihren Schülerinnen und Schülern in großer Fleißarbeit alle Leckereien für den Besuch vorbereitet: asiatische, arabische, französische oder auch schwäbische Spezialitäten. In Anlehnung an die Sympathieoffensive des Landes Baden-Württemberg erwartet die Klasse des Leonberger Berufsschulzentrums den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) unter dem Motto „Die Welt trifft The Länd“.

 

Als der „Landesvater“ in gemächlichem Schritt die Lehrküche betritt, bekommt er gleich eine Schürze umgebunden. „Jetzt noch die Hände waschen und es kann losgehen“, sagt Martina Alber in bestimmtem Ton und führt den noch etwas skeptisch dreinschauenden Kretschmann zu zwei Schülerinnen, die gerade das syrische Mamoul vorbereiten. Ein buttriges Gebäck mit Dattel, Walnüssen oder Pistazien gefüllt, das beim Zuckerfest, dem Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan, nicht fehlen darf. Der Ministerpräsident braucht einige Versuche, bis er den Dreh des Teigformens raus hat – und erntet dann viel Lob von der syrischen Schülerin.

Mehrere Stationen im Kreis Böblingen

Am Donnerstag unternimmt Winfried Kretschmann eine Rundtour durch den Landkreis Böblingen – zuletzt hatte er im Jahr 2012 vorbeigeschaut und unter anderem in Weissach einen Stopp zum Bürgerempfang eingelegt. Diesmal ist Leonberg als erster Programmpunkt an der Reihe: erst das berufliche Schulzentrum, dann die Vergärungsanlage hoch über der Autobahn A 8 gelegen. Weiter geht’s zur ehemaligen Kreismülldeponie Sindelfingen. Vor dem Bürgerempfang abends in der Renninger Stegwiesenhalle noch ein weiterer Stopp in der Stadt bei der WS Reformer GmbH an, die auf Wasserstofftechnologien spezialisiert ist.

Klimaschutz und berufliche Bildung sind die Schwerpunkte für Winfried Kretschmann bei seinem Besuch im Landkreis. Informieren will er sich dann im Speziellen über die duale Ausbildungsvorbereitung, kurz auch AVdual genannt, die das Berufliche Schulzentrum (BSZ) in Leonberg für Schüler und Schülerinnen mit oder ohne Hauptschulabschluss oder im Anschluss an den Besuch einer allgemeinbildenden Schule anbietet. Eine Kooperation hat das BSZ mit der Karl-Georg-Haldenwangschule – eine öffentliche Schule für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung.

Schülerinnen und Schüler werden an die Hand genommen

Die AVdual dauert in der Regel ein Schuljahr – und kann mit oder ohne Abschlussprüfung abgeschlossen werden. „Die Schülerinnen und Schüler, die zu uns kommen, sind zwischen 15 Und 18 Jahre alt und müssen sich erst einmal orientieren, was sie nach der Schule machen wollen“, sagt Werner Diebold, der Schulleiter des BSZ. Steht eine schulische Weiterbildung auf dem Plan oder eine Ausbildung? „Wir nehmen die jungen Menschen bei dieser Entscheidung an die Hand und zeigen mit unseren Angeboten am BSZ viele Möglichkeiten auf, denn viele haben noch keinen Plan und jeder bringt seine eigene Hintergrundgeschichte mit“, sagt Rüdiger Koch, der stellvertretende Schulleiter, der für die Organisation des Besuchs an diesem Tag zuständig ist.

In verschiedenen kooperierenden Betrieben können die Schülerinnen und Schüler erste Berufsluft schnuppern. Aktuell macht ein Schüler ein Praktikum im Hotel Holiday Inn in Weilimdorf. Eine andere Schülerin schnuppert bei der Krankenhaus-Service GmbH rein, Im BSZ selbst gibt es nicht nur theoretisch-schulische Fächer, sondern auch einmal pro Woche Praxisunterricht in verschiedenen Bereichen wie Metalltechnik, Hauswirtschaft, Bautechnik, im Textil- oder Gastronomiebereich. Die Praxisrichtung dürfen die Schüler selbst wählen.

Viele sicherheitstechnische Fragen

Vor etwa drei Wochen hatte die Schulleitung des BSZ die Nachricht vom Landkreis Böblingen als Träger der Schule bekommen: der Ministerpräsident schaut im Fockentalweg 8 vorbei. Für das Lehrpersonal und auch die Schüler ein ganz besonderes Ereignis. „Die Schüler sind natürlich gespannt, wenn der Tross hier angefahren kommt“, sagte Rüdiger Koch im Vorfeld des hohen Besuchs. In dieser relativ kurzen Vorbereitungszeit war einiges auf der To-do-Liste abzuarbeiten. „Es gab aus Sicherheitsgründen einige Vorgespräche mit der Polizei, die Örtlichkeiten wurden inspiziert, welche Bereiche man absperren wird. Man hat geschaut, dass man möglichst kurze Wege in unserem Gebäudekomplex zurücklegen wird, weil der Besuch nur etwa eine Stunde dauert“, erzählte Rüdiger Koch.

Als Winfried Kretschmann dann mit etwas Verspätung aus seiner schwarzen Limousine steigt, begleitet unter anderem von Regierungspräsidentin Susanne Bay und seinem Sicherheitspersonal, grüßt er die bereits Wartenden vor dem Schulzentrum: den Gastgeber Landrat Roland Bernhard, den Landtagsabgeordneten Peter Seimer (Grüne), einige Kreistagsfraktionsvorsitzende oder den Leonberger Baubürgermeister Klaus Brenner. Er winkt Schülerinnen und Schülern zu, die auf der Treppe stehen.

Bei der offiziellen Begrüßung betont der Ministerpräsident dann, wie wichtig ihm die beruflichen Schulen seien. „Respekt, wie die Lehrkräfte das heterogene Feld zusammenhalten. Von diesen Schulen hört man am wenigsten, sie leisten eine gute Arbeit“, sagt er in Anspielung auf die aktuelle Debatte um die G9-Rückkehr an die Gymnasien und die anstehenden Strukturänderungen an den Schulen, die dadurch angestoßen wurden. Bei diesem Thema wird der Ministerpräsident, der bekanntlich kein Befürworter der G9-Rückkehr ist, emotional.