Im Gespräch: Harald Schmidt und Bernadette Schoog auf der Bühne der Leonberger Stadthalle Foto: Simon Granville

Das Outfit der SPD-Co-Vorsitzenden Saskia Esken, die neue Regierung, das Traumschiff, die katholische Kirche: Themen gibt es für Harald Schmidt in der Leonberger Stadthalle genug.

Am Ende hieß es in der Leonberger Stadthalle: „The King has left the building.“ Der König hat das Gebäude verlassen. Jenen Satz, mit dem in Las Vegas dem Publikum das Ende von Elvis-Konzerten mitgeteilt wurde, hatte sich auch Harald Schmidt zu eigen gemacht.

 

„Ich habe das jeden Morgen zu meiner Familie gesagt, wenn ich aus dem Haus gegangen bin.“ Die Floskel sei zunächst auf aggressive Ablehnung gestoßen. „Und mittlerweile verhallt der Satz im Nichts, weil ich sowieso noch zweimal wiederkomme, weil ich die Hälfte vergessen hab’.“

Schoog als Stichwortgeberin, Schmidt legt los

Überspitzte Anekdoten wie diese waren es, die den Dienstagabend für das Publikum in der ausverkauften Stadthalle so lohnenswert machten. Für ihre Reihe „Schoog im Dialog“ hatte sich Moderatorin Bernadette Schoog den von vielen als „Grandseigneur des deutschen Fernsehens“ geadelten Schmidt als Gesprächspartner eingeladen.

Fast erwartungsgemäß diente sie dem 67-Jährigen während der eineinhalbstündigen Plauderei vor allem als Stichwortgeberin, damit der wiederum routiniert und gewohnt pointiert und eloquent loslegen konnte. An Themen mangelte es freilich nicht, vor allem angesichts des Regierungswechsels in Berlin bot sich ein ganzes Füllhorn an Charakteren, an denen sich der in Neu-Ulm geborene und in Nürtingen aufgewachsene Schmidt abarbeiten durfte.

Zum Beispiel an der SPD-Co-Vorsitzenden Saskia Esken, die vom Landesverband jüngst aufs Abstellgleis geschoben wurde, und deren gelbem Hosenanzug. „Das erinnert an den Kanarienvogel im Bergwerk. Wenn der von der Stange kippt wissen wir alle: Jetzt wird’s eng.“ Oder an Jens Spahn, der CDU-Fraktionschef werden wird und offenbar einen anderen Umgang mit der AfD anstrebt als den bisherigen. „Er bereitet vielleicht schon die Zeit nach Merz vor, bei überraschenden Neuwahlen im November. Vielleicht wird er dann Vizekanzler von Alice Weidel.“

Wortgewandt: Harald Schmidt gerät ins Plaudern. Foto: Simon Granville

Abseits von Politik – und Caren Miosgas High-Waist-Jeans („Ich sage das als Lagerfeld der Herzen.“) – streifte das Duo auf der Bühne durch die aktuellen Nachrichten, aber auch durch Schmidts eigene Biografie. Der Katholik, Sohn heimatvertriebener Sudetendeutscher, wuchs bekanntlich in Nürtingen auf. Dort absolvierte er auch seinen Zivildienst, unter anderem bei der Kirchengemeinde. „Die Kirche war damals die Partyzentrale – Jugendfreizeiten, Kirchenchor, Jazzmessen. . .“ Inzwischen seien die Katholiken ja eher eine „radikale Minderheit“.

„Nur ironisch“ im Schmidtschen Elternhaus

Schon als älterer Jugendlicher besuchte er zahlreiche Theaterstücke, was schließlich die Weichen für seine Karriere stellen sollte. Vielen galt er laut eigener Aussage als nicht besonders talentiert. „Aber ich besitze die wunderbare kleinbürgerliche Gabe des Ehrgeizes, das kommt von meinen Eltern.“ Ohnehin sei im Hause Schmidt nur „ironisch“ gesprochen worden. „Ich wusste lange Zeit nicht, wie die Nachbarn hießen. Die hatten alle Spitznamen, je nach Aussehen.“

Über seine letztendlich doch gefeierte Schauspielerei am Theater führte ihn der Weg ins Late-Night-Programm – legendär sind Sendungen wie Schmidteinander oder die Harald-Schmidt-Show. „Wir haben damals einfach alles gemacht“, lautet Schmidts Zusammenfassung der politischen Unkorrektheiten, die er im Laufe seines TV-Daseins fabriziert hat. Und schließlich wurde er sogar aufs Traumschiff berufen, als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle. „Die Figur ist offenbar für viele der Gipfel des Humors“, stellte er in der Stadthalle bissig fest. Zur Qualität der Reihe hatte er ebenfalls einen entsprechenden Kommentar auf Lager: „Wir Schauspieler sagen auch manchmal: ‚Das kann ja nicht wahr sein, was wir hier tun’.“

Harald Schmidts Erlebnisse auf dem Traumschiff

Auf dem Traumschiff ist Schmidt ganz schön auf dem Globus herumgekommen – Erlebnisse und Gespräche aller Art inklusive. Daraus ergeben sich auch manchmal Themen für die Bühne, wenngleich sie auch makaber sind. „Ich habe auf einer Fahrt schon vier Todesfälle miterlebt“, berichtete er. In Leonberg, das hatte Schmidt zuvor übrigens bekannt, sei er selbst noch nie gewesen. „Oder vielleicht mal vor 30 Jahren.“ Er habe überraschend viele Neubauten gesehen, als er hergefahren sei. „Das hat der OB vorhin auch dankbar gehört – vielleicht hat er es sich auch gleich tätowieren lassen.“

Zum Schluss gab’s noch eine Art Selbsteinschätzung. Er habe in seinem Tun nicht Grenzen überschritten, vielmehr habe er sie geöffnet, lautete die, gepaart mit einem vielsagenden Schmunzeln. Sein Publikum derweil sei mit ihm gealtert. „Das liest noch Zeitung und Bücher, gendert vermutlich nicht und ist froh, dass sich Annalena Baerbock auf Abschiedstour befindet.“