Der höchste Christbaum im Großraum Stuttgart brennt wieder. Die Macher des Herrenberger Weihachtsdorfs haben am Samstagabend den Schalter umgelegt.
Es war voll am Samstagabend beim Weihnachtswinterdorf in Herrenberg. Sogar aus den Nachbarkreisen Böblingens waren Besucher gekommen, die dabei sein wollten, wenn der höchste geschmückte Weihnachtsbaum im Großraum Stuttgart zum ersten Mal leuchtet. Zwölf Pavillons und drei Stände mit Essen stehen auf dem Platz vor dem Herrenberger Naturfreundehaus, und die Band Joe Vox stimmte sich gerade ein. Das alles unter einem riesigen 33,5 Meter hohen Mammutbaum, dessen Schatten allmählich in Dunkelheit und Lichterglanz verschwand.
Mindestens seit 14 Uhr fragte sich Nico Meinhardt, einer der drei Organisatoren des Weihnachtsdorfes, ob die Illumination auch klappen würde. 1,5 Kilometer lang ist die Lichterkette, mit 5500 LED-Lichtern ist sie bestückt. Was, wenn irgendwo ein Kurzschluss stecken würde? Was, wenn ein Eichhörnchen am Kabel genagt hätte?
Mindestens seit 14 Uhr hatte auch die Kinderbackstube im Innern des Naturfreundehauses offen. Charlotte Bieber und Emma Baier hielten hier die Stellung und halfen den Kindern, als sie mit bunten Zutaten ihre Kekse dekorierten. Gleichzeitig zeigten sie dem Publikum, wie man Elisenlebkuchen macht, und der kleine Jacob Baier brachte mit einem Tablett die süßen Köstlichkeiten unter die Leute.
Der Countdown läuft
Gegen 18 Uhr packten auch sie ihre Sachen, schlossen die Kinderbackstube, um dabei zu sein, wenn der Mammutbaum illuminiert wurde.
Zu dieser Zeit verstummte auch die Musik. Die Menge fiel in einen Countdown: „zehn, neun, acht. . .“, und Andreas Feil vom Naturfreundehaus senkte die Hand auf einen großen kugelförmigen Knopf. Er drückte und alle 5500 Lichter gingen an, verwandelten den Baum in eine leuchtende Fackel. Applaus und Bravorufe waren zu hören, nun kann die Adventszeit kommen. Knapp 40 Veranstaltungen hat das Winterdorf beim Naturfreundehaus jeden Abend, außer natürlich an Weihnachten und Silvester, berichtet Nico Meinhardt. Da kämen einfach zu wenig Leute. Für ihn und seine Mitstreiter Andreas Feil und Jens Hornikel ist das Dorf ein Saisongeschäft, nebenbei ist Nico Meinhardt auch in der Hotellerie tätig und arbeitet in Bondorf als Golflehrer.
Gäste kommen von weit her
Inzwischen ist das Winterdorf so beliebt, dass die Gäste auch von weiter her kommen. Sonja Bayer ist eine „gebürtige von“, sagt sie im Spaß, „von Bonlanden“, einem Ortsteil von Filderstadt. Sie genießt hier mit ihren Verwandten Thomas und Sabine Zimmermann aus Reutlingen-Altenried den Abend. Ihr gefällt es, weil es beim Herrenberger Winterdorf so gemütlich sei, weil man direkt vor dem Dorf umsonst parken könne und weil sie sich unter den Bäumen des Schönbuchs sicherer fühle als in der Stadt.
An diesem Samstag strahlte nicht nur Herrenberg im Lichterglanz. In Ehningen traf man sich auf dem Marktplatz zum Glühweintrinken und zum Einkauf beim Krämermarkt. Weil es den Markt nunmehr zum 40. Mal gibt, wurde abends im Steinbruch ein großes Feuerwerk gezündet. Der Hildrizhausener Markt, auch bekannt als der Hausemer Weihnachtsmarkt, bot handgefertigte Produkte, kulinarische Leckereien, ein Karussell, Bastelaktionen für Kinder und ein Lagerfeuer der Jugendfeuerwehr.
Jeder Markt hat seinen Superlativ
Die Attraktionen des Gärtringer Weihnachtsmarktes umfassten zahlreiche geschmückte Stände mit weihnachtlichem Kunsthandwerk und kulinarischen Spezialitäten, ein Karussell für Kinder sowie die Möglichkeit, den Kirchturm zu besteigen.
So hatte jeder dieser Märkte eigene kleine Superlative, die es wert machten, sie zu besuchen. Apropos Superlativ: Im nächsten Jahr überragt der Herrenberger Mammutbaum vielleicht sogar die anderen großen Weihnachtsbäume in Baden-Württemberg. Denn dann dürfte er wieder um einen halben Meter gewachsen sein.