Die deutsche Wirtschaft kämpft an der Seite der Politik für den Frieden und steht damit erstaunlich geschlossen gegen den Kriegstreiber Putin. Doch muss sie weiterhin Stärke zeigen, meint Matthias Schiermeyer.
Stuttgart - Es ist beeindruckend, wie die deutsche Wirtschaft bisher auf Putins Kriegstreiberei reagiert. Ein prominentes Unternehmen nach dem anderen verabschiedet sich vom russischen Markt – manche halbherzig, andere sehr konsequent. Aber durchweg drücken sie durch handfeste Schritte ihr Entsetzen über die Verbrechen in der Ukraine aus.
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Verschiebung des Koordinatensystems wäre eine Zeitenwende
Insgesamt haben etwa 40 000 deutsche Betriebe Geschäftsbeziehungen mit Russland – 3650 sind mit Niederlassungen vor Ort aktiv. Insofern sollten die ersten Absetzbewegungen auch denen ein ermutigendes Signal sein, die bisher noch zögern. Die bisherige Entschlossenheit ist nicht selbstverständlich, da die Einhaltung von Demokratie und Menschenrechten zuvor keineswegs der generelle Maßstab für wirtschaftliches Handeln war – allzu oft waren Profite den Managern wichtiger. Wenn der Krieg das Koordinatensystem der Wirtschaft aber derart verschiebt, wie es nun aussieht, dann wäre dies eine Zeitenwende. Dies wird auch im Verhältnis zu China nicht gleich ebenso zu radikalen Loslösungsprozessen führen – doch eine Neubesinnung wäre allemal wünschenswert.
Putin muss wirtschaftlich der Boden entzogen werden
Keiner weiß, was aus den Sanktionen noch alles folgt. Zunächst geraten die Lieferketten unter Druck, weil es etwa an Rohstoffen und bestimmten Vorprodukten aus Russland und der Ukraine mangelt. Schwere Turbulenzen sind möglich. Dennoch müssen die Unternehmen diesen Kurs fortsetzen. Erst wenn Putin wirtschaftlich der Boden unter den Füßen weggezogen worden ist, lässt sich seiner Aggression ein Ende setzen. Auf ein „Weiter so wie bisher“, sobald die Waffen schweigen, sollte dagegen niemand setzen.
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