Gute Zahlen für 2018: Die Arbeitslosenquote im Kreis Ludwigsburg ist weiter gesunken. Foto: dpa

Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Ludwigsburg ist im Jahr 2018 weiter gesunken. Es gibt aber auch eine Kehrseite: Immer mehr Menschen brauchen zwei Jobs zum Überleben.

Ludwigsburg - Auch wenn einige Berliner Spitzenpolitiker zurzeit einen wirtschaftlichen Abschwung prophezeien, Martin Scheel hält dagegen: „Selbst wenn es so käme, hätten wir noch immer ein Wachstum“, sagt der Geschäftsführer der Ludwigsburger Arbeitsagentur. Das sei nur eben etwas abgeschwächt. Im Übrigen dauere es seine Zeit, bis etwaige negative Folgen auf die Beschäftigten durchschlügen. Die Bilanz für 2018 im Kreis Ludwigsburg zeige einen Arbeitsmarkt „in Hochform“. Angesichts einer Arbeitlosenquote von 3 Prozent könne man fast von Vollbeschäftigung sprechen, meint Scheel.

Mehr Geld für Weiterbildung

Mit dieser Quote sei die Arbeitslosigkeit im Kreis so niedrig wie seit Anfang der neunziger Jahre nicht mehr, sagt der Chef der Arbeitsagentur. Im Jahresdurchschnitt seien 9095 Personen ohne Arbeit gewesen, im Schnitt habe ein Arbeitsloser 167 Tage auf einen neuen Job warten müssen. 2017 waren es 177 und 2015 sogar 215 Tage. Bei der Gruppe der Langzeitarbeitslosen habe sich dagegen wenig verändert. Sie müssten in der Regel 500 Tage auf eine Neuanstellung warten. Aber selbst Langzeitarbeitslose haben von der guten Wirtschaftslage profitiert: Hier verzeichnete die Agentur 2018 einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 14,7 Prozent.

Mit dem neuen Jahr könne noch mehr Bewegung in die Betreuung der Jobsuchenden kommen, glaubt Scheel – dank des am 1. Januar in Kraft getretenen Qualifizierungschancengesetzes. Durch diese Neuregelung wird eine stärkere Förderung von Fort- und Weiterbildung möglich. Die Agentur verfügt damit über Werkzeuge, mit denen sie auch auf den Strukturwandel in der Arbeitswelt reagieren kann: „Angesprochen werden Beschäftigte, deren berufliche Tätigkeiten durch neue Technologien ersetzt werden können“, sagt Scheel.

Viele Stellen blieben unbesetzt

Das Jahr, in dem sich der Chef der Arbeitsagentur über „die geringste Zahl an arbeitslosen Menschen“ freuen konnte, war auch das, in dem „die höchste Zahl gemeldeter Arbeitsstellen“ registriert wurde. Die Unternehmen im Kreis konnten 2018 insgesamt 17 026 Stellen nicht besetzen, was einem Zuwachs von 6,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 entspricht. Trotz der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei also die Fachkräftelücke nicht zu schließen, sagt Scheel. Betroffen seien davon neben den Bereichen Produktion und Fertigung sowie Verkehr und Logistik vor allem kaufmännische Dienstleitungen, Gastrobetriebe und Pflegeeinrichtungen.

Die Folgen des teuren Lebens im Kreis

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ist um 2,7 Prozent, die der Teilzeitbeschäftigten um 2,5 Prozent gestiegen. Für Scheel ist das auch ein Beleg für erhöhte Arbeitszeitflexibilität. Auf eine Kehrseite dieser Flexibilität deutet ein auffallend starker Anstieg von Menschen hin, die neben ihrem Haupt- noch einen Nebenjob haben: 21 607 Personen, was einem Anstieg um 5,2 Prozent entspricht. „Über die Gründe können wir nur spekulieren“, sagt Scheel. Sicher habe das damit zu tun, dass das Leben im Kreis teuer sei: „Mancher Job reicht nicht aus für den gewünschten Lebensstandard.“

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