Mit einem einachsigen „Wohnwagen“ hinter seinem Hanomag ist Wilfried Froberg in Gruibingen losgefahren, mit einem zweiachsigen kehrte er zwei Monate später zurück. Foto: privat

Auf seiner Traktortour quer durch Deutschland hat der Gruibinger Wilfried Froberg viel erlebt. Vor allem aber hat er eifrig Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Gruibingen - Seine Geschichte ist ebenso rührend wie spannend: Wilfried Froberg war im Jahr 2008 schwer an Krebs erkrankt, ist aber geheilt worden. Danach hat er ein Versprechen eingelöst und sich damit zugleich einen Traum erfüllt. Mit einem 50 Jahre alten Traktor und einem selbst ausgebauten Wohnanhänger ist der 75-jährige Gruibinger zwei Monate lang durch Deutschland getuckert: von seinem schwäbischen Heimatort bis nach Kiel und wieder zurück.

Die eigentlich gemächliche, manchmal aber unvermittelt aufregende Reise trat er allerdings nicht nur an, um seine Abenteuerlust zu stillen, sondern vor allem, um Spenden für die „Herzenssache“ zu sammeln. Die gemeinsame Kinderhilfsaktion des Südwestrundfunks, des Saarländischen Rundfunks und der Sparda-Bank hatte sich Wilfried Froberg für den guten Zweck ganz bewusst ausgesucht. Während seiner Krebsbehandlung in Ulm hatte er in der Klinik den dreijährigen Manuel kennengelernt, der den Kampf gegen die Krankheit jedoch nur wenig später verlor. Zusammen mit seinem Zimmergenossen Paul beschloss Froberg deshalb damals, „eine solche Sammelfahrt zu unternehmen, wenn wir diese Sache hier überleben“.

Ein Versprechen wird eingelöst

Der Gruibinger, den viele Menschen aus seiner Zeit als Schwimmmeister im Bad Boller Freibad kennen, hatte den Krebs nach fünf Jahren besiegt. Sein Bettnachbar schaffte es nicht. Für Froberg ein Grund mehr, die Spendentour anzutreten „und Paul und Manuel in Gedanken mitzunehmen“. Doch es sollte noch einige Zeit dauern, denn bevor es losgehen konnte, war aber noch viel zu tun. Den alten Hanomag streckentauglich zu machen, war die eine Aufgabe. Mit Unterstützung seines Sohnes Juergen eine rollende Wohnung in einem Bauwagen einzurichten die andere. „Am Anfang bin ich deshalb in Gruibingen belächelt worden, aber das schlug schnell in Anerkennung um“, sagt Frohberg und grinst über das ganze Gesicht.

Im Mai dieses Jahres war es schließlich so weit, nachdem ein hilfsbereiter Nachbar noch flugs ein neues Dach auf den undicht gewordenen Anhänger montiert hatte. Das Gespann war fertig ausgestattet, ebenso zweckmäßig wie gemütlich eingerichtet und mittels großer Plakate als Spendenmobil kenntlich gemacht. Mit an Bord war eine Drehorgel, die sich Froberg vom Kinder- und Spielpark in Westerheim ausgeliehen hatte. Es galt ja, in der gesamten Republik auf den guten Zweck aufmerksam zu machen.

Über Künzelsau ging es ins Fränkische und durch Thüringen hindurch in Richtung Harz. Den Brocken habe er aus Versehen erklommen und sich dabei als Verkehrshindernis erwiesen. „Aber geschimpft hat keiner“, erzählt der Traktorfahrer, der schnell einsehen musste, dass ein Pensum von 80 Kilometern am Tag „ein bisschen zu viel war“. Beinkrämpfe in der Nacht hätten ihm bei diesem Lernprozess geholfen, fügt er hinzu.

Eine Autobahnfahrt und gnädige Polizisten

Übernachtet wurde auf Supermarktparkplätzen, vor Sporthallen und Freibädern oder, wenn eine ausgiebigere Körperpflege oder Wäsche waschen anstand, auch mal auf dem Campingplatz. Spendenstopps legte Froberg immer dort ein, wo sich seine Sammelbüchsen füllen ließen. Und ihm war dabei völlig gleichgültig, warum die Leute ihren Obolus entrichteten. Als ihm ein junger Mann zehn Euro versprach, verbunden mit der Bitte, nur ja mit dem Drehorgeln aufzuhören, handelte er ihn auf 20 Euro hoch – ehe er weiter zog.

Über Magdeburg, seine frühere Heimatstadt Wolfsburg und später an der Elbe entlang ging es in Richtung Norden, bis Froberg schließlich in Kiel ankam. So weit, so glatt. Auf dem Rückweg über Cuxhaven und Osnabrück ins Ruhrgebiet – zuvor hatte er in Nettelstedt „alleine, aber nicht einsam“ noch seinen 75. Geburtstag gefeiert – war das anders. Bei Münster landete Froberg versehentlich auf der Autobahn und wurde prompt von der Polizei angehalten. Doch die Beamten waren ebenso neugierig wie gnädig. Seine Buße: zehn Euro in die eigene Spendenbüchse. „Und die fälligen Punkte haben sie unter den Hanomag fallen lassen“, erklärt er mit breitem Lachen.

Fernsehauftritt und Megaparty

Richtig erwischt hat es ihn dann am Fuße der Eifel. Seine rollende Heimstatt verlor wegen eines kapitalen Lagerschadens eines seiner zwei Räder. Der ADAC konnte ihm zwar nicht helfen, dafür aber zwei Traktorfahrer, die zufällig des Weges kamen und ihn „aufgabelten“. Auf deren Hof wurde Frobergs Gefährt in kürzester Zeit auf einen zweiachsigen Anhänger ummontiert, so dass er noch rechtzeitig zum Oldtimer-Schleppertreffen an der Mosel ankam. Das Saarland, das Elsass und der Schwarzwald mussten noch passiert werden, ehe er Ende Juli nach rund 3000 Kilometern wieder bei seiner Familie landete.

Wirklich beenden wird Wilfried Froberg seine Benefizfahrt aber erst am 28. Oktober und zwar im oberschwäbischen Füramoos, dem Heimatort seines einstigen Zimmerkollegen Paul. Dessen Freunde haben eine Megaparty organisiert, natürlich zu Gunsten der „Herzenssache“. Bis dahin werden auch die weit gereisten Sammelbüchsen verschlossen bleiben, so dass die vor Jahren ausgemachte Spendentour irgendwie doch gemeinsam abgeschlossen werden kann.

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