Der Graf, Sänger und Songwriter von Unheilig Foto: Universal

Andere gehen in den Keller, um mit ihrer Eisenbahn zu spielen, der Graf klettert auf eine Bühne, um Musik zu machen. Im Interview schwärmt er von der neuen Unheilig-Platte „Gipfelstürmer“, von Freddie Mercury und Helene Fischer

- Herr Graf, Sie haben 2013 eine Goldene Kamera gewonnen. Helene Fischer hat die Laudatio gehalten. Fühlten Sie sich ­geschmeichelt?
Ja, das war toll. Ich kenne Helene Fischer schon ein Weilchen. Und auf ihrem Album „Farbenspiel“ stammt ja auch das Lied „Ein kleines Glück“ von mir. Egal ob man Schlager mag oder nicht – Helene Fischer bezaubert einen. Sie hat eine echte Gabe. Und sie hat sich ihren Erfolg hart erarbeitet.
Bei Unheilig wie bei Helene Fischer kommt das Publikum sowohl aus der Schlager- wie aus der Pop-Ecke.
Ja, da bin ich schon ein bisschen stolz drauf. Es gibt keine Grenzen. Obwohl ich schon sagen würde, dass es musikalisch durchaus noch Unterschiede zwischen uns gibt: Helene Fischer ist schon mehr Schlager als Unheilig.
Sie haben mit Helene Fischer gemeinsam „So wie Du warst“ gesungen. Gibt es sonst noch jemand – lebend oder tot –, mit dem Sie gerne mal ein Duett singen würden?
Dann würde ich Freddie Mercury wählen. Leider merkt man immer erst viel zu spät, wenn man etwas verpasst hat. Bei mir ist das Queen: Ich habe leider nie ein Queen-Konzert gesehen.
Zurzeit geben Sie selbst Konzerte. An diesem Samstag geht in Stuttgart Ihre „Alles hat seine Zeit“-Tournee zu Ende. Danach brauchen Sie wahrscheinlich erst einmal eine Pause, oder?
Gar nicht. Zurzeit sind wir Tag und Nacht zwischen den Auftritten im Studio. Es dreht sich in meinem Leben wieder alles um die Musik. Wir arbeiten eifrig an dem neuen Album und sind auch schon fast fertig.
Das klingt aber ganz schön anstrengend.
Von wegen. Schließlich ist das ja mein Hobby. Andere gehen in den Keller, um mit ihrer Eisenbahn zu spielen, ich mache halt Musik. Wenn wir an der Platte arbeiten, stehen wir ja auch nicht am Fließband und müssen an irgendwelchen Schrauben ­drehen, sondern das ist ein bisschen so, als ob man sich mit ein paar alten Kumpels trifft.
Stressig wird es nie?
Klar, manchmal muss man schon die Zähne zusammenbeißen. Vor allem dann, wenn zu viele Leute gleichzeitig etwas von dir haben wollen, wenn du nicht zur Ruhe kommen kannst. Ende 2012 nach der „Lichter der Stadt“-Tour war ich wirklich platt. Als Künstler musst du auch irgendwann lernen, Nein zu sagen, wenn es zu viel wird. Das ist dann kein Herumgezicke, sondern eine Art Selbstschutz.
Was darf man denn von dem Album „Gipfelstürmer“ erwarten, das am 12. Dezember erscheinen soll?
Ich kann schon mal sagen, dass das Album auf jeden Fall mehr Ecken und Kanten hat. Es wird rockiger. Wir haben aber auch erstmals mit einem Live-Streichorchester gearbeitet. Die Lieder sind wie immer biografisch, die ganzen Geschichten des Lebens werden erzählt. Ich habe drei Jahre Zeit gehabt, um mich hinzusetzen und Lieder zu schreiben. Wir haben dadurch viel mehr Zeit gehabt, jedes einzelne Lied zu hinterfragen und es in aller Ruhe textlich und musikalisch auszuarbeiten, Einfälle einzuarbeiten. Ich für mein Gefühl bin felsenfest davon überzeugt, dass das die besten Lieder meines Lebens sind. Wenn ich mir die Lieder anhöre, die ich in den letzten drei Jahren geschrieben habe, denke ich immer wieder: Wow, wie habe ich das bloß hingekriegt?
Beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest hatten Sie in diesem Jahr nur den zweiten Platz belegt. Hätte Deutschland besser abgeschnitten, wenn Unheilig statt Elaiza nach Kopenhagen gereist wären?
Das ist eine gemeine Frage. Nein, das war schon okay so. Elaiza haben damals den Zeitgeist in Deutschland getroffen, aber nicht den europäischen. Das kann man der Band nicht vorwerfen. Sie haben Deutschland gut repräsentiert. Wir hatten ja beim ESC schon Leute, bei denen man gedacht hat: Muss das wirklich sein – so was Abgedrehtes?
Wollen Sie Namen nennen?
Nein, aber ich finde es schon besser, wenn man auf der Bühne als Vorbild fungiert, lieber zurückhaltend ist und die Musik sprechen lässt. Elaiza haben einen guten Job gemacht.
Sie wären aber schon auch gerne selbst nach Kopenhagen gefahren?
Klar. Ich hätte es schon gut gefunden, dort mit einem auf Deutsch gesungenen Lied anzutreten. Das ist so was Grundsätzliches: Wieso singt Deutschland bei einem internationalen europäischen Wettbewerb nicht in seiner eigenen Sprache? Dafür müssen wir uns doch nicht schämen. Das ist doch nichts Falsches. Aber gut: Das Thema ESC ist für mich jedenfalls durch. Ich werde nicht noch einmal antreten. Das habe ich jetzt probiert. Und das Erste, das meine Familie gesagt hat, als ich vom Vorentscheid zurückkam, war: Super, jetzt können wir in den Urlaub fahren!
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