Alle Preisträger beim diesjährigen Kleinkunstwettbewerb (v.l.): Jonas Theisen (silber), Lars Redlich (gold), Mago Masin (bronze), Initiator Christoph Sonntag, Kai Bosch (Inklusion) und Florentine Osche (Förderpreis). Foto: Jürgen Brand

Wenn Politik auf Bühne trifft, wird es richtig lustig – beim Finale des Kleinkunstpreises „Der Goldene Bulle“ lachten am Montagabend etliche Comedy-Fans.

Eine Ministerin in der ersten Reihe – das lässt sich kaum ein Comedian oder Kabarettist entgehen. Und wenn sie dann noch versucht, den Mann auf der Bühne anzuschwindeln, wird es für alle auf den Zuschauerplätzen noch amüsanter. Beim Finale des Kleinkunstpreises „Der Goldene Bulle” hat Theresa Schopper es versucht. Johann Theisen bezeichnet sich selbst als „Comedy Freestyle Rapper” und fragt für seinen Bühnen-Rap zufällig ausgewählte Zuschauer aus. Auf die Frage nach ihrem Vornamen antwortet die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg zunächst: „Annegret”. Die Reaktion ihres Umfelds verrät dem Comedian, dass da etwas nicht stimmt.

 
Ministerin Theresa Schopper auf der Kleinkunstbühn.e Foto: Jürgen Brand

Rap, Humor und Dyson-Witze

Mit leichter Verzögerung realisiert er, das ist ja die Ministerin, die nachher die Preise überreicht. Sie habe also versucht, ihn zu „verar…en”. Von Politikern sei man das ja gewöhnt … Theisen, nicht zu verwechseln mit „Tyson”, wie der Boxer, oder „Dyson”, wie der Staubsauger, hat die Lacher auf seiner Seite und die Ministerin lacht auch gerne mal über sich selbst. Theisen auch, wenn er sagt, er habe nichts mit dem Dyson gemein: „Der sieht gut aus, hält richtig lang durch und meine Frau liebt ihn.”

Kleinkunst nach Corona

Christoph Sonntag hat den Kleinkunstpreis „Der Goldene Bulle” im Nachgang zur Corona-Zeit erfunden, in der „der Kleinkunstszene einfach komplett der Stecker gezogen wurde”. „Die Pandemie ist der Ursprung gewesen”, sagte Theresa Schopper. „Sie hat überall Bremsspuren hinterlassen.” Die versucht der Stuttgarter Kabarettist mit dem Veranstaltungsformat ein bisschen zu verwischen. Die Idee: Bei jeder Veranstaltung treten zwei Kleinkünstlerinnen oder -künstler gegeneinander an, das Publikum entscheidet über den Sieg. Die Zuschauer vergeben dabei Punkte in unterschiedlichen Kategorien. Die ausgefüllten Punktezettel werden dann vom Sonntag-Team ausgewertet. Drei der Künstler schaffen es ins Finale.

Lars Redlich hat in diesem Jahr den goldenen Bullen gewonnen. Foto: Jürgen Brand

Stuttgart als neue Bühne für die Comedy-Szene

Gestartet ist die „Goldene Bulle”-Reihe 2024 in Ulm. In diesem Jahr ist der Wettbewerb erstmals in Stuttgart ausgetragen worden, mit Abendveranstaltungen im SpardaEvent-Center und im Porsche-Zentrum. Das Finale wurde bei VW an der Heilbronner Straße ausgetragen. Was dann natürlich auch eine Steilvorlage für die Künstler auf der Bühne war. Die Berliner Comedienne Florentine Osche, die den Förderpreis bekam, sagte, sie habe sich riesig gefreut, dass das Finale in einem Autohaus stattfinde: „Ich war noch nie so nah dran an einem Neuwagen.” Kai Bosch, Comedien, Speaker, Inklusionsbotschafter und Gewinner des Inklusionspreises, waren die Autos eher egal, weil er mit der BahnCard100 unterwegs ist. Damit könne man in Deutschland jeden Zug nehmen – außer den Aufzug. Die seien gerade auch in Stuttgart regelmäßig kaputt. Seine Botschaft: Über Inklusion und Teilhabe müsse mehr gesprochen werden, „nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit erhobenen Mundwinkeln.” Und dann würde vielleicht auch mal der Aufzug repariert.

Die „Golden Legends” mit Berti Kiolbassa am Piano. Foto: Jürgen Brand

Die Gewinner und Highlights

Den goldenen Bullen hat die Ministerin im gut besetzten Autohaus dem Musicaldarsteller, Schauspieler und Komiker mit eigener Musik-Comedy-Show Lars Redlich überreicht. Der silberne Bulle ging an Jonas Theisen, der bronzene an Mago Masin, seines Zeichens „Comedian, Liedermacher, Autor und Minigolfprofi”. Für Musik sorgte Berti Kiolbassa mit der Band „Golden Legends”, für Pausensnacks Benedikt Geßler vom Sternerestaurant Krone Schlier. Überhaupt kommt die ganze Veranstaltungsreihe laut Christoph Sonntag ohne öffentliche Fördermittel aus, sondern wird durch eine ganze Reihe von Unterstützern und Sponsoren ermöglicht. Also in Zeiten klammer öffentlicher Kassen und gerade auch in Stuttgart drohenden einschneidenden Kürzungen im Kulturbereich sogar ein Modell mit Zukunft: Die monatlichen „Bullen”-Termine für 2026 stehen bereits fest, Start ist von Januar bis Mai wieder im Stuttgarter SpardaWelt-Eventcenter.