Seit Jahrzehnten dient das Haus Linde in der Mittleren Karlstraße in Göppingen als kurzfristige Aufnahmestelle für obdachlose Menschen. Nun soll das marode Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: /Horst Rudel

Das alte Haus Linde für Obdachlose ist so marode, dass es abgerissen werden muss. Der Trägerverein zieht nun um und beklagt die Wohnungsnot in Göppingen.

Göppingen - Nagelneue Wohnungen für die kurzfristige Unterbringung kann der Verein Haus Linde demnächst Menschen anbieten, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Anfang Dezember verlassen die Bewohner die bisherigen Räume im alten Haus Linde in der Mittleren Karlstraße und ziehen um in das neue Gebäude, das als so genanntes Auffanghaus dient, in die Göppinger Brückenstraße. Dort hat sich der Verein in ein Gebäude eingemietet, das die kommunale Wohnbau Gesellschaft Göppingen errichtet hat.

Das alte Haus Linde soll einem Neubau weichen

„Das alte Haus Linde ist in einem miserablen Zustand, deshalb soll es abgerissen werden“, erklärt der Dekan Rolf Ulmer, der den Verein Linde leitet. Auf dem Grundstück möchte der Verein für rund 2,5 Millionen Euro günstige Ein- und Zweizimmerwohnungen errichten und sie unter der Wohngeldobergrenze von derzeit 430 Euro kalt an Menschen vermieten, die sich die Mieten auf dem freien Markt nicht leisten können.

In der alten Linde leben bisher bis zu 14 alleinstehende und von Obdachlosigkeit bedrohte Männer in Doppel- und Einzelzimmern. Es fehle an Privatsphäre, auch die sanitären Anlagen ließen sehr zu Wünschen übrig. Bis jetzt teilten sich dort jeweils sieben Bewohner eine Toilette und eine Dusche. Auch beim Brandschutz habe man nachbessern müssen und vorübergehend einen zweiten Fluchtweg mit Hilfe einer Gerüsttreppe eingerichtet.

All diese Bedingungen seien im Fall des neuen Gebäudes in der Brückenstraße völlig anders. „Wir sprechen hier von einem echten Glücksfall. Dieses Haus bietet ganz andere Konditionen“, erklärt Ulmer, der die Besucher gemeinsam mit Wolfgang Baumung, dem Leiter vom Haus Linde, und dem Haustechniker Andreas Grupp durch die neuen Räume führt.

In einem Flügel bringt die Kommune Obdachlose unter, im anderen der Verein

Ein offenes Treppenhaus erschließt die Wohnungen in zwei benachbarten Gebäuden über Laubengänge. Während das rechte Gebäude vom Verein Haus Linde gemietet wurde, nutzt die Stadt Göppingen den linken Flügel als städtische Obdachlosenunterkunft.

Schon beim Eintreten erschließt sich der helle und freundliche Charakter der Unterkunft in modularer Holzbauweise. Jeweils fünf elf Quadratmeter große Einzelzimmer gruppieren sich um eine Wohnküche und zwei kleine Duschbäder. Jeder Bewohner erhalte eine hauswirtschaftliche Grundausstattung sowie einen eigenen Kühlschrank im Zimmer, um Konflikte rund um das Saubermachen und die Lebensmittel zu vermeiden. Eine einfache Möblierung soll noch über Spenden finanziert werden. Und anders als im städtischen Pendant gegenüber würden die Bewohner der neuen Linde hier in allen sozialen und hauswirtschaftlichen Belangen von Fachkräften des Vereins betreut, der in dem Gebäude auch seine Büroräume untergebracht hat.

Die Wohnungsnot verlängert den Aufenthalt

„Besser als das Leben auf der Straße, aber nicht so gut wie das Leben in einer eigenen Wohnung“, so beschreibt Baumung die Maxime, die der Verein Haus Linde für die Unterkunft formuliert hat. Allerdings könne man nicht mehr vom Charakter des Vorübergehenden in dieser auf kurze Verweildauer ausgerichteten Unterkunft sprechen, denn angesichts der Wohnungsnot verlängere sich der Aufenthalt vieler Bewohner über die eigentlich anvisierten drei bis sechs Monate hinaus. Das gelte insbesondere für die Senioren unter der Obdachlosen. Fünf von ihnen werden aus dem alten Haus Linde in die barrierefreie Erdgeschosswohnung in der Brückenstraße umziehen. Dort stehen außerdem zwei weitere Fünfer-Wohngemeinschaften für Männer und eine Vierergruppe für Frauen zur Verfügung.

Ulmer ist vor allem dem Sozialdezernenten im Kreis Göppingen, Rudolf Dangelmayr sehr dankbar, denn dieser habe zwischen dem Verein Haus Linde und der Wohnbau Göppingen vermittelt, was nun zu dem Mietverhältnis geführt habe.

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