Mittlerweile kommen, nicht nur zum alljährlichen Berggottesdienst (Bild), immer mehr Besucher auf den Hohenstaufen. Foto: privat/Archiv

Die Besucherzahlen auf dem Göppinger Hausberg steigen. Von den Anwohnern sind allerdings nicht alle begeistert, dass der Hohenstaufen immer mehr Gäste anlockt.

Göppingen - An diesem Sonntag werden wieder zahlreiche Familien das Gipfelplateau des Hohenstaufen bevölkern. Das sogenannte Bergglimmen, bei passender Musik und Wintergeschichten am Lagerfeuer, beginnt um 16.30 Uhr mit einem Laternenumzug, der bei den beiden Kirchen am Ende der Kaiserbergsteige startet. Abermals werden viele jüngere und ältere Besucher erwartet, die auch die ersten Leckereien aus einem neu erbauten Holzbackofen genießen können. Offiziell eingeweiht wird dieser dann am Montag.

Auf dem Göppinger Hausberg ist immer mehr los, was die Verantwortlichen bei der Stadt ebenso erfreut wie die Macher des Vereins Berg Hohenstaufen und die Betreiber der Gipfel-Gaststätte Himmel & Erde. Bei etlichen Bewohnern des Stadtbezirks sieht das anders aus. Zugestellte Garageneinfahrten, blockierte Haustüren, Parkplatzsuchverkehr und von fremden Autos belegte private Flächen seien vor allem an den Wochenenden keine Seltenheit, wie mehrere Anlieger berichten. Bei der Stadtverwaltung, im Bezirksbeirat und auch im Gemeinderat sind diese Probleme zwar längst bekannt, harren aber nach wie vor einer Lösung.

Das Navi führt bis vor die Schranke

Im Bergweg ist die Lage noch aus einem anderen Grund angespannt. Von dort führt einer der Fußwege vom Ort auf den Gipfel. Wer den Routenplaner nutzt, den lenkt das Navi bis direkt vor eine Schranke, die auch dem letzten Autofahrer, der zuvor allerdings sämtliche Hinweis- und Verbotsschilder missachtet haben dürfte, klar macht, dass es von hieraus nur noch zu Fuß weitergeht. Öffentliche Stellplätze gibt es dort ebenfalls nicht.

Die Familie Kohnke, die im Bergweg wohnt, hat neben den Touristen aber auch den Gaststättenpächter Andreas Schweickert von der Firma Saltico ins Visier genommen. Dieser muss den besagten Weg auch jenseits der Schranke befahren, um Lebensmittel und alles andere, was im Himmel & Erde sonst noch gebraucht wird, hin und her zu schaffen. Die Zusage, sich dabei auf das Nötigste zu beschränken, nennt Michaela Kohnke „eine Lüge“. Da würden neben dem Personal auch Gäste transportiert. „Und immer wieder fahren fremde Autos hoch, weil die Schranke stundenlang offen steht“, schimpft sie.

Michael Kohnke: Man geht nicht auf unsere Beschwerden ein

Ihren Ehemann Michael stört nicht mal so sehr der Lärm durch die Fahrzeuge, sondern vor allem der Staub, der von dem geschotterten Weg direkt in den Garten, auf die Terrasse und gegen die Hausfenster geweht werde. „Und was das Schlimmste ist: Man geht nicht auf unsere Beschwerden ein. Obwohl wir schon mehrfach im Bezirksamt waren, ändert sich nichts“, sagt er. Seine Frau äußert gar den Verdacht, „dass da mittlerweile Hinz und Kunz eine Genehmigung zum Hochfahren hat, dass massenhaft Schrankenschlüssel im Umlauf sind und dass Kontrollen durch das Ordnungsamt gar nicht gewünscht sind“.

Die ersten beiden Vorwürfe weist Martin Geisel, der Chef des Kreisforstamtes, zurück: „Von den Leuten einmal abgesehen, die kraft Amtes eine Genehmigung und einen Schlüssel brauchen, ist das nicht mal eine Handvoll – Herrn Schweickert bereits eingeschlossen.“ Und was die Kontrollen angeht, so fänden diese, wie eben in jedem anderen Stadtbezirk auch, in Hohenstaufen statt, heißt es aus dem Göppinger Rathaus.

Andreas Schweickert: Wir versuchen, Fahrten zu vermeiden, wo es geht

Andreas Schweickert wiederum räumt unumwunden ein, dass die Materialfahrten zur Gaststätte zugenommen haben: „Das Himmel & Erde wird immer besser angenommen, was uns natürlich freut.“ Die Anschuldigung der Familie Kohnke, er oder seine Beschäftigten würde unnötigerweise oder gar absichtlich rauf- und runterfahren, weist er indes kategorisch zurück. „Wir versuchen, Fahrten zu vermeiden, wo es geht. So fahren wir etwa an Sonntagen gar nicht mehr, weil der aufgewirbelte Staub ja auch die Besucher stört.“ Er selbst gehe, wenn nichts transportiert werden müsse, von der Kirche aus ebenfalls zu Fuß hoch, betont der Pächter.

„Zu zwei Arten von Transportfahrten stehe ich jedoch zu hundert Prozent“, fügt Schweickert hinzu. So wolle und werde er auf den Bergkurier, bei dem an 15 Freitagen im Sommer ältere und gehbehinderte Menschen auf den Hohenstaufen gebracht würden, keinesfalls verzichten. „Und wenn bei Feiern, die wir da oben ausrichten, Gäste kommen, die schlecht zu Fuß sind, holen wir diese ebenfalls unten ab.“

Stadt prüft Maßnahmen, um die Situation zu verbessern

Trotzdem drängt Andreas Schweickert darauf, die bestehenden Konflikte so schnell wie möglich zu lösen. „Der Berg lebt jetzt, deshalb ist uns das ein Anliegen, nicht zuletzt im eigenen Interesse.“ So sei die Zufahrtsbeschreibung auf der Vereins-Homepage bereits verändert worden. Google Maps sei aber außerhalb seines Zugriffs, ergänzt der Pächter.

Dennoch sei man in Absprache mit der Verwaltung und dem Bezirksbeirat an Lösungen dran, auch was den Schotterbelag angehe. Die Stadt bestätigt Schweickerts Aussage: „Wir prüfen in Absprache mit dem Bezirksbeirat und den Anwohnern, über welche Maßnahmen die Situation verbessert werden kann.“ Darüber hinaus soll die verkehrliche Situation in Hohenstaufen in Hinblick auf den Tourismus insgesamt geprüft werden.

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