Vor zwölf Jahren verschwand die vierjährige Madeleine McCann aus einer Ferienanlage in Portugal. Auf dem Foto sieht man die Eltern Kate und Gerry McCann mit einem Fahndungsfoto, auf dem das Mädchen älter gemacht wurde und sie im Alter von neun Jahren zeigt. Foto: dpa

Seit zwölf Jahren wird Madeleine McCann vermisst. Das damals vierjährige Mädchen verschwand 2007 aus einem Hotel in Portugal. Um den Fall ranken sich bis heute wilde Spekulationen. „Maddie“ wäre inzwischen 16 Jahre alt. Ihre Eltern haben den Geburtstag ihrer Tochter trotzdem gefeiert.

London - „Alles Liebe zum Geburtstag, Madeleine“, heißt es auf der offiziellen „Find Madeleine“-Facebook-Seite. „Wir lieben dich und wir warten auf dich und wir werden dich niemals aufgeben“, schreiben die Eltern, Kate und Glenn McCann. Laut der Internetausgabe der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ hat Maddies Mutter Kate ihrer Tochter zum Geburtstag Geschenke gekauft und diese ihr ins Kinderzimmer gelegt. Der Raum sei seit dem Verschwinden des Mädchens unberührt. Die Familie plant angeblich eine Geburtstagsfeier. Ein Freund der Familie wird im Artikel von „The Sun“ zitiert: „Es wird gebetet und viel an Maddie gedacht werden, aber es wird auch Kuchen und Geschenke geben.“

Laut „The Sun“ sucht die britische Polizei immer noch nach dem Mädchen. Hinweise gab es in all den Jahren viele, konkret wurden sie nie. Bis März nächsten Jahres soll die Untersuchung vorerst weitergehen. Es wird davon ausgegangen, dass Maddie entweder von Kinderhändlern entführt oder Opfer eines verunglückten Einbruchsversuch wurde. Der Streamingdienst Netflix hat im März eine umstrittene Dokureihe zum Fall Madeleine McCann veröffentlicht.

Verbindungen nach Deutschland?

Am 3. Mai jährte sich das Verschwinden des Mädchens zum 12. Mal. Erst vor wenigen Tagen wurde in britischen Medien ein neuer Verdacht geäußert. Die Zeitung „The Sun“ nannte den leitenden Ermittler im Fall Maddie, Goncalo Amaral, der angeblich geäußert haben soll, dass man derzeit Verbindungen zu einem Kindermörder aus Deutschland prüfe. Es soll sich um den als „Maskenmann“ bekannt gewordenen Täter handeln, der aktuell für drei Kindermorde in Haft sitzt. Noch handelt es sich lediglich um eine Vermutung, womöglich um ein gezielt gestreutes Gerücht. Die portugiesische Zeitung „Correio da Manha“ hat angeblich einen anderen Verdächtigen ins Spiel gebracht.

Beweise für die Theorien gab es nie

Um den Fall ranken sich seit Jahren wilde Spekulationen bis hin dazu, dass die Eltern selbst für das Verschwinden des Mädchens verantwortlich gemacht werden. Madeleine sei an einer Überdosis Schlafmitteln gestorben, ein Unfall, lautet eine Version. Die Eltern würden sich gegenseitig decken, um nicht das Sorgerecht für ihre Zwillinge verlieren. Doch Beweise für die Theorien gab es nie. Die Tatsache, dass die Eltern eine ungewöhnliche Medienkampagne in die Wege leiteten, um die Suche nach ihrer Tochter voran zu treiben, ließ viele Beobachter skeptisch werden. Zu professionell, zu gefasst würden die Eltern wirken.

Kriminalpsychologe äußerte sich skeptisch

So äußerte sich der Kriminalpsychologe Christian Lüdke einige Monate nach dem Verschwinden zum Verhalten der Eltern, Kate und Gerry McCann. Dies habe ihn „stutzig“ gemacht, da es so gar nicht dem Verhalten von Eltern in ähnlichen Situationen entspreche. Auch zehn Jahre nach dem Verschwinden bekräftigte Lüdke seine Aussage erneut. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung vor zwei Jahren sagte er: Für mich ist das Verhalten der McCanns nach wie vor außerordentlich ungewöhnlich und atypisch. In meiner Arbeit habe ich es kein einziges Mal erlebt, dass Eltern, deren Kind verschwunden ist, sich so benehmen wie die McCanns: Sie wirkten extrem kontrolliert und gefasst, haben nichts an sich herangelassen.“

Kate McCann mag angeblich keine Kameras

Die Unterstützer der McCanns halten das für böswillige Unterstellungen. Madeleine Mutter, Kate McCann, sagte im Zuge ihrer Medienkampagne: „Ich mag eigentlich keine Kameras. Ich fühle immer eine Beklemmung, wenn ich in der Öffentlichkeit auftreten muss. Aber ich tue es jetzt für meine Tochter. Die Schuld, in jenem Moment des 3. Mai nicht bei Madeleine gewesen zu sein, wird uns unser ganzes Leben begleiten.“

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