Gegen Schalke setzt der VfB mit Trainer Hannes Wolf auf seine Heimstärke. Foto: Getty

Nach sechs Niederlagen aus den vergangenen sieben Pflichtspielen steht der Aufsteiger VfB Stuttgart vor der Partie am Samstag zu Hause gegen den FC Schalke 04 unter Zugzwang.

Stuttgart - Am 20. Spieltag ist noch selten eine Saison entschieden worden. Und: Egal, was an diesem Samstag ab 15.30 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena passiert – auf einen Abstiegsplatz kann der VfB Stuttgart selbst bei einer Niederlage nicht rutschen. Die vier Punkte Vorsprung auf die Zone, die das Scheitern vorsehen, sind aber auch keine beruhigende Sache, die Tendenz der vergangenen Wochen ist zudem kein Quell der Hoffnung. Wenn also am Samstag der FC Schalke 04 zu Gast ist, steht viel auf dem Spiel.

Wie Mario Gomez und Daniel Ginczek dem Spiel entgegen blicken, sehen Sie im Video:

Für den Trainer

Das Fanlager ist dieser Tage durchaus gespalten in der Meinung über Hannes Wolf. Die einen vermissen beim Aufstiegstrainer Mut, Offensivgeist und einen wiedererkennbaren Spielplan. Die anderen meinen, der VfB könne nun ja Vieles machen – der junge Coach aber müsse unantastbar bleiben. Sechs Niederlagen in den vergangenen sieben Pflichtspielen liefern kaum Argumente für die Befürworter – zu denen dennoch nach Informationen unserer Zeitung nach wie vor die Clubführung gehört. Zwar kratzte Michael Reschke mit zweideutigen Aussagen zur künftigen taktischen Ausrichtung an der Autorität und der Souveränität des früheren Dortmunders. Seitdem unternimmt der Sportvorstand, der rund ein Jahr nach Wolf nach Stuttgart kam, aber angestrengte Versuche, seine Statements ins richtige Licht zu rücken.

Im Video sehen Sie die Aussagen von Trainer Hannes Wolf vor dem Spiel gegen Schalke 04: „Es ist sonnenklar, dass Hannes und sein Trainerteam in Sachen Aufstellung und Taktik alle Entscheidungen treffen“, sagt Reschke. Klar scheint derzeit: Hannes Wolf ist für den VfB kein Normalo-Coach, den man selbst nach einem stabilen Tief mit ein paar netten Worten und einer schicken Abfindung vom Hof jagt. Der VfB will die plumpen Gesetze der Branche nicht schon wieder zur Anwendung bringen und einen Weg verlassen, den der Club nach dem Abstieg eingeschlagen hat. Sicher ist aber auch: eine unbefristete Job-Garantie bedeutet das nicht. Entsprechend gut würde also auch dem Coach ein Erfolg gegen Schalke tun.

Wolf selbst bleibt sich auch in der aktuellen Krise treu – und sagt erstaunlich gelassen: „Wenn wir ein Spiel machen wie das in Mainz, müssen wir uns nicht wundern, dass danach die Wellen hochschlagen“, erklärt der VfB-Cheftrainer: „Natürlich schärft so ein Spiel die Sinne.“

Für das Verhältnis zu den Fans

Die Unterstützung der Anhänger in der Zweitligasaison war außergewöhnlich. Und auch nach dem Aufstieg kann sich keiner über mangelnden Support beschweren. Die Fans verzeihen spielerische Mängel, sie sehen über Niederlagen hinweg – was sie aber nur ganz schwer ertragen können: Wenn die Mannschaft nicht alles gibt. Beim 2:3 beim FSV Mainz 05 gab es berechtigte Zweifel an der Einstellung des Teams zu einem Spiel unter widrigen Bedingungen. „Der Unterschied lag in der Haltung zu diesem Spiel“, klagte Wolf nach der Partie. Kein Wunder, dass er für den kommenden Auftritt fordert: „Wir müssen einen Riesenfight abliefern.“

Noch eine Partie unterhalb der Belastungsgrenze könnten die Fans wohl nur schwer akzeptieren. Gerade in den Heimspielen sind sie von ihrem Team gewohnt, dass es alles für einen möglichen Erfolg tut. Reschke sagt: „Es geht zu allererst darum, wieder die richtige Mentalität zu beweisen.“

Für die Ausgangslage

„Auch die Mannschaft war nach dem Mainz-Spiel angefasst, keine Frage. Aber wir haben kein grundsätzliches Mentalitätsproblem“, sagt Hannes Wolf. Doch die jüngste Niederlage schmerzte in doppelter Hinsicht: Zum einen hat der VfB wieder nicht auswärts dreifach punkten können. Das Konto in der Fremde steht nach wie vor bei einem Zähler – was besonderen Druck auf die Heimspiele legt. Auch gegen die Topteams ist der Aufsteiger zum Punkten verdammt, der FC Schalke kommt als Dritter der Bundesligatabelle nach Stuttgart, kam allerdings schwer in die Rückrunde. Dem 1:3 in Leipzig folgte ein 1:1 gegen Hannover 96.

Noch ärgerlicher als die Tatsache, den Auswärtsfluch nicht überwunden zu haben, machte die Niederlage in Mainz aber der Tabellenplatz des Gastgebers. Der FSV rangierte vor der Partie drei Punkte hinter dem VfB. „Es wäre eine große Chance dagewesen“, sagte Wolf, „bitter, dass wir sie nicht genutzt haben. Es war aber von Anfang an das Ziel, nicht abzusteigen – und derzeit stehen wir über dem Strich.“

Doch sein Team verpasste es in Mainz, sich im Duell mit einem Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg von den hinteren Plätzen abzusetzen. In der Vorrunde hatten es die Stuttgarter bereits in Hamburg, Hannover und Bremen verpasst, Gegner auf Augenhöhe zu besiegen. Eine bessere Ausgangslage zum Start der Rückrunde hat das Team teils leichtfertig verspielt.

Der vergangene Spieltag hat gezeigt, das keiner im Tabellenkeller freiwillig die weiße Fahne hisst. Um im Rennen um den Klassenverbleib nicht weiter an Boden zu verlieren, wäre ein weiterer Heimsieg (es wäre der siebte der Saison) mehr als willkommen. Denn im Hinterkopf hat fast jeder, der sich mit dem VfB beschäftigt: Am Ende der Saison warten drei richtig schwere Spiele (Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim, FC Bayern). Zudem könnte der VfB mit einem Sieg wieder neuen Mut für das kommende Auswärtsspiel schöpfen. Am 3. Februar geht es wieder gegen einen Tabellennachbarn. Und in die Fremde, zum VfL Wolfsburg.

VfB Stuttgart - Bundesliga

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