Wer als Superheld diesen Anblick über sich hat, ist in Schwierigkeiten: Dieses Quintett mag keine Supis. Foto: Dynamite Entertainment

Auf Amazon ist die knallharte Anti-Superhelden-Serie „The Boys“ gestartet. Den zugrunde liegenden Comic von Garth Ennis hätte es beinahe früh aus der Kurve getragen.

Stuttgart - Als Verkäufer im Tabakladen ein T-Shirt mit dem Horrorfoto einer Krebslunge zu tragen, ist nicht unbedingt empfehlenswert. So ähnlich hat sich der 1970 in Irland geborene Autor Garth Ennis in die Nesseln gesetzt, als er seinen Comic „The Boys“ startete. In dem sind Superhelden geld- und publicitygeile, enthemmte, auf Normalmenschen zynisch herabschauende Dreckskerle. Und eine Truppe Psychopathen versucht als Todesschwadron im Dienst der CIA, die Superhelden im Zaum zu halten. „The Boys“ erschien bei Wildside, einem Unterverlag von DC – einer der großen Superheldenfabriken des US Comic-Marktes.

Wilde Querschläger

Dieser Markt schrumpft seit Jahrzehnten, die alten Rezepte zünden nicht mehr. Und wer kostümierte Kraftwastl immer noch mag, dem genügen heute oft TV-Serien und Kinofilme, der greift nicht mehr zum Heft. Also heuert man wilde Querschläger wie den für seine rüde Fantasien bekannten Ennis, um neue Leserschichten zu erreichen und abgewanderte, reifer gewordene Fans zurückzugewinnen. Nur war dem DC-Management, das weltweite Marken wie Superman und Batman zu hüten hat, das radikal böse Bild von Welt und Superhelden in „The Boys“ dann doch viel zu keck. Nach sechs Einzelheften war 2007 Schluss. Nicht einmal den üblichen Sammelband wollte man dem gar nicht firmenlinientreuen Comic spendieren.

Früher wären Ennis’ Erfindungen per Knebelvertrag an DC gebunden gewesen und für lange Zeit im Giftschrank verschwunden. Aber diese Zeiten sind vorbei, und so konnte Ennis mit „The Boys“ zum Verlag Dynamite Entertainment wechseln und seine Anti-Superheldengeschichte in insgesamt 72 Heften ausbreiten, deren Giftigkeit und Brutalität eher zunahm. Lange nagte Hollywood an dem herben Stoff herum, aber das Projekt schaffte es nie bis auf die Leinwand. So kamen schließlich die Amazon Studios - getreu dem Klischee, Streaming wage das, wozu Hollywood der Mumm fehle – zu „The Boys“.

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