Der Comedian Shahak Shapira ist aus Israel nach Deutschland gekommen – und legt sich hierzulande auch mit Rechtsradikalen an. Foto: Veranstalter

Sachsen-Anhalt muss man aushalten. Der gebürtige Israeli Shahak Shapira kann’s. Im Wizemann hat der Comedian von Rechtsradikalen und Internet-Pöblern erzählt. Eine richtig gute Show war das trotzdem noch nicht.

Stuttgart - Dem Satz „Ich kam vor 15 Jahren von Tel Aviv nach Sachsen-Anhalt“ folgt tiefes Gelächter. Der Osten hat derzeit keinen guten Ruf. Kurz darauf zeigt der Sprecher mittels Beamer seine Fotosammlung von missglückten Hakenkreuzschmierereien. Nazis sind offenkundig nicht einmal im Stande, ihre eigenen Symbole an die Wand zu sprühen: Mitunter kommen diese Möchtegern-Swastiken so armselig daher wie die Gesinnung, die sie repräsentieren.

Shahak Shapira heißt der gebürtige Israeli und nun Deutsche, der am Mittwoch auf der Bühne im Wizemann aus seinem Leben erzählte. Der Titel seines Programms: „German Humour“. Dabei geht es nicht immer um die Begegnungen mit Rechtsradikalen, die vor einem Planetarium stehen und sich beschweren: „Schon wieder ‘ne Moschee!“ Auch von seiner charakterstarken Mutter erzählt der 29-Jährige, die während der Schwangerschaft zum Skifahren, Klettern und Bergsteigen gegangen sei. Womöglich rührt daher die Ausdauer des Sohnes, mit der er sich im Internet regelmäßig mit Rappern, Rechten und sonstigen Geistesgrößen anlegt. Die zugehörigen Chatverläufe präsentiert er auch: Hip-Hop-Fans drohen ihm Prügel an und schicken später zum Beleg intellektueller Überlegenheit Fotos ihres Abiturzeugnisses.

Autobahnen und Suppenküchen

Shapira ist ein kreativer, renitenter Typ, der die Dynamiken sozialer Netzwerke verstanden und dort mit vielen provokanten, aber künstlerisch mitunter durchaus wertvollen Aktionen Ruhm erlangt hat. Die Bühne hingegen ist für ihn noch immer Neuland. So richtig in Schwung kommt seine Show aus etwas schleppend vorgetragenen Penis-, KZ- und Religionswitzen leider nie. Besonders offensiv greift der Atheist etwa die katholische Kirche an, welche ja meist mit dem Argument verteidigt wird, sie tue jenseits von Missbrauchsskandalen und Geldhortung auch Gutes: „Das hat Hitler auch! Autobahnen und Suppenküchen - so kriegen sie dich!“ Ekel, Tabubruch und Brüskierung machen eben noch keinen guten Scherz. Doch Hoffnung bleibt: Wer sich in Sachsen-Anhalt zurechtfinden kann, der wird sich womöglich auch auf den Brettern bald etwas heimischer fühlen.

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