African Angels Foto: promo

Schon sehr früh lernen Kinder in Südafrika das Singen und gehen in Kirchen- oder Gemeindechöre. Solch begeisterte Sängertalente sind in dem Chor African Angels vereint, den José Dias leitet.

Stuttgart – - Herr Dias, Sie arbeiten nahezu auf der ganzen Welt. Worin liegt der Unterschied in ­Tonalität und Klang bei den African Angels im Vergleich zu einem europäischen Chor?
Verallgemeinerungen sind zwar gefährlich, dennoch denke ich, dass man sagen kann: Südafrikanische Stimmen haben eine Farbe, die von Natur aus stärker und dunkler ist als die meisten europäischen Stimmen, auch wenn europäische Chöre heutzutage international und sehr vielfältig besetzt sind.
Woher rührt die Begeisterung für das Singen?
Kinder in Südafrika lernen in einem sehr jungen Alter zu singen. Sie besuchen häufig Kirchen- und Gemeindechöre mit ihren Eltern oder Großeltern und beginnen dort mit einer Art des Singens, die sehr ähnlich dem Singen in der Oper ist. So gibt es einen starken Bezug zum Akt des Singens, der sehr instinktiv und hochemotional im Ausdruck ist. Südafrikaner sind echte Superfans der Oper. Sie sind mit allen großen Sängern und Sängerinnen der Vergangenheit und Gegenwart verbunden.
Gibt es Unterschiede zu Europa?
Im speziellen Fall der African Angels Production, glaube ich, wäre es ziemlich schwer, wenn nicht gar unmöglich, einen europäischen Chor zu finden, der bereit und fähig wäre, in so viel unterschiedlichen Arten zu singen und zwischen den Singstilen zu wechseln. Die meisten Sänger würden davor zurückschrecken, Nacht für Nacht über zwei Stunden zu singen bis zu einem Punkt der völligen körperlichen Erschöpfung und dabei niemals stimmlich müde zu werden. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass nur 18 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne stehen, die aber fähig sind, den vollen Klang eines großen Chores zu bieten.
In einem Gespräch sagten Sie, die Sängerinnen und Sänger der African Angels hätten eine unglaubliche Kraft, und es sei eine Herausforderung, deren solistische Ambitionen zu einem homogenen Chorklang zu fügen. Wie schaffen Sie das?
Die Sängerinnen und Sänger haben eine gewaltige Erfahrung im Chorgesang und sind selbstverständlich in der Lage, ohne meine Hilfe einen einheitlichen Klang und musikalischen Ausdruck zu schaffen.
Chorgesang als Show – das verlangt eine besondere Interaktion mit dem Publikum, oder?
Meine Aufgabe ist es, diese wunderbaren Sängerinnen und Sänger, die immer 200 Prozent geben, zu führen und ihnen zu helfen, ihre Kraft einzuteilen. Alle haben ein großes Vergnügen an ihren eigenen Stimmen. Wir versuchen dieses Vergnügen unserem Publikum nahezubringen. Daran arbeiten wir hart. Wir sind zwar auf jeder Position solistisch besetzt, aber trotzdem tanzt niemand aus der Reihe. Die Freude und der höchste Respekt für den Chorgesang bleiben das Herzstück dieser Show.
Mit Ihrem aktuellen Programm haben Sie mit den African Angels Zuhörer in vielen internationalen Konzertsälen begeistert. Wird es in absehbarer Zeit ein neues Programm geben? Wenn ja, an welche musikalische Literatur denken Sie?
Tatsächlich haben wir Pläne für eine weitere Show in der nahen Zukunft. So wie die ­Produktion African Angels eine echte Teamleistung war und Bühne und Musikrichtung, Beleuchtung und Kostüme gemeinsam von vielen kreativen Menschen konzipiert wurden, wird auch das wieder eine konzertierte Anstrengung zwischen dem Cape-Town-Opern-Team und seinen internationalen Partnern.
Mit welchem Ziel?
Ohne zu viel vorwegzunehmen, kann ich ­sagen, dass wir die große musikalische ­Vielfalt unseres Landes weiterhin zeigen wollen und die künstlerische Entwicklung unseres Kontinents abbilden möchten.Wir wollen damit wahrgenommen werden als Vertreter und Fackelträger für die Kultur von Afrika.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: