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Padre Gabriele Amorth gilt als Chefexorzist der Katholischen Kirche. Ein Gespräch.

Rom - Padre Gabriele Amorth, 86, gilt als Chefexorzist der Katholischen Kirche. Seine Autobiografie "Memorie di un esercista" sorgte für Aufsehen. Wir trafen ihn im Haus des Paulinerordens in Rom, wo Padre Amorth seit Jahren lebt.

Padre Amorth, Sie beklagen, dass sich die Kirche zu wenig um den Teufel kümmere.

Die Kirche hat eine lange Zeit der Krise in Sachen Teufel durchlaufen. In der Frühzeit der Kirche durfte jeder Christ einen Exorzismus durchführen. Dabei bezog man sich auf Markus 16,17. Wer an mich glaubt, heißt es dort, treibe den Teufel aus. Im vierten Jahrhundert führte die Kirche offiziell die Figur des Exorzisten ein. Im Mittelalter dann übertrieb man es. Die Kirche sah den Teufel überall, und es kam zu den unschönen Hexenverbrennungen und Folterungen. Seit einigen Jahrhunderten ignoriert die Kirche den Teufel. Nur so kann er sich hervorragend ausbreiten. Der Teufel fühlt sich dort sauwohl, wo man nicht mehr an ihn glaubt und wo er die Menschen ungestört steuern kann.

Auch im Vatikan glaubt man immer weniger an die Präsenz Belzebubs?

Auch im Vatikan! Wir hatten fast drei Jahrhunderte ohne Exorzisten! Das Problem ist, dass man in der Kirche nur noch selten über den Teufel spricht. Das liegt vor allem daran, dass die meisten jüngeren Geistlichen überhaupt nichts wissen vom Belzebub.

Sie kritisieren die Priesterausbildung?

Genau! Früher unterrichtete man auch jenen Teil der Theologie, der dieses Thema behandelt. Man lehrte die Geschichte der Engel, die vom rechten Weg abkamen und zu Handlagern des Bösen wurden. Man sprach von Exorzisten, von Besessenen. Jetzt geschieht gar nichts mehr. Es gibt immer mehr Geistliche, die nichts vom Teufel wissen, die noch nicht einmal an seine Präsenz glauben.

Welche Verantwortung haben die Bischöfe?

Sie weihen die jungen Priester und sollten stärker darauf achten, dass in der Priesterausbildung auch das Wirken des Teufels thematisiert wird. Die meisten Bischöfe meiner Kirche, vor allem in Europa, haben keine Ahnung vom Teufel und von Exorzismen!

Hat sich mit Benedikt XVI. etwas verändert?

Ich antworte Ihnen mit den Worten des Teufels. Mit Worten, die er mir während verschiedener Exorzismen entgegenschleuderte. "Johannes Paul II. fügte uns großen Schaden zu!" Wenn wir Exorzisten seinen Namen benutzten, schreit der Teufel laut auf. "Aber der deutsche Papst ist viel schlimmer!", sagen die Teufel, wenn ich sie auf Benedikt XVI. anspreche. Mit Ratzinger sind wir endlich wieder in den besten Händen.

Welche Texte benutzen Sie?

Das Ritual von 1614. Im Jahr 2000 wurde zwar von der Kirche ein neues Ritual herausgegeben, aber es steht jedem Exorzisten frei, das alte oder neue zu benutzen.

So wird man Exorzist

Wie wird man eigentlich Exorzist?

Seit dem vierten Jahrhundert ernennt ein Bischof einen Geistlichen seiner Diözese zum Exorzisten. In der Regel lernt ein Neuling das Teufelaustreiben bei einem älteren Kollegen. Eine Hilfe ist der alte Ritus, der 21 Regeln enthält, der neue enthält nur fünf.

Was sind das für Regeln?

Regel 1: Glaube nicht sofort, dass eine Person wirklich besessen ist. In den meisten Fällen handelt es sich um andere Gründe. In vier Regeln geht es um die Tricks, die der Dämon nutzt, um nicht erkannt zu werden. Einige Regeln geben vor, wie man den Teufel befragen muss. Man muss ihn nach seinem Namen fragen, woher er kommt, was er mit einer Person anstellt.

Muss der Teufel denn antworten?

Im Namen Christi ist er gezwungen zu antworten. Manchmal antwortet er erst nach mehreren Sitzungen, aber irgendwann gibt er nach. Und wenn der Exorzist seinen Namen weiß, kann er ihn besser bekämpfen. Aber man muss aufpassen: Der Teufel ist von Natur aus ein Lügner.

Wie lauten die Namen des Teufels?

Teufelsnamen wie der Durcheinanderwerfer, der Verwirrer, der Faktenverdreher, der Verleumder, der Leibhaftige oder Satan.

Hängt von der Dauer der Besessenheit auch der Erfolg eines Exorzismus ab?

Je länger ein Mensch den Teufel im Leib hat, umso problematischer wird es. Manche sind seit ihrer Kindheit besessen. Dann braucht man Jahre.

Sie akzeptieren nur Fälle, die zuvor von Fachleuten untersucht worden sind.

Erst muss die Person bei einem Mediziner gewesen sein. Wenn die keinen Erfolg haben, studiere ich die Krankenakten. Oft ziehe ich die Ärzte heran, die sind dann bei der Teufelsaustreibung präsent. So können sie sich überzeugen, dass das kein Humbug ist.

Wie beginnen Sie einen Exorzismus?

Ich schaue der Person tief in die Augen. Ich ziehe die Augenbrauen hoch und studiere das Gesicht. Wenn wirklich der Teufel in einer Person ist, dann wird sie entweder sofort nervös oder schlägt die Augen nieder.

Erkennt ein erfahrener Exorzist wie Sie sofort, ob auch ich besessen bin oder nicht?

So direkt, wie Sie mir in die Augen schauen, können Sie nicht besessen sein. Oder aber (schmunzelt) Sie haben einen besonders gewieften Teufel im Leib, der mir standhält. Aber so ein Teufel ist mir noch nie begegnet.

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