Der Löffelschwimmbagger „Greif zu“ untersteht ebenfalls dem Verkehrsministerium und fährt auf der Mosel und dem Rhein. Foto: WSA Koblenz

Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise? Der Aufforderung aus dem Schlager können immerhin sieben Bundesminister mit ressorteigenen Schiffen und Booten nachkommen. Ausgerechnet eine Landratte kommandiert die größte Flotte in Regierungsdiensten.

Berlin - Dass Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin auch Befehlshaberin über die Fregatten, Korvetten, U- und Schnellboote der Marine ist, weiß jeder. Weniger bekannt ist dagegen, dass die Niedersächsin zwar die mächtigste, aber mitnichten die größte Flotte im Einsatz der Bundesregierung kommandiert. Obwohl Wasser bekanntlich keine Balken hat und Politiker normalerweise mindestens so vorsichtig sind wie die Mütter sprichwörtlicher Porzellankisten: Wasserscheu zu sein kann die Bundesregierung sich qua Amt gar nicht leisten.

Sechs Ministerien haben eine größere oder kleinere Flotte

Schiffe und Boote gehören zum Verantwortungsbereich von immerhin sechs weiteren Ministern im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. Da ist zum Beispiel Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Wenn sie irgendwann einmal in ihrer Amtszeit die Außenstelle des Bundesamtes für Naturschutz auf der Ostseeinsel Vilm besucht, wird sie in eine ressorteigene Personenbarkasse steigen. Es ist das einzige – aber immerhin seegängige – Boot, das unter ihrem ministeriellen Kommando steht. Unter den „Reedern“ der Bundesregierung ist Schulze damit die schmächtigste. Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU), eine nordrhein-westfälische Landsmännin von Schulze, bringt es schon auf fünf Forschungsschiffe: von der Polarstern, die Arktis und Antarktis erkundet, bis zum Forschungskutter Uthörn, der in der Nordsee Meeresbiologie und Geowissenschaften betreibt. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) aus Rheinland-Pfalz hat je drei Fischereischutz- und Fischereiforschungsboote im Einsatz.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) ist als Oberaufseher für die Bundespolizei zuständig für vier Einsatzschiffe, fünf Kontroll- und Streifenboote sowie einen Schlepper. Landsmannschaftliche Nähe zur Seefahrt kann bei der Berufung in diese Ämter mit maritimer oder flussschifffahrtlicher Komponente keine Rolle gespielt haben, wie die Liste zeigt. Olaf Scholz (SPD), seines Zeichens Hanseat und Finanzminister, ist da nur die Ausnahme von der Regel. Unter seinem Kommando bekämpfen 21 seegängige Zollschiffe und zehn Binnenschiffe den Schmuggel von Waren, Drogen oder Geld in der gesamten Nordsee, in der Ostsee, an den großen Flussmündungen an der Küste und auf Deutschlands Flüssen.

Mit Abstand die größte Flotte hat jedoch ein Bayer unter sich. Für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind Lotsenboote, Peilschiffe, Seezeichenmotorschiffe, Eisbrecher, Schubschiffe, Prahme (das sind Boote ohne eigenen Antrieb), Saugbagger, Löffelschwimmbagger und Taucherschiffe unterwegs.

Die größte Regierungsflotte ist für einen Bayern unterwegs

Insgesamt unterstehen dem Bundesverkehrsministerium, wie eine kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion zutage gefördert hat, im Rahmen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes 1300 Wasserfahrzeuge und schwimmende Geräte – Kleinfahrzeuge wie Ruderboote noch nicht mitgerechnet. Ob zur Amtsausstattung der Minister mit Flottenkompetenz auch stilechte Kapitäns- oder Prinz-Heinrich-Mützen gehören, wurde bei der Kleinen Anfrage übrigens nicht erfragt. Der traditionelle Seefahrerwunsch „Allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel“ ist den sieben Kabinettsmitgliedern aber hoffentlich bekannt. Angesichts der aktuellen Dürre in Deutschland mit Wassertiefständen auf den Flüssen sind die Besatzungen im Regierungsauftrag besonders darauf angewiesen.

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