Kolumnist KNITZ über den uns angeborenen Bewegungsdrang – und wie der sich im Lauf eines Lebens ändern kann.
KNITZ bekommt in jüngster Zeit regelmäßig Videos zugespielt, die auf wunderbare Weise zeigen, wie der Mensch von Kindesbeinen an angelegt ist. Und in welcher Windeseile er voranschreitet.
Zuerst kommen die Hände ins Spiel, die versuchen, ihre nähere Umgebung zu erkunden, was man mit dem mehrdeutigen Begriff „begreifen“ beschreiben kann. Aber kaum ist dieses Menschlein in der Lage, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen, versucht es, auf allen vieren voranzukommen, was KNITZ zu der wenig verblüffenden Feststellung bringt, dass uns Forschungs- und Bewegungsdrang angeboren sind.
Ein Gokart kam nicht ins Haus
Bemerkenswert findet KNITZ, dass zumindest der Bewegungsdrang wohl ein Leben lang anhält, die Art der Fortbewegung und der Fortbewegungsmittel im Lauf des Daseins aber variieren können. KNITZ will das an einem menschlichen Wesen aufzeigen, das ihm einigermaßen vertraut ist: an sich selbst.
Seine Kindheit liegt schon ein paar Tage zurück, aber wenn die Erinnerung nicht trügt, bevorzugte er von jeher Fortbewegungsmittel mit Rädern. Besonders vierrädrige Vehikel hatten es ihm angetan, sein sehnlichster Wunsch war es, Besitzer eines Gokarts zu sein. Das bekam er leider nie, mit der Begründung, dass er doch ein vergleichbares Fahrzeug besitze, einen Holländer.
Beim Holländer wurde mit den Füßen auf der Vorderachse gelenkt. Angetrieben wurde das Fahrzeug mit einer Deichsel, die mit den Armen vor- und zurückbewegt werden musste. Damit das Prinzip klar wird, hat KNITZ im Bildarchiv nach einem Holländer gesucht – und zu seiner Verblüffung ein Foto gefunden. Der Holländer von KNITZ war aus Metal, aber im Prinzip funktionierte er wie das hier gezeigte Holzgefährt.
Aus heutiger Warte würde KNITZ sagen: So ein Holländer ist ein erstklassiges Fahrzeug, das bestens die Oberarme und den Rücken trainiert. Für KNITZ hatte das Ding damals allerdings einen entscheidenden Mangel: Es besaß kein Lenkrad.
Irgendwann war sein Vorwärtsdrang hinterm Lenkrad gestillt
Um ein Fahrzeug mit Lenkrad führen zu dürfen, musste KNITZ eine ganze Weile warten und zudem einen Führerschein machen. Dann holte er allerdings nach, was ihm mangels Gokart verwehrt blieb: Als leidenschaftlicher Automobilist kurbelte er Hunderttausende Kilometer herunter. Vorzugsweise in großen Wagen, die ordentlich Wumms unter der Haube hatten.
Irgendwann war sein Vorwärtsdrang hinterm Lenkrad gestillt, da besann er sich auf seine Beine und begann zu joggen. Fast zeitgleich kam es ihm in den Sinn, dass er sich eigentlich auch auf zwei Reifen aufrecht halten könne. Also stieg er aufs Fahrrad um, das ihm im Moment sein liebstes Fortbewegungsmittel ist.
Interessant ist, dass das Fahrrad ihn zu einem anderen Autofahrer gemacht hat. Er fährt langsamer, umsichtiger und weiß es viel mehr als früher zu schätzen, wenn ihn ein Motor vorwärts bringt. Selbst Kleinwagen bereiten ihm heutzutage Freude.
Demnächst wird KNITZ das eingangs erwähnte Kind besuchen. Er hat sich vorgenommen, sich auf Augenhöhe mit dem jungen Menschen zu begeben und mit ihm durch die Gegend zu krabbeln. Wenn das seine alten Knochen zulassen.