Für die Miniaturfiguren Merkel und Gabriel scheint der Zug am Bahnhof Bonn abgefahren – Anlagenbetreiber Seehofer interpretiert es anders: Kanzlerin und Vizekanzler warten auf den Lokführer. Foto: © MARTIN KAESWURM / BECKMANN

In seinem Hobbykeller stellt Bayerns Ministerpräsident allein die Weichen: Hier hat Horst Seehofer binnen 20 Jahren eine Modelleisenbahn aufgebaut, die sein politisches Leben nachzeichnet. Die Playmobil-Kanzlerin wird in schwierigen Zeiten auf die Fensterbank abgeschoben.

Ingolstadt - „Oahhh. Ist ja Wahnsinn. Das ist ja Wahnsinn. Irre.“ Rüdiger Grube, der Bahn-Chef, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Im Hobbykeller seines Wochenendhauses nördlich von Ingolstadt hat Horst Seehofer auf vier Metern Breite und fünf Metern Länge sein politisches Leben in einer Modelleisenbahn nachgebaut. Grube darf das Heiligtum des bayerischen Ministerpräsidenten als einer der ersten Prominenten bewundern – gefolgt von einem Team des ARD-Magazins #Beckmann.

Ob Angela Merkel sich als Playmobil-Figur betrachten möchte, für die der Zug ebenso abgefahren zu sein scheint wie für Miniatur-Vize Sigmar Gabriel, das ist die Frage. Seehofers interpretiert die Szene so: „Der Lokführer weiß, dass Kanzlerin und Vize am Bahnhof Bonn auf ihn warten“. Hinter dem leibhaftigen Seehofer sind beide in den vergangenen Monaten öfters verschwunden. „Sigmar und Angela – das ist auch ein Stück meines Lebens.“ Die Merkel-Figur hat er beim Besuch des Spielwarenherstellers geschenkt bekommen. „In entspannten Zeiten ist sie die Chefin der Anlage“, sagt der Bastler. „In schwierigeren Zeiten . . . Fensterbank.“ Für Seehofer trägt Merkel fast allein die Schuld am Einflussverlust der Union. Nun sieht er sein Lebenswerk bedroht. „Wenn im Leben ein solcher Traum so jäh zerstört wird, und im Moment könnte ich nicht von einer absoluten Mehrheit reden, müssen Sie verstehen, dass man nicht zum Jubeln aufgelegt ist“, sagt er.

Die Zuwanderung bringt ihn um den Schlaf. „Es ist schon vorgekommen, dass ich in der Früh um drei Uhr der Kanzlerin eine SMS geschrieben habe, dass das alles furchtbar ist und frustrierend“, berichtet er, „dass man Phasen hat mit Neigungen zur Resignation.“ Merkel habe dann um sechs Uhr in der Früh geantwortet. „Im Moment wollen wir noch mit der Kanzlerin Deutschland gestalten“, droht er wieder einmal. „Ob dies auf alle Zeit so geht, werden wir sehen.“

Morgens um drei schickt er Merkel SMS-Botschaften

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