Deportation der Sinti und Roma in Stuttgart Eine Kerze für jedes NS-Opfer

Von Heidemarie A. Hechtel 

Erinnerung an die NS-Oper am Stuttgarter Nordbahnhof Foto: achim zweygarth
Erinnerung an die NS-Oper am Stuttgarter Nordbahnhof Foto: achim zweygarth

Die beiden Landeskirchen sowie die Initiative Zeichen der Erinnerung gedenken der in der NS-Diktatur ermordeten Sinti und Roma am 15. März mit unterschiedlichen Veranstaltungen. Schüler verlesen die Namen der Ermordeten und entzünden Kerzen.

Stuttgart - Ihr Leben wurde ausgelöscht, aber ihre Namen sind an der Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung am Nordbahnhof seit 2008 mahnend an die Wand geschrieben: Es sind 261 Angehörige der Völker Sinti und Roma aus Stuttgart und Württemberg, die im März 1943 vom Stuttgarter Güterbahnhof nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Allein am 15. März wurden 234 Sinti verschleppt, die letzten Deportationen fanden noch im Jahr 1945 statt. Zum 75. Jahrestag dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit gedenken die Landeskirchen beider Konfessionen und die Initiative Zeichen der Erinnerung der Opfer. Zum dritten Mal nach 2008 und 2013, wie Andreas Keller, der frühere Intendant der Internationalen Bach-Akademie und als Vorsitzender der Initiative Zeichen der Erinnerung Nachfolger von Roland Ostertag, berichtet.

Insgesamt 500 000 Sinti und Roma umgebracht

Den Auftakt bildet ein ökumenischer Gottesdienst um 14 Uhr in der Stiftskirche, den Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, und Bernd Uhl, Weihbischof der Erzdiözese Freiburg, gemeinsam feiern. An der Gestaltung beteiligen sich außerdem das Trio „Die Drahtzieher“, Schülerinnen und Schüler der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen (Hohenlohekreis) sowie Mitglieder des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, der in Mannheim beheimatet ist.

Dessen Vorsitzender Daniel Strauss wird am 15. März von 16 Uhr an an der Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung an der Otto-Umfrid-Straße an das Schicksal seines Volkes erinnern. Denn insgesamt wurden während der NS-Diktatur 500 000 Sinti und Roma umgebracht. „Leider setzte sich die Geschichte der Diskriminierung weiter fort“, erinnert Andreas Keller an ein unrühmliches Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: „Auch nach 1945 wurden Sinti und Roma ausgegrenzt.“

Grußworte und Ausstellung

Neben Grußworten von Staatssekretärin Theresa Schopper, Bürgermeister Martin Schairer und Barbara Traub, der Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinschaft, einer Lesung von Rudolf Guckelsberger sind bei dieser Gedenkstunde 40 Schülerinnen und Schüler der Hedwig-Dohm- und der Alexander-Fleming-Schule dabei, die vor Kurzem einen Kooperationsvertrag mit der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem geschlossen haben. Die Jugendlichen werden die Namen der 261 Opfer verlesen und für jedes eine Kerze entzünden.

„Wir erinnern an die schrecklichen Verbrechen, die an Sinti und Roma verübt wurden, um uns auch heute zum Abbau von Vorurteilen und einer wachsenden Solidarität und Bereitschaft zur Begegnung mit Sinti und Roma ermahnen zu lassen“, betont Andreas Keller eindrücklich. Noch nachdrücklicher wird diese Erinnerung durch die Ausstellung wach gerüttelt, die um 17.30 Uhr in der benachbarten Martinskirche von Jerome Weiss vom Landesverband Sinti und Roma eröffnet wird: Fotografien, Texte und Dokumente des Grauens unter dem Titel „…weggekommen. Abschied ohne Wiederkehr.“

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