Die Erd- und Bauschuttdeponie Weißer Stein bei Plochingen ist die größte im Landkreis. Auch ihre Kapazität ist bald erschöpft. Foto: Ines Rudel

In nicht mal zehn Jahren sind die Kapazitäten der drei Deponien im Landkreis Esslingen erschöpft. Für die künftige Entsorgung wird ein Ablagerungsvolumen von 3,5 Millionen Kubikmeter benötigt. Wo gibt es so viel Platz?

Der Bauboom hält an, überall wird saniert, abgerissen oder neu gebaut. Dadurch fällt reichlich Bauschutt und Bodenaushub an. Das meiste Material wird inzwischen zwar recycelt, doch ein nicht verwertbarer Rest muss auf die Deponie. Und hier hat der Kreis Esslingen ein Problem. Die Kapazitäten seiner Erddeponien „Blumentobel“ im Tiefenbachtal bei Beuren, „Weißer Stein“ im Schurwald über Plochingen und „Gründener Wasen“ am Fuße der Schwäbischen Alb bei Weilheim reichen keine zehn Jahre mehr, wenn weiterhin im Schnitt rund 180 000 Kubikmeter Material pro Jahr angeliefert wird.

 

Die drei bestehenden Standorte können laut Manfred Kopp, dem Geschäftsführer des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB), nicht aufgestockt werden. Da der Landkreis als verantwortlicher Entsorgungsträger jedoch verpflichtet ist, eine zehnjährige Entsorgungssicherheit zu gewährleisten, muss er sich deshalb auf die Suche nach möglichen neuen Deponiestandorten begeben.

Das Ganze wird Jahre dauern

Die Einleitung des erforderlichen Raumordnungsverfahrens wurde beim Regierungspräsidium Stuttgart bereits beantragt, teilte Landrat Heinz Eininger unlängst im Umweltausschuss des Kreistages mit. Sobald die Zustimmung der Behörde vorliegt, wird die Kreisverwaltung die Ausschreibung zur Beauftragung eines Fachbüros veröffentlichen. Das soll das Verfahren dann durchführen. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, betonte Eininger in der Sitzung des Gremiums und fügte hinzu: „Das Ganze wird Jahre dauern.“

Denn das nun folgende Prozedere ist kompliziert und langwierig. Die Schwierigkeit besteht laut AWB-Chef Kopp darin, „Standorte zu finden, die die geologischen, naturschutzrechtlichen, raumordnerischen und technischen Voraussetzungen erfüllen“. Und die auch Akzeptanz in der Bevölkerung finden: Die Anrainer sind selten begeistert von Deponien in ihrer Nachbarschaft, da sie in der Regel mit einem hohen Lastwagenaufkommen verbunden sind. Den Erfahrungen nach wird für den Suchlauf „ein Zeitraum von acht bis zehn Jahren benötigt“, sagt der AWB-Geschäftsführer.

Auf der neuen Deponie soll Abfall der niedrigsten Deponieklassen 0 und 1 – also unbelasteter und gering schadstoffhaltiger Erdaushub und Bauschutt – gelagert werden, der bei vielen Baumaßnahmen anfällt. Alles in allem bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter Material. Dieses Volumen soll für rund 20 Jahre reichen. Laut Kopp liegt der Platzbedarf damit „je nach Gestaltungsform der Deponie“ bei 20 bis 25 Hektar. Es bedarf keiner prophetischen Gabe, um vorauszusagen: Ein Stück Land zu finden, das der Fläche von mehr als 30 Fußballfeldern entspricht, wird im dicht besiedelten Kreis Esslingen mit seinen zahlreichen Industrierevieren und Landschaftsschutzgebieten alles andere als einfach werden. Das Ablagerungsvolumen auf mehrere kleine Standorte zu verteilen, wäre nach Einschätzung von Kopp wiederum nachteilig, da in diesem Fall die Kosten für die Infrastruktur mehrfach anfielen.

Nur noch 1,7 Millionen Kubikmeter Reserve

Im vergangenen Jahr wurden laut Kopp 231 000 Kubikmeter Erde und Bauschutt auf den drei Deponien des Kreises Esslingen angeliefert: 180 000 Kubikmeter auf dem „Weißen Stein“, 62 000 Kubikmeter auf dem „Blumentobel“ und 1000 Kubikmeter auf dem „Gründener Wasen“, der allerdings nur in begrenztem Umfang zur Verfügung steht. Das Lagervolumen aller drei Erd- und Bauschuttdeponien beträgt insgesamt rund zehn Millionen Kubikmeter, bis Ende dieses Jahres wird dort lediglich noch Platz sein für knapp 1,7 Millionen Kubikmeter Material. Die Lagerstätten haben sich damit erwartungsgemäß entwickelt, heißt es beim Abfallwirtschaftsbetriebes des Kreises Esslingen.

Wie schwer es jedoch ist, einen Standort für eine Erddeponie zu finden, zeigen Bespiele aus anderen Landkreisen in der Region. So wurde in Ludwigsburg der Suchlauf unlängst abgebrochen: Die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft kassierte heftigen Gegenwind aus den Reihen der Bevölkerung, als sie die beiden möglichen Deponie-Standorte Großbottwar und Hemmingen als Nachfolge für die Deponie am Froschgraben in Schwieberdingen nominierte. Die Diskussion dreht sich vor allem um die Müllmengen. Auch in Böblingen ist man schon seit Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Standort für eine Bauschuttdeponie – bisher ohne nennenswerten Erfolg. Der Suchlauf wurde 2017 noch einmal komplett neu aufrollt, obwohl es schon etliche Gutachten gab und einige Debatten geführt worden waren.

Die drei Erd- und Bauschuttdeponien im Kreis Esslingen

Blumentobel
 Die Deponie liegt im Tiefenbachtal nordöstlich von Beuren und grenzt unmittelbar an die ehemalige Hausmülldeponie an. Mit der Erweiterung der Fläche wurde 1987 eine Deponie für Erdaushub und Bauschutt mit einer Kapazität von 2,7 Millionen Kubikmeter angelegt. Bislang wurden dort rund 2,2 Millionen Kubikmeter Material abgelagert.

Weißer Stein
Die Deponie mit einer Kapazität von 6,5 Millionen Kubikmeter liegt zwischen Plochingen, Aichwald und Baltmannsweiler. Der Kreis nutzt sie seit 1987. Seither wurden rund 5,2 Millionen Kubikmeter Erde und Bauschutt angeliefert.

Gründener Wasen
 Ursprünglich nutzte die Stadt Weilheim die Fläche als Auffüllplatz, seit 1986 dient sie dem Landkreis als Erd- und Bauschuttdeponie. Die Lagerkapazität liegt bei 770 000 Kubikmeter, davon sind noch 196 000 Kubikmeter frei. Seit 1997 ist sie nur für Großanlieferer auf Anfrage geöffnet.