Viele Interessenten bei der Versteigerung des Inventars von Depardieus ehemaligem Restaurant „La Fontaine Gaillon“ in Paris. Foto: Krohn

Der französische Schauspieler Gérard Depardieu hat sein Restaurant in Paris verkauft, nun kam das Inventar unter den Hammer.

Paris - Gérard Depardieu ist nicht gekommen. Die Show im noblen „La Fontaine Gaillon“ ging ohne den Star über die Bühne. Seine Fans waren allerdings nicht enttäuscht, denn keiner hatte wirklich geglaubt, dass der französische Schauspieler zu einem letzten Gang durch sein ehemaliges Gourmetrestaurant im schicken 2. Arrondissement auftauchen würde, das er vergangenen Monat verkauft hat – oder womöglich sogar die Versteigerung des Inventars beobachten könnte. „Gérard Depardieu ist aber alles zuzutrauen, deshalb bin ich trotzdem hier“, erklärte eine Frau, die sich als große Bewunderin des in Frankreich nicht ganz unumstrittenen Mimen outete und schon seit den Morgenstunden am Place Gaillon auf den Beginn der Auktion wartete. „Ich werde nachher auch versuchen, etwas zu ersteigern“, gab sie etwas verlegen zu, „vielleicht einen Salzstreuer oder etwas in der Preisklasse.“

Geschirr, Tische, Leuchter aus Kristall

David Nordmann, Chef des zuständigen Auktionshauses Ader, hatte schon vor der Versteigerung kundgetan, dass er davon ausgehe, dass einige Devotionaliensammler unter den Bietern sein würden. Unter den Hammer kamen unter anderem das Geschirr, Tische, Stühle, Kristallleuchter sowie die gesamte Küchenausrüstung, die Spitzenkoch Pascal Lognon-Duval im Auftrag Depardieus nutzte.

Begonnen wurde die Auktion etwas verspätet um kurz nach 10 Uhr mit dem beeindruckenden Inhalt des Weinkellers. David Nordmann ließ sich natürlich die Gelegenheit nicht nehmen, auf einem kleinen Podium auf der Terrasse des Restaurants persönlich den Hammer zu schwingen. Im lässigen Plauderton erklärte er zunächst, dass für die Qualität der Gegenstände natürlich keine Garantie übernommen werden könne, dann allerdings ging es Schlag auf Schlag. „800 Euro für den das Angebot mit der Nummer 22 – zum ersten – zum zweiten – zu dritten.“ Schnell wird klar, dass im Publikum keine Depardieu-Fans auf den Klappstühlen sitzen, sondern kühl kalkulierende Geschäftsleute, die mit klaren Vorstellungen über den Wert der vom Auktionator wortreich angepriesenen Flaschen angereist sind. Die Weine wechseln meist in 12er-Kisten den Besitzer. Ein Gebinde Bourgogne Aligoté, Maison Coche Dury, 2016, startet bei 400 Euro, am Ende wird der Zuschlag bei 1500 Euro liegen.

Ein Liebhaber guten Essens

Gérard Depardieu, ein großer Liebhaber des guten Essens und des edlen Tropfens, hatte „La Fontaine Gaillon“ in der Nähe der alten Oper mit großem Pomp und prominenten Gästen im Jahr 2003 eröffnet. Im Gastronomieführer Gault & Millau bekam die Küche die Note 13 von 20 und zwei Kochmützen. Immer wieder einmal schaute der Star in seinem Restaurant vorbei, doch diese Besuche wurden seltener. Stattdessen gab er sich immer häufiger mit den Autokraten dieser Welt ab. Seit einigen Jahren ist Depardieu russischer Staatsbürger, weil ihm die Steuern in Frankreich als zu hoch erschienen. Mit Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko ließ er sich fotografieren und auch in Nordkorea wurde er schon bei Diktator Kim Jong-un gesichtet.

Weltstar aus Frankreich

Gérard Depardieu hat in seiner sechs Jahrzehnte andauernden Karriere in rund 200 Filmen mitgespielt und erlangte mit Werken wie „Cyrano de Bergerac“ Weltruhm. Für seine Darstellung in der romantischen Komödie „Green Card – Scheinehe mit Hindernissen“ gewann er 1990 einen Golden Globe. Seine künstlerische Meisterschaft trat allerdings wegen allzu vieler Eskapaden mehr und mehr in den Hintergrund. Zuletzt war der Filmstar in Frankreich in die Schlagzeilen geraten, als eine Frau wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung Strafanzeige gegen ihn erstattete – Depardieu weist die Vorwürfe allerdings zurück.

Depardieu zieht sich zurück

Der Verkauf des „La Fontaine Gaillon“ soll offensichtlich nur der Anfang vom Ende von Depardieus kulinarischem Engagement in seiner Heimat sein. Der Schauspieler besitzt in Paris Anteile an mehreren Feinkostläden und in Frankreich auch einige Weingüter etwa im Burgund und Médoc, die er aber alle abstoßen will. Bereits 2015 hatte der exzentrische Star angekündigt, seinen gesamten Besitz in Frankreich verkaufen zu wollen.

Die Fans von Gérard Depardieu gingen bei der Versteigerung „La Fontaine Gaillon“ allerdings leer aus. Zwischen Kärcher-Hochdruckreinigern, Öfen zum Niedriggaren, speziellen Kühlschränken und Besteck wurden auch die Salzstreuer nur zusammen mit ganzen Geschirrgarnituren verkauft – alles geeignet für die Großküche, aber nicht für den Devotionalienschrank.

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