Christian Dosch will das Schützenhaus mit Hilfe der Bürger sanieren Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Mehrfach wurde das Thema vertagt. Nun soll die Zukunft des Garnisonsschützenhauses am Dornhaldenfriedhof Anfang Februar im Wirtschaftsausschuss nicht öffentlich behandelt werden. Die Frage ist, ob die Gebäude verkauft werden oder im Besitz der Stadt bleiben.

Stuttgart - Seit fünf Jahren steht das denkmalgeschützte Fachwerkhaus leer. Die letzte Mieterin zog 2009 aus. Seitdem verwahrlost das Gebäude auf der Dornhalde. Die Verwaltung hatte es auf ihrer Verkaufsliste. Aus einem Verkauf wurde nichts, weil es keine baurechtlich genehmigte Nutzung gab (unsere Zeitung berichtete).

Konzept der Blogger

Dem Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen des Gemeinderats liegen fünf Konzepte vor. Der Vorschlag einer Initiative von Stuttgarter Bloggern zielt darauf ab, ein für die Öffentlichkeit zugängliches „Haus der Ruhe“ zu schaffen. Auf den 138 Quadratmetern im Erdgeschoss soll es Meditationskurse, Lesungen und Workshops geben, im Ober- und im Dachgeschoss auf hundert Quadratmetern Büros und Ateliers für Menschen, „die für ihre Arbeit Ruhe brauchen“, sagt Christian Dosch, Sprecher der Initiative. Er denkt dabei an Künstler und Wissenschaftler. Auf den 116 Quadratmetern im zweigeschossigen Nebengebäude will die Initiative Wohnraum für Menschen bieten, die eine Zeit lang alternativ leben wollen. Die Kosten für die Instandsetzung des maroden Ensembles kalkuliert Tilman Riegler vom Stuttgarter Planungsbüro Strebewerk mit knapp einer Million Euro. Sein Büro hat für die Blogger kostenlos die Schäden dokumentiert.

Finanzierung

Käme das achtköpfige Team um Dosch zum Zug, würden die Gebäude im Besitz der Stadt bleiben. Die Million für die Sanierung will das Team über eine Bürgergenossenschaft auftreiben. „Wenn sich tausend Bürger mit je 1000 Euro einbringen, klappt das“, stellt Dosch fest. Die Investoren könnten ihr Geld jederzeit aus dem Projekt ziehen – bei einer Rendite von zwei Prozent. Schützenhilfe bekommen die Blogger von Peter Conradi. Der ehemalige Präsident der Bundesarchitektenkammer kritisiert, dass die Stadt bei Projekten auf Großinvestoren setzt. „Die sind nicht an Stuttgart, sondern an der Rendite interessiert. Nach 20 Jahren haben sich die Projekte gerechnet und können abgerissen werden“, stellt er fest. Als Alternative plädiert er für Immobilienfonds, die von Bürgern getragen werden. „Das Garnisonsschützenhaus ist ein kleines Projekt. Das lässt sich durch einen Bürgerfonds gut realisieren“, sagt er.

Alternativen

Konkurrenz machen den Bloggern vier ­weitere Interessenten: Ein Architekt will die Gebäude kaufen und dort sein Büro einrichten und mit seiner Familie wohnen. Ein Steinmetz will ebenfalls kaufen und in den Gebäuden wohnen und arbeiten. Ein weiteres Konzept sieht in dem Ensemble eine Bühne für Schauspiel, Lesungen und Gastwohnungen vor. Und zwei Familien wollen gemeinsam Ausstellungen und Seminare anbieten und Wohnräume einrichten.

Chancen

Das Amt für Liegenschaften und Wohnen will sich vor der nichtöffentlichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 6. Februar nicht zu den Konzepten äußern. Die CDU favorisiert das Konzept des Architekten und räumt den Bloggern wenig Chancen ein: „Das würde von der Fachbehörde gar nicht genehmigt werden, denn die Art der Nutzung würde zu viel Autoverkehr in dem Landschaftsschutzgebiet nach sich ziehen“, sagt CDU-Stadtrat Joachim Rudolf.

Die SPD hat „ein Interesse daran, dass im Schützenhaus etwas entsteht, das auch nach außen wirkt“, sagt Stadtrat Udo Lutz. Die Grünen wollen sich am Samstag, 24. Januar, bei einem Spaziergang über das Gelände zusammen mit den Bloggern und Fachleuten eine „fundierte Meinung“ bilden. „Für die Idee der Blogger haben wir große Sympathie“, sagt der Grünen-Stadtrat Andreas Winter.

Rundgang

Zum Spaziergang am Samstag, 24. Januar, rund ums Garnisonsschützenhaus sind auch interessierte Bürger eingeladen. Start ist um 14 Uhr an der Talstation der Seilbahn am Südheimer Platz. Während des Spaziergangs gibt es Kurzreferate. Die Aktion ­dauert bis etwa 16 Uhr.

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