Bis zum Umbau des Wilhelmspalais’ zum Stadtmuseum stand das Denkmal für König Wilhelm II. noch vor dem Gebäude (unten). Heute befindet es sich seitlich, im hinteren Bereich. Oder, wenn man so will: nahe des Zweiteingangs an der Urbanstraße. Foto: red, Lg/Max Kovalenko

Treue Freunde und Sympathisanten von König Wilhelm II. verstehen die Welt nicht mehr recht. Denn das Denkmal für Wilhelm und seine beiden Hunde darf nicht mehr vor dem Wilhelmspalais stehen. Das Stadtmuseum verteidigt die Verlegung.

Stuttgart - Es gibt sie noch immer: die Stuttgarter, die den König vermissen – zumindest das Denkmal für Wilhelm II. an seinem früheren Standort. Jahrzehntelang war es vor dem Eingang des Wilhelmspalais’ an der Konrad-Adenauer-Straße angesiedelt gewesen. Für den Umbau des einstmaligen königlichen Wohnhauses und der späteren Stadtbücherei in ein Stadtmuseum musste es weichen. Seit Mitte September 2017 ist es auf dem Gelände wieder zu sehen, allerdings nicht mehr am früheren Platz, sondern an der Südseite des Gebäudes im hinteren Bereich, wo Wilhelm wie ein distanzierter Beobachter der neuen Gebäudenutzung wirkt.

Das Unverständnis der Königstreuen und der Königssympathisanten über diese Platzierung und der Unmut darüber, der sich zunächst in den sozialen Netzwerken Bahn brach, haben sich auch gut acht Monate später noch nicht ganz gelegt. Der Fellbacher Günter Heeß hat nun, nachdem er der „Verbannung“ jüngst im Rahmen einer Stadtführung gewahr wurde, eigens an Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) geschrieben. Sein Appell: „den beliebten und von den meisten Stuttgartern hochverehrten Bürgerkönig“ nicht länger zu verleugnen, sondern das Denkmal wieder vor das Gebäude zu stellen, das die Stadt Wilhelm II. zu verdanken habe. In dem Brief wirft Heeß auch die Frage auf, ob der königliche Umzug denn nun „aus ideologischer, architektonischer oder sogenannter künstlerischer Sicht gewollt war“.

Direktor Giese: Wir wollten den König nicht herabsetzen

Der neue Hausherr im Gebäude, Torben Giese, lässt auf Nachfrage wissen, man habe keinesfalls eine Herabsetzung des Königs im Schilde geführt. Im Gegenteil: Das Denkmal sei aus seiner Sicht am neuen Ort besser platziert als am alten. Der König mit seinen beiden Spitzen stehe nicht mehr so exponiert im Verkehrslärm. Anders als früher sei das Denkmal auch nicht mehr einfach Beiwerk des Gebäudes, sondern es stehe im Garten und dort auch mittendrin in den Freiluftaktionen am Stadtpalais, wie das Wilhelmspalais nach dem Einzug des Stadtmuseums heißt. „Wir haben den schönstmöglichen Platz gesucht“, sagt Giese, „den Platz, an dem das Denkmal dem öffentlichen Raum etwas gibt.“ Alle Projektbeteiligten und der Architekt seien glücklich damit, beteuert der Museumsleiter.

Ein Einspruch ist auch von den Akteuren nicht bekannt geworden, die Mitte September den König im Garten begrüßten, flankiert von zehn lebenden Spitzen, die ein Züchter von Wilhelms Lieblingshunderasse aus diesem Anlass aufmarschieren ließ. Diese Akteure waren Bettina Klett, die Chefin des Freundeskreises Stadtmuseum Stuttgart, und Werner Koch vom Verkehrsverein Pro Stuttgart. Dieser Verein hatte neben einem Denkmal-Förderverein um Hans-Frieder Willmann einst immerhin wesentlich dazu beigetragen, dass Wilhelm II. und die Spitze im Jahr 1991 eine Heimstatt vor dem Palais fanden – in Form des Denkmals aus der Hand von Hermann-Christian Zimmerle.

Der Bau des Palais’ geht auf Wilhelm I. zurück

Wer nun argwöhnt, hinter dem Umdirigieren des Denkmals gäbe es womöglich doch weitergehende Überlegungen, liegt vielleicht aber nicht ganz falsch, wie bewusst oder unbewusst die Verantwortlichen auch die Person von Wilhelm II. in dem Moment reflektiert haben mögen. Jedenfalls wurde das Gebäude ja am Jahresanfang von Wilhelms- in Stadtpalais umbenannt, um andere Assoziationen zu wecken und um an andere Traditionen anzuknüpfen als an die Wilhelms-Geschichten. „Ein 22-Jähriger heute hat doch gar nichts mehr von Wilhelm II. gehört“, meint Giese. Und sachte kratzt er auch an der Legende vom Bürgerkönig. Dass der letzte regierende Spross des Hauses Württemberg leutselig erschien und sich als Spaziergänger unters Volk gemischt habe, wird sich zwar sicherlich weiter halten. Aus wissenschaftlicher Sicht hält Giese es aber nicht für tragbar, Wilhelm II. zum Liberalen und zum Demokraten zu verklären.

Mit der Vorstellung, das Denkmal müsse wieder vor das Gebäude, weil die Stuttgarter das Palais Wilhelm II. zu verdanken hätten, räumt schließlich Gieses Stellvertreterin Edith Neumann auf. Der Bau, erinnert sie, gehe in Wirklichkeit auf Wilhelm I. zurück, dem vor der Staatsgalerie ein Denkmal gesetzt wurde.

Und wer weiß: Vielleicht würde Wilhelm II. nicht einmal im Garten stehen wollen. Schließlich soll er nach der Revolution 1918 im Exil in Bebenhausen beschlossen haben, Stuttgart für immer zu meiden. Weswegen sein Leichnam 1921 auch um Stuttgart herum zur Grabstätte in Ludwigsburg überführt werden musste.

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