Bürgermeister Ralf Barth freut sich über den Kauf des ehemaligen CAP-Marktes in der Berkheimer Straße. Das Ladenlokal steht seit Ende April leer. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Denkendorf kauft das frühere CAP-Markt-Gebäude und plant eine Neugestaltung der „Mittleren Ortsmitte“ rund um Schafhaus und „Ochsen“. Welche Ideen hat die Gemeinde für die Nutzung?

Seit mehr als einem halben Jahr stehen die Räume des ehemaligen CAP-Markts in der Berkheimer Straße leer. Mit der Schließung des Lebensmittelmarktes, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiteten, war das kleine Zentrum um die sogenannte „Ochsenkreuzung“ wieder um ein Nahversorgungsangebot ärmer. Vor allem auch ältere Menschen schätzten es, sich im Markt fußläufig mit Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen und andere Menschen zu treffen, weiß der Denkendorfer Bürgermeister Ralf Barth. „Es war für viele auch ein Ort der Begegnung“, sagt Barth. Doch das reichte nicht, um dauerhaft wenigstens eine schwarze Null zu erwirtschaften.

 

Weil die Gemeinde bei der künftigen Nutzung der Räume, die überwiegend in einem Anbau an das historische Schafhaus untergebracht sind, mitreden wolle, habe man früh Kontakt mit den Eigentümern aufgenommen. Diese hätten positiv auf den Wunsch reagiert, das Ladengeschäft an die Kommune zu verkaufen. Ein Wertgutachten musste erstellt werden und jüngst wurde der Kaufvertrag unterschrieben.

Gemeinde kauft Gebäude: „Wir wollen die Karten nicht aus der Hand geben“

Blick auf die „Mittlere Ortsmitte“ mit dem Schafhaus. (Archivfoto) Foto: Ines Rudel

„Wir wollen die weitere Entwicklung des Standorts aktiv mitgestalten und die Karten nicht aus der Hand geben“, betont der Bürgermeister. Der Kauf schaffe nun Gestaltungsspielraum für die Gemeinde. Zumal das Gebäude im Bereich des künftigen Sanierungsgebietes „Mittlere Ortsmitte“ liegt. Hier plant die Gemeinde eine Aufwertung des Areals mit mehr Grün und Aufenthaltsqualität vor allem auch im Bereich des bisherigen Ladenlokals in der Berkheimer Straße. Durch den Kauf wollte man Nutzungen verhindern, die nicht ins Konzept der Kommune für diesen Standort passen. Von einem Matratzengeschäft war wohl mal die Rede ebenso wie von einem „Lego-Museum“.

Im Frühjahr bekam die Gemeinde den Bescheid, dass sie in das Bund-Länder-Programm Sozialer Zusammenhalt (SZP) aufgenommen ist. Dadurch kann die Kommune bei einem Förderrahmen von knapp 1,7 Millionen Euro mit einer Million Euro an Finanzhilfe für öffentliche wie private Sanierungsmaßnahmen rechnen. „Durch die Aufnahme in das städtebauliche Förderprogramm werden rund 60 Prozent des Kaufpreises vom Land übernommen“, freut sich Barth. Auch weitere Maßnahmen wie ein möglicher Umbau seien förderfähig. Wieviel die Kommune für das Ladenlokal auf den Tisch legen musste, darüber habe man Stillschweigen vereinbart.

Neue Ideen für ehemaligen CAP-Markt in Denkendorf gesucht

Nun will man im Rathaus Ideen sammeln und ein Nutzungskonzept entwickeln, was im ehemaligen Lebensmittelmarkt künftig unterkommen könnte. Dass es wieder ein sogenannter Vollsortimenter wird, der die ganze Fläche von rund 400 Quadratmetern bespielt, kann sich Barth nicht vorstellen. Schon der CAP-Vorgänger Treff 3000 war an dieser Stelle gescheitert. Barth wünscht sich dennoch, dass es dort wieder ein kleines Lebensmittelangebot gibt. Er könne sich einen Mini-Supermarkt vorstellen, der auf rund 100 Quadratmetern die Dinge des täglichen Bedarfs anbietet. Auch Gastronomie sei denkbar, da der Aufenthaltsbereich vor dem Laden vergrößert werden soll und so Außengastronomie möglich werde.

Für die weiteren Flächen gebe es schon erste Ideen. „Sie sind aber noch nicht spruchreif“, vertröstet der Bürgermeister. Er ermuntert dazu, sich mit Ideen an die Gemeinde zu wenden. „Wir sind generell sehr offen, aber es müsste schon der konkrete Wille dahinterstehen, das dann auch umzusetzen.“

Gemeinde Denkendorf will 2026 Klarheit über Nutzung der früheren CAP-Markträume

Wer derzeit durch die Schaufenster des ehemaligen Lebensmittelmarkts späht, sieht einen großen leeren Raum mit Fliesenboden und vier Betonstützen. „Ich gehe nicht von allzu großem Sanierungsbedarf aus“, sagt Barth. Möglicherweise werde man die Außenfassade sanieren und auch Bereiche abtrennen, wenn mehrere Einheiten entstehen sollen. Auch weitere Zugänge könnten nötig werden, wenn die Fläche geteilt wird. Zudem soll der Anlieferungsbereich zurückgebaut werden.

Im kommenden Jahr will man Klarheit über die künftige Nutzung haben. Wichtig ist der Gemeinde, dass wieder ein Ort mit öffentlichem Charakter entsteht. „Es soll ein Angebot geschaffen werden, das Infrastruktur für die Bürger schafft und zur Aufenthaltsqualität beiträgt“, so Barth. Er ist zuversichtlich, dass sich geeignete Nutzer finden.

Die „Ochsenkreuzung“

CAP-Markt
2020 wurde in den Räumen in der Berkheimer Straße ein CAP-Markt eröffnet. Betreiber war die gemeinnützige GmbH NintegrA, eine Tochter des Sozialunternehmens Neue Arbeit. CAP steht für Handicap. Beschäftigt waren dort Menschen mit und ohne Behinderung. Knapp fünf Jahre später schloss der Markt Ende April 2025 wieder. Als Grund wurde genannt, dass die Umsätze die laufenden Kosten nicht decken konnten.

Sanierungsgebiet
Die obere Ortsmitte rund um das historische Schafhaus und die „Ochsenkreuzung“ – nach einem dort befindlichen Gasthof benannt – soll durch mehr Grün und weniger Asphalt barrierefrei und lebenswert umgestaltet werden. Die Berkheimer Straße wird dazu eingeengt werden. Der Bereich vor dem ehemaligen CAP-Markt soll Platzcharakter erhalten.